https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/neuer-orf-beitrag-sinkt-auf-15-euro-im-monat-18771258.html

Österreichs Rundfunkgebühr : ORF-Beitrag sinkt auf 15 Euro im Monat

Stellte die neue ORF-Gebühr vor: Ministerin Susanne Raab Bild: dpa

Die ÖVP-Grünen-Regierung in Wien beschließt eine neue Finanzierung des öffentlichen Rundfunks ORF. Privilegien sollen gekappt werden, der Beitrag sinkt. Er wird jetzt wie in Deutschland pro Haushalt fällig.

          2 Min.

          Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Österreich (ORF) soll künftig ähnlich wie in Deutschland durch eine haushaltsbezogene Abgabe finanziert werden, die an die Stelle der bisherigen gerätebezogenen Gebühr tritt. Das hat die von ÖVP und Grünen gestellte Regierung in Wien am Donnerstag beschlossen. Der Beitrag soll künftig rund 15 Euro betragen statt bisher mindestens 22,50 und wird je gemeldeten Hauptwohnsitz beziehungsweise gemeldeter Betriebsstätte (für Firmen) erhoben.

          Stephan Löwenstein
          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          In dem Ministerratsbeschluss wird ein Grundsatzbekenntnis zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk und seiner ausreichenden Finanzierung abgelegt. „Ein qualitativ hochwertiger öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist aus unserer Sicht wichtig für eine funktionierende Demokratie“, sagte Medienministerin Susanne Raab (ÖVP), die den Beschluss gemeinsam mit der Grünen-Fraktionsvorsitzenden Sigrid Maurer vorstellte. Maurer versprach, die Finanzierung werde „fairer, transparenter und günstiger“ und werde es dem ORF ermöglichen, „seinem Bildungsauftrag in gewohnter Qualität weiter nachzukommen“.

          Das Orchester bleibt

          Ein Nebenaspekt, über den zuletzt lebhaft diskutiert worden ist, ist das Bekenntnis zum Fortbestand des Radio-Symphonieorchesters (RSO), in welcher Form und Trägerschaft auch immer. Details müssen noch ausgearbeitet werden. Doch soll das Gesetzespaket so beschlossen werden, dass es spätestens zu Jahresbeginn 2024 in Kraft tritt. Diese Frist hatte der Verfassungsgerichtshof für eine Reform der Finanzierung gesetzt. Im vergangenen Jahr hatte das Gericht die bisherige Praxis verworfen, weil es eine Ungleichbehandlung darstelle, dass die Angebote des ORF online, also beispielsweise mit Smartphones oder Laptops, gebührenfrei abgerufen werden können.

          Bislang gibt es 3,2 Millionen Gebührenzahler in Österreich. Raab sprach von 400.000 Haushalten, die als Zahler des künftigen „ORF-Beitrags“ hinzukommen. Die bisherigen „GIS-Gebühren“ tragen rund 680 Millionen Euro zum ORF-Haushalt von insgesamt einer Milliarde Euro bei (der Rest kommt aus Werbung etc.). Das Gesamtvolumen soll nach der Darstellung Raabs nicht steigen. Vielmehr verwies sie auf die vom ORF selbst vorgelegten Einsparungen, die kumuliert für die nächsten vier Jahre 325 Millionen Euro betragen sollen. ORF-Generaldirektor Roland Weißmann hatte allerdings in einem Gespräch mit der F.A.Z. dargelegt, dass diese Summe den von ihm im vergangenen Herbst errechneten Mehrkosten aus Inflation und anderen Ursachen entspreche; es handelt sich also nicht eigentlich um Einsparungen, sondern um den Verzicht auf höhere Ausgaben.

          „Sonderprivilegien“ werden gekappt

          Raab will außerdem „unübliche und ausufernde Sonderprivilegien“ in alten Verträgen von ORF-Mitarbeitern möglichst per Gesetz kappen. Dabei handle es sich beispielsweise um Sonderpensionen, Wohnungszulagen oder „horrende Abfertigungen“ (Abfindungen). „Weil der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit öffentlichem Geld finanziert wird, werden wir uns diese Sonderprivilegien ansehen und abschaffen,“ kündigte die ÖVP-Politikerin an. Sie gab aber zu, dass es sich um eine schwierige rechtliche Materie handle, die zunächst vom Verfassungsdienst und dem Justizministerium ausgearbeitet werden müsse. Grünen-Fraktionschefin Maurer sagte, es gehe darum, ein Missverhältnis zwischen den Vertragsbedingungen älterer und jüngerer Mitarbeiter auszugleichen. Insgesamt soll mehr Transparenz über die Einkünfte von ORF-Mitarbeitern hergestellt werden. Raab nannte als mögliche Vorbilder die britische BBC oder das österreichische Beamtenrecht mit seinen Besoldungsstufen.

          Um den Vorgaben des Verfassungsgerichtshofs nachzukommen, hätte die Regierung zwei andere Wege wählen können, die aber verworfen wurden: die GIS-Gebühr auf weitere Geräte auszuweiten oder den ORF aus dem Bundesbudget zu finanzieren. Von den bisherigen rund 22,50 bis 28,50 Euro monatlichen GIS-Gebühren kommen nur 18,59 Euro beim ORF an. Den Rest machen Umsatzsteuer, Förder- und Kunstbeiträge des Bundes aus, die künftig entfallen, sowie Länderbeiträge, die variieren (nur zwei Länder verzichten darauf, Oberösterreich und Vorarlberg). Die Länderbeiträge, die mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk nichts zu tun haben, werden weiter auf die „rund 15 Euro“ des künftigen ORF-Beitrags geschlagen. Wer aus sozialen Gründen freigestellt ist, bleibt das auch.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der AfD-Politiker Björn Höcke

          Institut für Menschenrechte : „Voraussetzungen für AfD-Verbot gegeben“

          Die Hürden für ein Parteiverbot sind hoch. Doch die AfD kann verboten werden, sagt das Deutsche Institut für Menschenrechte. Die Partei sei eine Gefahr für die Demokratie und die freiheitlich-demokratische Grundordnung.
          Die amerikanische Börsenaufsicht klagt gegen Coinbase und Binance.

          Klagen der US-Börsenaufsicht : Die Erdrosselung der Kryptobranche

          Die amerikanische Börsenaufsicht klagt gegen Coinbase und Binance – für die Kyptobranche wird es ungemütlich. Tatsächlich ist aber nicht klar, warum die Behörden jetzt mit so viel Verve gegen gegen sie vorgehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.