https://www.faz.net/-gqz-9f9xm

Neue deutsche TV-Serien : Es ist nicht alles Gold, was in Serie geht

  • -Aktualisiert am

Sehr frei nach dem Roman von Patrick Süskind hat das ZDF die Serie „Parfum“ aufgelegt. In einer Episode spielt Friederike Becht eine Profilerin. Bild: ZDF und Jakub Bejnarowicz

Das Film Festival Cologne brummt wieder. Der neuerdings streamende Hauptsponsor Telekom erlebt mit seiner ersten Eigenproduktion „Deutsch-les-Landes“ freilich ein einziges Fiasko. So etwas Peinliches läuft selten.

          4 Min.

          Es kommt wohl nicht oft vor, dass der erste große Applaus eines Film- und Fernsehfestivals einem Oberverwaltungsgericht gilt: Bejubelt wurde, dass wenige Stunden vor der Eröffnung des Film Festivals Cologne das OVG Münster einen Rodungsstopp im nahe bei Köln gelegenen Hambacher Forst verfügt hatte. Man gibt sich gern politisch am Rhein, und es kommt tatsächlich von Herzen.

          Viel Herz prägte auch den Eröffnungsfilm „Cold War – Der Breitengrad der Liebe“, ein politpoetisches Märchen über die Geburt des Liebestods aus dem Geiste der Musik, und das alles in stilvollem Schwarzweiß. Der polnische Regisseur Pawel Pawlikowski, der in Köln mit dem Hollywood Reporter Preis ausgezeichnet wird, macht Filme gegen die Zeit, Wunderwerke, die noch etwas von der Wucht und Magie besitzen, die das Kino einmal hatte. In diesem Fall freilich wirkt die Opposition von unsterblicher Amour fou und tödlicher Kälte im zäh kommunistischen Polen eine Spur zu konzeptuell, zu gewollt nouvelle-vague-französisch. Beeindruckend ist die klassische Eleganz gleichwohl.

          Mit einigen weiteren Auszeichnungen lockt das Festival unter der Direktion von Martina Richter Branchengrößen an den Rhein. Der renommierte Filmpreis Köln geht in diesem Jahr an Luca Guadagnino, als Regisseur von „Call Me By Your Name“ und „I Am Love“ ebenfalls ein Virtuose der Emotionalität, der sich nun aber mit dem Remake „Suspiria“ ins Horrorgenre vorwagt.

          Längst in vielen Genres beheimatet ist Lars Eidinger, dessen Mitwirken allein – und sei es in einer Nebenrolle wie in „Babylon Berlin“ – schon zum Etikett „deutsche Qualitätsproduktion“ berechtigt (ein wenig erinnert das an die Banane, die der Kölner Thomas Baumgärtl an jede Kunstbude von Format gesprayt hat). Auch in Claire Denis’ neuem Weltraumdrama „High Life“ ist Eidinger zu sehen. Weil er das immer sehr gut macht, erhält er verdientermaßen den International Actors Award.

          Jenseits der gefälligen Preise und der selten als echte Premieren gezeigten Filme bilden bereits seit 1991 Fernsehserien einen Schwerpunkt des Kölner Festivals. Präsentiert wurde diesmal die obsessiv mit erhabener Noir-Optik spielende, dabei aber irgendwie den Inhalt vergessen habende NRW-Schöpfung „Parfum“ von Philipp Kadelbach und Jakub Bejnarowicz. Immerhin hat sich Netflix als Zweitverwerter für diese ZDF-Fortschreibung des Patrick-Süskind-Stoffs angemeldet. Auch teure amerikanische Formate wie „Condor“ waren zu sehen. Die Serienadaption eines bereits in den Siebzigern von Robert Redford verfilmten, prototypischen CIA-Romans (idealistischer Mitarbeiter kämpft gegen mächtige Agentenverschwörung) punktet mit Tempo und prachtvoller Besetzung.

          Als fachthematisches Zentrum des Festivals darf der European Series Day gelten, der sich explizit der Frage widmet, was europäische Produktionen der Marktmacht amerikanischer Serien entgegensetzen können. Es begann mit einer Art Motivationstrainerrede des amerikanischen Drehbuchautors Scott Myers, der Kracher wie „Mein Partner mit der kalten Schnauze“ im Portfolio hat (und immer noch mächtig stolz darauf ist). Myers beschwor das nun endlich angebrochene goldene Zeitalter für alle Kreativen auch diesseits des Atlantiks, weil Netflix und seine Brüder heute global unterwegs seien. „Die Welt braucht Europas Stimme“, schloss er mit dramatischer Geste: „Go! Make! Do!“

          Weitere Themen

          Traurige Augen, tiefes Talent

          Don Johnson wird Siebzig : Traurige Augen, tiefes Talent

          Als Modepuppenpolizist Sonny Crockett wurde Don Johnson in den Achtzigern weltbekannt. Davor und im Spätwerk hat er gezeigt, dass er mehr will und kann, als auf ein Poster passt. Eine Würdigung zum Siebzigsten.

          Topmeldungen

           Die durchschnittliche Spendensumme für Bernie Sanders liegt bei 18,07 Dollar.

          Unsummen im Wahlkampf : Das weiße Haus des Geldes

          Wer keine Fernsehspots kaufen kann, hat das Nachsehen beim Kampf um die Aufmerksamkeit der demokratischen Wähler. Die Konkurrenz der Milliardäre macht es noch schwerer – aber manche Kandidaten sind davon unbeeindruckt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.