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Neue WDR-Intendantin : Heimspielerin

Monika Piel wird Fritz Pleitgen als Intendantin des WDR ablösen Bild: dpa

Jetzt ist es offiziell: Monika Piel wurde am Montag zur neuen Intendantin des WDR ernannt. Der Medienrat des Senders wählte die einzig verbliebene Kandidatin in ihr Amt.

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          Monika Piel mußte nur Geduld haben. Nicht nur bei dieser Intendantenwahl, sondern schon seit fünf Jahren. Damals wurde Fritz Pleitgen als Intendant des Westdeutschen Rundfunks wiedergewählt. Hätte er seine Amtszeit nicht verlängert, hätte sein Sender vielleicht schon damals eine Frau an seiner Spitze bekommen. Am Montag ist Monika Piel vom Rundfunkrat mit der übergroßen Mehrheit von 38 Stimmen gewählt worden. Von den 42 anwesenden Mitgliedern des Wahl- und Aufsichtsgremiums stimmten nur zwei gegen sie, zwei enthielten sich.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die Rundfunkräte hatten bei der Wahl am Ende keine Wahl mehr, die anderen Kandidaten waren einer nach dem anderen ausgeschieden, als sich in dem von SPD- und CDU-Freundeskreisen bestimmten Verfahren abzeichnete, daß sie keine Chance besäßen. So zogen der neue ARD-Vorsitzende Fritz Raff, der ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender und schließlich der NDR-Justitiar Werner Hahn zurück, alle mit dem Hinweis, daß Monika Piel eine gute Wahl sei. Und so sehen das heute viele: das Verfahren war verquer, wie beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk leider üblich, das Ergebnis der Intendantenwahl aber ist es nicht.

          Von Hörfunkdirektorin zur Intendantin

          Monika Piel kennt den WDR. Die bisherige Hörfunkdirektorin kennt ihren Sender sogar in- und auswendig. Seit knapp dreißig Jahren arbeitet sie für den größten Sender in der ARD, ihr Ehemann Roger Handt ist Moderator bei WDR 2. Geboren wurde Monika Piel 1951 in Bensberg. Direkt nach ihrem Studium - Betriebswirtschaft, Jura und Orientalistik - fing Monika Piel 1977 beim WDR an, als Assistentin Werner Höfers beim „Internationalen Frühschoppen“.

          Für Höfer hatte sie schon während ihres Studiums als freie Journalistin gearbeitet. Von 1979 an war sie als Redakteurin, Reporterin und Moderatorin für Aktuelles der Radiowelle WDR 2 tätig. Nach einem dreijährigen Portugal-Aufenthalt (1982 bis 1984) ging sie in den Programmbereich Politik und berichtete aus Bonn über Wirtschafts- und Finanzpolitik. 1994 wurde sie stellvertretende Chefredakteurin, im Januar 1996 Programmchefin von WDR 2 sowie Chefredakteurin. Knapp zwei Jahre später, Ende 1997, wurde sie zur Hörfunkdirektorin gewählt.

          Kühle Eleganz

          Als solche hat sie eine gute Bilanz vorzuweisen, der WDR steht mit seinen fünf Wellen gut da und vermag im Radio auch die Jungen zu binden, nach denen sich das Fernsehen - nicht nur beim WDR - mit Mühe streckt. Kühle Eleganz wird Monika Piel nachgesagt, doch ist das nichts anderes als sachliche Kompetenz, die sie als Moderatorin im „Presseclub“ der ARD oder beim „Frühschoppen“ auf Phoenix beweist, die Hörer des WDR kennen ihre Stimmen bereits viel länger.

          Sie habe nie auf Netzwerke gebaut, sagt Monika Piel, vor allem nicht auf parteipolitische Verbindungen. Und sie habe deshalb zwischendurch sogar geglaubt, daß diejenigen Recht behielten, die ihr sagten, ohne Netzwerkerei bringe sie es im öffentlich-rechtlichen Rundfunk nie nach ganz oben. Das war ein Irrtum, eine Frauenlobby hatte Monika Piel vielleicht, doch hätte das nie und nimmer gereicht, um WDR-Intendantin zu werden. Den größten ARD-Sender mit einem Jahresetat von 1,35 Milliarden Euro zu führen, schrecke sie nicht, sagt sie. Nun, nach dem schwierigen Wahlverfahren, „brenne“ sie regelrecht darauf, ihren Vorgänger Pleitgen zu beerben. Den zielstrebigen Elan, für den man sie kennt, wird sie auch nach der Wahl brauchen.

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