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Mord an Alfred Herrhausen : Die Allianz des Terrors

Eine Rohrbombe zerfetzte das Auto des Deutsche-Bank-Vorstands Herrhausen. Bild: SWR/Bundeskriminalamt

Der Journalist Egmont R. Koch hat neue Spuren zum RAF-Mord an Alfred Herrhausen ausfindig gemacht. Die Täter der „dritten Generation“ der RAF wurden bis heute nicht gefasst.

          Das Attentat, das sich am Morgen des 30. November 1989 auf dem Seedammweg in Bad Homburg ereignete, war von langer Hand geplant und wurde mit einer Präzision ausgeführt, die sogar den Secret Service beunruhigte. Alfred Herrhausen, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, wurde von einem Bombengeschoss getroffen, das die Panzerung seines Wagens durchschlug. Das Fahrzeug wurde bei der Detonation zerlegt. Was, wenn eine solche Waffe gegen den amerikanischen Präsidenten gerichtet würde, fragte man sich in Washington. Schutz vor einem solchen Geschoss gibt es kaum, das sollten die Amerikaner später noch erfahren.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Zu dem Mord an Alfred Herrhausen hat sich die Rote-Armee-Fraktion bekannt. Die Täter aus der sogenannten „dritten Generation“ der RAF wurden nie ausfindig gemacht. Das Verbrechen ist ungesühnt bis heute. Folgt man den Recherchen des Journalisten Egmont R. Koch, ist nicht einmal die Dimension begriffen worden, die hinter diesem Attentat steht - eine „Allianz des Terrors“, die von Europa bis nach Japan und vor allem bis zur „Volksfront zur Befreiung Palästinas“ (PFLP) reicht.

          Wer hat diese Waffe gebaut?

          Koch kommt zu dieser These, indem er der „Spur der Bombe“ folgt. Das war nämlich nicht irgendein Sprengsatz, der zufällig den größtmöglichen Schaden anrichtete. Es war eine in einem Rohr gelagerte Treibladung, die per Lichtschranke gezündet wurde und in weniger als einer Tausendstelsekunde ein todbringendes Kupferprojektil beschleunigte. Forscher am Fraunhofer Institut EMI stellen den Angriff nach - die Wirkung ist verheerend. „Gegen so etwas kann man sich nicht schützen“, sagt einer der Experten.

          Doch wer hat eine solche Waffe gebaut? Die Hizbullah im Libanon habe sie eingesetzt, ein Spezialist der PFLP in einem palästinensischen Flüchtlingslager habe sie hergestellt, davon habe er sich selbst überzeugt, sagt der frühere CIA-Agent Robert Baer. Er hilft dem Rechercheur Koch, das Bild zu komplettieren: Eine Woche vor dem Attentat auf Alfred Herrhausen wurde der damalige libanesische Präsident René Moawad ermordet. Er war gerade siebzehn Tage im Amt. Die Fahrzeugkolonne des Präsidenten wurde mit der gleichen Waffe angegriffen, welche RAF-Terroristen wenig Tage später in Bad Homburg zünden sollten. Anderthalb Jahrzehnte darauf hatte die amerikanische Armee bei Kämpfen im Irak hohe Verluste durch Sprengstoffattentate mit Bomben eben jener Bauart zu beklagen. Er könne mit neunzigprozentiger Sicherheit sagen, dass die Bombe, die Alfred Herrhausen das Leben kostete, aus dem Libanon komme, sagt Baer.

          Doch reicht diese Erkenntnis, um von einer „Allianz des Terrors“ zu sprechen, wie es der durch seine langjährige Erfahrung ausgewiesene Rechercheur Egmont R. Koch tut? Das kann man sehr wohl, wenn man nachvollzieht, dass die dänische Polizei im Sommer 1988 in Kopenhagen ein Versteck von Linksterroristen aushob, in dem sich unter anderem Korrespondenzen mit der RAF fanden, in denen von einer Palästina-Verbindung die Rede ist, und Waffen, wie sie bei verschiedenen Anschlägen in ganz Europa verwendet wurden. Im spanischen Rota etwa waren drei deutsche RAF-Terroristen bei der Vorbereitung eines Attentats auf einen von Nato-Soldaten besuchten Club überrascht worden. Eine Täterin, Andrea Klump, wurde identifiziert, später bei einer anderen Gelegenheit gefasst und wegen anderer Delikte verurteilt. Für die möglicherweise enge Zusammenarbeit zwischen palästinensischen und europäischen Terroristen, auf die Egmont R. Koch über die Spur der Waffen kommt, interessierte sich aber offenbar niemand. Dabei ging der damalige Geheimdienstchef der PFLP, Marwan al Fahoum, in Dänemark ein und aus. Die dänische Polizei aber vermochte ihn nicht zu verhaften, weil, wie der damals leitende Ermittler sagt, der dänische Geheimdienst etwas dagegen hatte. Warum - darauf gibt es bis heute keine Antwort.

          Wer Alfred Herrhausen ermordet hat, darauf weiß auch Egmont R. Koch keine Antwort zu geben. Seine Recherche führt aber vor Augen, wie ungeheuerlich, wie schmerzlich es ist, dass die von der dritten Generation der RAF verübten Morde aus den achtziger Jahren bis heute nicht aufgeklärt worden sind. Im Film sehen wir die letzten Bilder von Alfred Herrhausen, aufgenommen am 29. November 1989. Wir sehen ein Interview, in dem er darlegt, dass ein Bankier nicht nur die Geschäfte seines eigenen Hauses, sondern stets die „res publica“ im Blick haben müsse. Einen internationalen Schuldenerlass hatte Herrhausen ins Spiel gebracht. Diesen Mann hat die RAF ermordet. Im Verein mit einer, wie der Journalist Egmont Koch überzeugend darlegt, Internationale des Terrors.

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