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„Tatort“ aus München : Drum prüfe, wer sich fünfmal bindet

  • -Aktualisiert am

Das muss Liebe sein: Jacobi (Martin Feifel) macht reinen Tisch vor Dr. Slowinski (Juliane Köhler), allerdings nur was Verena Schneider betrifft. Bild: Claussen+Putz Filmproduktion GmbH

Der Münchner „Tatort“ ist diesmal eine reine Herzensangelegenheit, für den Verdächtigen und die Kommissare. Sie lassen den Krimi einfach sausen.

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          Wenn die Drehbuchautorin und Dokumentarfilmerin Katrin Bühlig und der Regisseur Rainer Kaufmann zusammen einen „Tatort“ machen, darf man nicht nur wegen des Krimiformats gespannt sein. Erwarten lässt sich ein sozial- und gesellschaftskritisches Stück, das sein Thema nicht thesenartig verarbeitet, sondern nach fiktionalen Fernsehstandards herausragend in Szene setzt. Wie etwa „Unter uns“, der von Margarethe von Trotta vor zehn Jahren inszenierte hr-„Tatort“, in dem es um Kindesverwahrlosung ging (Buch Bühlig), oder Filme über Kindesmissbrauch, Kindesmord und organisierten Kinderhandel wie „In aller Stille“ oder „Operation Zucker“ (Regie Kaufmann).

          Die Liste lässt sich fortsetzen bis zum von Kaufmann inszenierten, kürzlich ausgestrahlten „Polizeiruf. Nachtdienst“. Katrin Bühlig und Rainer Kaufmann – diese Namen stehen für Fernsehen, das sich trotz seines filmästhetischen Anspruchs auch als Anklage versteht. Und für Filme, die nicht zuletzt deswegen zahlreiche Preise erhalten haben.

          Schabernack mit dem Zuschauer

          Ob „Die Liebe, ein seltsames Spiel“ ein preiswürdiges Stück ist, steht dagegen gar nicht zur Debatte. Der 75. Fall der „Tatort“-Kommissare aus München wirkt, als wollten Bühlig und Kaufmann nach all dem Schweren und Bedeutenden jetzt auch einmal Schabernack mit dem Zuschauer treiben – auch und gerade bei den beiden Morden, um die es hier geht.

          Darauf deutet schon allein die Auflösung des ersten Todesfalls hin, die Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) am Ende wider Erwarten fast zufällig doch noch gelingt. Überlegt unspektakulär gefilmt (Kamera Klaus Eichhammer), ist „Die Liebe, ein seltsames Spiel“, mit einem Komma im Titel, ein Stück, das die Liebe mit dem Spiel einerseits grammatikalisch verbindet und andererseits beide voneinander trennt wie ein tatsächlicher, nicht nur typographischer Abgrund.

          Ein Architekt, der sich fünf Geliebte leistet

          Karl Kraus hätte seine helle Freude. Sein Zeitgenosse Schnitzler stand auch noch Pate in diesem verspielt tändelnden, leicht zu unterschätzenden Stück über die erwachsene Liebe und die Unverbindlichkeit der Beziehungen, die zu immer neuen Paarungen führt. Der Liebesreigen hier dreht sich um einen Mann und fünf Frauen. Der erfolgreiche Architekt Thomas Jacobi (Martin Feifel mit attraktiver Düsternis und nachlässiger Eleganz) leistet sich fünf Geliebte, seit Jahren. Keine rehäugigen emotional Bedürftigen im Teenageralter, sondern gestandene Frauen wie die Ärztin Andrea Slowinski (Juliane Köhler) oder die Friseurmeisterin Heike Gonzor (Anastasia Papadopoulou).

          Herrliche Vorstellung, finden Leitmayr und Batic, der selbst gerade die erotische Beziehung mit einer verheirateten Frau genießt, sich aber unpraktischerweise verliebt, zu Beginn. Bald beneiden sie Jacobi nicht mehr um sein kompliziertes Liebesmanagement. Nur eine seiner Freundinnen, die „polyamor“ lebende Psychologin Julia Stephan (Anna Schäfer), wusste von den Nebenfrauen. Und vielleicht auch Nicole Büchner (Hanna Scheibe), die Jacobi zu stalken begonnen hat. Wer könnte welches Motiv gehabt haben, andere Freundinnen aus dem Weg zu räumen?

          Reicht Liebespein? Oder wurde Jacobi die Jonglage zu viel? Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer), der Kommissarsnachwuchs, der von den Veteranen Batic und Leitmayr alles „Tatort“-Wesentliche lernen soll, gibt sich jungspundmäßig monogam und moralisch. Alles andere könnte er sich genau so wenig leisten wie eine teure Wohnung in Innenstadtlage. Er fragt schon mal: „Das Ganze mit der Liebe, wird das eigentlich schwieriger im Alter?“ Batic, mild melancholisch: „Nein, normalerweise gibt es für jeden von uns da draußen jemanden, aber irgendwie klappt es nicht immer mit der Verteilung.“ So unverbindlich-spielerisch, wie der „Tatort. Die Liebe, ein seltsames Spiel“ lange Zeit tut, geht er dann doch nicht aus.

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