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Harry-Potter-Fanfilm : Das frühe Leben des dunklen Lords

  • -Aktualisiert am

Voldemort, der mit bürgelichem Namen Tom Riddle heißt, ist aus der Harry-Potter-Saga als Antagonist bekannt. Bild: Courtesy of Warner Bros Pictures

Über den Harry-Potter-Stoff diskutiert die Fanfiction-Gemeinde seit Jahren. Jetzt gibt es einen Fanfilm über den jungen Tom Riddle, der besser unter dem Namen Voldemort bekannt ist. Ist das sehenswert?

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          Wo die Harry-Potter-Filme enden, beginnt in der Fanfiction die Verfilmung der Geschichte Voldemorts: Begeisterte Leser der Romane von Joanne K. Rowling haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte des größten Feindes von Harry, Ron und Hermine zu erzählen. Nach zwei Jahren Arbeit ist das fertige Werk „Voldemort: Origins of the Heir“ nun auf Youtube zu sehen. Doch bis die Filmemacher ihr Projekt realisieren konnten, mussten sie einige Hürden überwinden.

          Die Fanfiction ist über die Jahre zu einer bekannten Größe in der Harry-Potter-Welt geworden, was vor allem dem Internet zu verdanken ist. Inmitten der Erfinder von Geschichten und Filmen finden sich aber oft auch die schärfsten Kritiker eines Werkes. Und ihre Macher laufen Gefahr, wegen Urheberrechtsverletzungen Probleme zu bekommen. Deshalb ist es umso beachtlicher, dass sich eine Fanfiction-Gemeinde gegen das Filmstudio durchsetzen konnte, das die „Harry-Potter“-Filme vertreibt.

          Wie das amerikanische Magazin „Wired“ berichtet, hatten die Produzenten Gianmaria Pezzato und Stefano Prestia der italienischen Firma „Tryangle Films“ im Jahr 2016 eine Crowdfunding-Kampagne zur Finanzierung eines Fanfilms gestartet, der an die Harry-Potter-Saga anknüpfen sollte. Mit einer Summe von 15.000 Euro konnte ihr Projekt schließlich in die Tat umgesetzt werden.

          Auf ihrer Webseite erklären die Filmemacher, wie sie auf die Idee für den Film gekommen sind. Die Lektüre des sechsten Romanbands „Harry Potter und der Halbblutprinz“ habe ihrer Ansicht nach viele Fragen offen gelassen, die sich vor allem um den Charakter von Harrys Antagonisten drehen. Dabei hätten sie sich besonders für das frühe Leben Tom Riddles interessiert, der sich später in den Harry-Potter-Büchern selbst den Namen Voldemort gegeben hat. Seine Schuljahre als Jugendlicher in Hogwarts und der erste Aufstieg des dunklen Lords bilden somit den Hauptgegenstand der Handlung.

          Erst gestoppt und dann genehmigt

          Aus juristischer Perspektive war das Vorhaben der italienischen Filmemacher allerdings zunächst nicht rechtens – schließlich liegen die Filmrechte am gesamten Harry-Potter-Material beim Unternehmen Warner Brothers. Jede Weiterverwendung oder –verbreitung von Ideen und Inhalten ist ein Gesetzesverstoß. Auf der Crowdfunding-Plattform „Kickstarter“, die den Machern des Fanfilms zur Finanzierung ihres Projekts genutzt wurde, wird genau dieses Problem angesprochen: Das Filmstudio habe die Produktion des Fan-Films zunächst unterbunden. Laut „Wired“ haben sich die Produzenten jedoch mit Warner Brothers darauf einigen können, dass der Film unter bestimmten Rahmenbedingungen dennoch gedreht und veröffentlicht werden durfte, und zwar, ohne vermarktet zu werden.

          Die Filmemacher und Harry-Potter-Fans können sich nun also freuen, dass der Film, der in ihren eigenen Reihen entstanden ist, seit wenigen Tagen auf Youtube verfügbar ist. Aber ist das Ergebnis der 52-minütigen Produktion überhaupt sehenswert?

          Die Idee hinter dem Film klingt jedenfalls erst einmal vielversprechend. Die Rahmengeschichte handelt von der Gryffindor-Nachfahrin Grisha McLaggan, einer Aurorin, die im Begriff ist, Tom Riddles Tagebuch zu stehlen, um dessen Aufenthaltsort herauszufinden. Tom Riddle ist nämlich spurlos verschwunden, nachdem er seine Anstellung bei dem düsteren Antiquitätenhändler „Borgin & Burkes“ in der Nocturngasse beendet hat. Er wird von Grisha verdächtigt, die Zauberin Hepzibah Smith ermordet zu haben. Eingebettet in diese Handlung ist die Geschichte einer Freundschaft zwischen den jungen Nachfahren der vier Gründer von Hogwarts. Zu ihnen gehört auch Tom Riddle, der ein Nachfahre von Salazar Slytherin ist.

          Zu früh zu fies

          Den Machern ist eine überraschend gute Produktion gelungen, die sich weitgehend an die Vorlage aus den Büchern hält und Fäden weiterspinnt, die bereits in den Romanen von Joanne K. Rowling angelegt sind. Sie entwickeln aus dem verfügbaren Material und eigenen Einfällen eine interessante Geschichte, deren Spannungsbogen, unterstützt durch hervorragende musikalische Untermalung, bis zur letzten Minute nicht abbricht.

          Die Kulisse des Films, für die mehrere Drehorte in Italien genutzt wurden, eignet sich sehr gut als Setting und vermittelt zumindest in Ansätzen das Gefühl, man befinde sich in der Welt der Zauberschüler. Besonders Hogwarts stellen die Produzenten beinahe originalgetreu nach. Auch die ruhige und sichere Kameraführung, die sich viel Zeit für Nahaufnahmen und einzelne Szenen nimmt, in denen das Bild teilweise minutenlang nicht wechselt, überzeugt.

          Lediglich die Zeichnung der Hauptfigur bleibt problematisch: Obgleich Tom Riddle an keiner Stelle des Films eindimensional wirkt, wird die Darstellung dem Charakter nicht gerecht. Für Leser der Bücher wird Tom Riddle als Schuljunge deutlich zu überheblich und fast aggressiv gegenüber seinen Mitschülern gezeichnet, während Rowlings Original beschreibt, wie Riddle erst zum Ende seiner Schulzeit allmählich seine dunkle Seite entdeckt.

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