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Krimi „Sarah Kohr“ : Das ZDF hat eine neue Superheldin

  • -Aktualisiert am

Verhängnisvolle Begegnung: Marcus Mittermeier und Lisa Maria Potthoff. Bild: ZDF und Manju Sawhney

Ihr fehlt nur noch das richtige Kostüm: Im neuen Krimi „Sarah Kohr – Mord im Alten Land“ schlägt die sausebrausgetriebene Kommissarin sich durch.

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          Eigentlich könnte Sarah Kohr (Lisa Marie Potthoff) eine interessante neue Kommissarin sein, nachdem die intellektuellere, bedächtige Bella Block (Hannelore Hoger) aufgehört hat und bald auch die unverbrüchlich mutige Eva Prohacek (Senta Berger) das Weite der Pensionierung sucht. Sarah Kohr wirkt frisch, sausebrausgetrieben, krafttraininggestählt, geschmeidig-energetisch wie eine Capoeira-Tänzerin und scheint von extremer Professionalität, die sie selbst mit der dauereifersüchtigen Ehefrau ihres Vormals-Geliebten, der Kommissarin Anna Mehringer (Stephanie Eidt), einwandfrei zusammenarbeiten lässt.

          Wenn man ihre Soloshoweinlagen Zusammenarbeit nennen kann. Pokerface-Minimalmimik. Einzelgängerin, was sonst. Im Team natürlich schwierig. Gleichwohl hat sie mit Staatsanwalt Anton Mehringer (Herbert Knaup) einen Ex, der sie nach jahrelang zurückliegender Affäre unverbrüchlich anhimmelt. An Tatorten ist sie, weil stets „zufällig in der Nähe“, vor allen anderen anzutreffen. Wenn die Spurensicherung anrückt, hat sie ihre Schlüsse gezogen und musste schon weiter. Dank überragender Mixed-Martial-Arts-Künste ist sie selbst bärenstarken, bis an die Zähne bewaffneten Angreifern überlegen, sogar Sniper-Kugeln weicht sie behände aus. Lisa Marie Potthoff spielt Sarah Kohr, wie man sich eine Action-Figur vorstellt: physisch durchtrainiert, rennend, kämpfend, dauermisstrauisch, dem Polizeiapparat Längen voraus. Wonder Woman.

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          2014 hatte Sarah Kohr, Ermittlerin des Kriminaldauerdienstes, in „Der letzte Kronzeuge – Flucht in die Alpen“ ihren ersten Auftritt im ZDF. Damals galt es, einen kleinen Jungen zu retten, dem finstere Zeitgenossen nach dem Leben trachteten. In „Sarah Kohr – Mord im Alten Land“ geht es darum, einen unschuldig des Mordes bezichtigten Laborbetreiber vor finsteren Zeitgenossen zu beschützen, die ihm nach dem Leben trachten. Der größte Unterschied: In „Der letzte Kronzeuge“ arbeiteten die Hauptbeteiligten in Berlin, nun sind sie nach Hamburg umgezogen. Das Drehbuch ist von Timo Berndt statt von Stefan Kolditz, Marcus O. Rosenmüller führt Regie anstelle von Urs Egger. Thomas Erhart zeichnet statt Busso von Müller für die Kamera verantwortlich.

          Die Handlung ist überschaubar und setzt auf Zutaten, die man zu den Stichworten „Altes Land - Apfelproduktion - Chemieeinsatz - skrupellose Geschäftemacherei“ abrufen kann. Thomas Lichter (Marcus Mittermeier) soll im eigenen Labor, das vor allem Boden- und Fruchtanalysen durchführt, seine Geliebte ermordet haben. Von der eigenen Frau (Katja Studt) belastet, von Sarah Kohr praktisch in flagranti am Tatort erwischt, flieht er später mit der Kommissarin als Geisel, um seine Unschuld zu beweisen. Anscheinend gibt es Verbindungen zum multinational operierenden Chemiekonzern Leuré Chemicals und dessen durch auffällige Tätowierungen als Gangmitglieder ausgewiesene Sicherheitsfachleute.

          Sarah Kohr befreit sich aus dem verschlossenem Kofferraum und spaziert zurück. Der Kommissariatsleiter Dietmar Liebknecht (Rudolf Kowalski) fordert sie als ermittelnde Beamtin an. Sie schlägt sich auf Lichters Seite und versucht, mit ihm, seinem Apfelzüchterfreund und Treckerfahrer Götz Weiler (Martin Feifel) und dem Journalisten Bertram Temme (Hannes Hellmann), der zu Tattoos im organisierten Verbrechen recherchiert, die Kriminellen zur Strecke zu bringen. Leicht zu erkennen sind die Schurken nicht nur am Tattoo, sondern auch an obligatorischer schwarzer Kleidung zu schwarzen Sonnenbrillen. Während sich das Geschehen seiner lachhaften Auflösung nähert, bei der eine Apfelattacke aus heiterem Himmel die entscheidende Rolle spielt, wünscht man Sarah Kohr, dieser Einfrauen-Gerechtigkeitsliga, ein besseres Drehbuch – und ein richtiges Superheldinnen-Kostüm, nicht die langweilige T-Shirt-Jeans-Pferdeschwanz-Obligation des deutschen Normalo-Krimis.

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