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Neuer „Borat“-Film : Dreht schon wieder jemand durch?

Nicht mal der Mini-Mankini beeindruckt noch jemanden: „Borat“-Plakat an einer Bushaltestelle Bild: AFP

Auch die Fortsetzung von Sacha Baron Cohens „Borat“ setzt darauf, Leute zu entlarven und zu schockieren. Allerdings funktioniert das fast gar nicht mehr. Das hat zwei Gründe.

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          Das wird Kasachstan wieder nicht gefallen: Sacha Baron Cohen gibt in „Borat Anschluss Moviefilm“ abermals das rückständige, kasachische Landei. Die Prämisse: Borat musste zur Strafe für den ersten Film vierzehn Jahre lang im GULag schuften, doch nun wird er nach Amerika entsandt, um die Trump-Regierung zu beschenken. Zunächst soll ein Affe das Geschenk sein, aber dann doch Borats fünfzehnjährige Tochter. Falls das alles irgendwie anstrengend und verquast klingt, jawohl, so ist es – trotz ein paar durchaus überraschender plot twists und guter Gags.

          Aber es scheint unmöglich geworden zu sein, die mit Borat konfrontierten Amerikaner so zu entlarven wie damals im ersten „Borat“. Die gezeigten Menschen wissen, dass gefilmt wird – sie wissen nur nicht, worum es sich handelt, weil Sacha Baron Cohen verschiedene Verkleidungen trägt. Beim eigens arrangierten Debütantenball etwa reagieren die von der Produktionsfirma geladenen Gäste angesichts der vielen Kameras nur milde überrascht vom sonderbaren Fruchtbarkeitstanz, den Borat und seine Tochter aufführen. Auch die QAnon-Anhänger, bei denen Borat vier Tage lebt, wissen natürlich, dass sie gefilmt werden. Die meisten bringen seinen Aktionen ein typisch amerikanisches, höfliches Desinteresse entgegen: Ah, da dreht wieder jemand vor Kameras durch, was sollte mich das kümmern.

          Nur eine war vorher eingeweiht: die nach den Dreharbeiten verstorbene Holocaust-Überlebende Judith Dim Evans, die Borat in einer Synagoge trifft und mit seinen antisemitischen Vorurteilen konfrontiert, woraufhin sie ihn umarmt und mit ihm redet. Ihr ist der Film gewidmet. Es ist das positive Gegenstück zur Szene mit Trumps Anwalt Rudolph Giuliani, die bereits kurz vor Veröffentlichung Furore machte: Da geht Giuliani, der von den Kameras nichts weiß, mit der Fünfzehnjährigen aufs Hotelzimmer und braucht dann irritierend lange, um sein rausgerutschtes Hemd wieder zu richten, während er mit Hand in der Hose auf dem Bett liegt.

          Diese Szene zeigt erstens, dass Entlarvung eben nur mit versteckter Kamera funktioniert. Und zweitens: Die Amerikaner sind inzwischen so abgehärtet gegenüber dumm daherredenden Menschen, dass sie nichts mehr aus dem Konzept bringt. Auch eine Leistung.

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