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Neuer „Tatort“ aus Dortmund : Schimanski ermittelt hier nicht mehr

  • -Aktualisiert am

Das neue Team aus Dortmund: Aylin Tezel, Stefan Konarske, Jörg Hartmann und Anna Schudt (v.l.) Bild: dpa

Wandel durch Abbildung: Mit dem „Tatort“ aus Dortmund zeichnet der WDR ein neues Bild vom Ruhrgebiet. Das will den neuen Strukturen gerecht werden, ohne auf gängige Muster zu verzichten.

          Dass Duisburg kein Tatort mehr sein wird, hat auch damit zu tun, dass es dort an manchen Ecken noch immer so aussieht wie in Dortmund vor zwanzig Jahren: Ruß auf der Fensterbank, glühende Hochöfen und meterdicke Stahlrohre entlang der Aschenplätze. Das entspricht dem Bild, das es vom Ruhrgebiet noch immer gibt - das qualmende Industrierevier, in dem Hunderttausende bildungsferne Malocher samstags in die Stadien ziehen. Dieses Bild will der WDR nun verrücken. Er will weg von der Ruhrpottromantik. Dafür erschien Dortmund als geeigneter Ort: Hier sind die Hochöfen längst zu Industriekultur stilisiert worden, Malocher dominieren nicht mal mehr in der einst staatsparteiähnlichen SPD, und im Stadion jubeln die High Potentials der schwarzgelben Mannschaft zu, die einen modernen Angriffsfußball spielt. Das Ruhrgebiet, in dem Horst Schimanski ermittelte, ist untergegangen.

          Geblieben sind die Konfliktlinien zwischen den Gewinnern und den Verlierern des Wandels, der allein in Dortmund 80000 Industriearbeitsplätze hat verschwinden lassen; es kamen neue. Eine ungeheuerliche Verschiebung. Die Zwischenräume sind gefüllt mit dem Material, aus dem der Drehbuchautor Jürgen Werner, der Regisseur (Thomas Jauch) und die Darsteller des vierköpfigen Ermittlerteams (Jörg Hartmann, Anna Schudt, Aylin Tezel, Stefan Konarske) von dieser Woche an den neuen „Tatort“ modellieren. Es ist Drehbeginn - in Köln, wo in einer Wohnung die erste Dortmunder „Tatort“-Leiche entdeckt wird. Dortmund wird nur die Außenaufnahmen erleben. An zehn Drehtagen für zwei „Tatort“-Folgen. Viel mehr wird vorerst nicht preisgegeben, außer dass der WDR in diesen Krimis den „Strukturwandel“ abbilden will.

          Noch geht ihm die Fragerei nicht auf die Nerven

          Bei der Vorstellung des neuen Stücks, das im Herbst erstmals in der ARD zu sehen ist, reden alle davon, auch die Intendantin Monika Piel. Die Idee mit dem neuen Ruhrgebiets-„Tatort“ sei ihr vor einem Jahr auf einer Pressekonferenz „voreilig rausgerutscht“, sagt sie. Damit trat sie eine Debatte über Identität und Imagebildung via „Tatort“ los. In Artikelserien der regionalen Presse und Internetforen wurde darüber abgestimmt, wer wohl der ideale Kommissar sei. Oft war vom Schimanski-Nachfolger die Rede. Schließlich wird der kompromisslose Duisburger Ermittler schmerzhaft vermisst. Schimmi ist Kult im Pott. Zumal er bislang ohne Ersatz blieb. Schlimmer noch: Die ursprünglichen Ruhrgebietskommissare Freddy Schenk (Dietmar Bär aus Dortmund) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt aus Hamm) ermitteln seit fünfzehn Jahren in Köln, wo sie immer mal wieder im Schlussbild eine Currywurst vor der Kulisse des Doms vertilgen. Ausgerechnet Currywurst.

          Kreativer Kopf aus dem Ruhrgebiet: Jörg Hartmann hat im Dortmunder Tatort ein Heimspiel

          Die mag Jörg Hartmann auch; nachdem er zwei davon verdrückt hat, schiebt er gar noch zwei Stücke Kuchen hinterher, so dass man sich fragt, wo dieser drahtige Mensch all das lässt. Der WDR hat eingeladen, zu Currywurst und Pils der „Dortmunder Actien-Brauerei“ - achtzehn Stockwerke über der Stadt. Im Blick das schönste Stadion Europas („Times“) und die Videoinstallationen an der Brauereibrache „Dortmunder U“. Zuletzt wurde da unten, auf der angeblich größten Baustelle Europas, das ehemalige Gelände eines riesigen Stahlwerkes geflutet. Am Ufer des neuen Sees entstehen Häuser für die Gewinner des Strukturwandels, von denen einige einen Yachtclub gegründet haben. Auch dort wird bald gedreht.

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