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Neue Spitze bei Gruner + Jahr : Sie ist in diesem Bund die Erste und Dritte

Cambridge, Gütersloh, Hamburg, Bertelsmann, Gruner + Jahr: Julia Jäkel hat es weit gebracht Bild: Gruner + Jahr

Der nächste Schritt in einer Bilderbuchkarriere: Julia Jäkel steht künftig an der Spitze des deutschen Geschäfts von Gruner + Jahr.

          In Hamburg, bei Gruner + Jahr, war am Donnerstag was los. Es war der Tag der Entscheidung bei Europas größtem Zeitschriftenverlag, der zuletzt vor allem für negative Schlagzeilen sorgte, dessen Ergebnis schrumpfte und dessen Vorstandschef Bernd Buchholz auf Abruf stand. Und siehe da: An der Spitze des deutschen Geschäfts von Gruner + Jahr steht künftig eine Frau. Julia Jäkel, die als Geschäftsführerin bislang schon für den Riesenbereich „Exclusive & Living“, „Frauen, Familie und People“ zuständig war, übernimmt das gesamte Portfolio, das bislang Buchholz betreute. Der wiederum verlässt das Unternehmen, „in gegenseitigem Einvernehmen“, wie es heißt.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          In Wahrheit war sein Verhältnis zum Aufsichtsratsboss und Vorstandschef des Mutterunternehmens Bertelsmann, Thomas Rabe, zerrüttet. Spätestens seit seinem Abgang aus dem Bertelsmann-Vorstand Ende August erschien der vollständige Rückzug von Buchholz nur eine Frage von Tagen. Einen Chef für alle aber gibt es bei von Gruner + Jahr fortan nicht mehr: Julia Jäkel teilt sich diese Aufgabe vielmehr mit Torsten-Jörn Klein und Achim Twardy; Klein führt die Auslandsgeschäfte, Twardy ist für Finanzen, Druck, Beteiligungen, Corporate Services und „Operations“ zuständig.

          Gutes Karma verbreiten

          Julia Jäkel vollzieht damit den nächsten Schritt einer Karriere, die als bilderbuchmäßig zu beschreiben noch untertrieben wäre. An der Universität Heidelberg und in Harvard studierte die heute Vierzigjährige Geschichte, Politik und Volkswirtschaft, ihr Studium schloss sie in Cambridge ab. 1997 absolvierte sie bei Bertelsmann das Programm für Nachwuchsführungskräfte und übernahm Verantwortungsbereiche, die sich exponentiell ausweiteten: Sie war geschäftsführende Redakteurin bei „Gala“ (1997), im Gründungsteam der „FTD“ (1999), Verlagschefin der „Brigitte“ (2004), vier Jahre später übernahm sie den Bereich „Exclusive & Living“, am 1. Februar 2012 kamen die Ressorts „Frauen, Familie, People“ hinzu. Somit war Julia Jäkel für zwanzig Titel, Bereiche und Beteiligungen zuständig, von „Brigitte“, „Gala“ über „Schöner Wohnen“, „Essen & Trinken“, „National Geographic Deutschland“ bis hin zur Mehrheitsbeteiligung am Verlag der Fußballkulturzeitschrift „11 Freunde“.

          Mit ihr rückt eine Managerin an die Spitze von Gruner + Jahr, die gutes Karma verbreitet und Energie verströmt, der jedwedes Lamentieren fremd ist und die zudem als Mannschaftsspielerin gilt. Sie habe während ihres Studiums „im Achter gerudert“, sagte sie einmal im Interview mit der Fachzeitschrift „Horizont“. „Dabei müssen alle aufeinander abgestimmt sein, allein um die Balance zu halten. Ein Boot rudert nur gut, wenn die Mannschaft harmoniert.“ Dazu passt, dass Julia Jäkel im Gruner + Jahr-Vorstand nicht Alleinherrscherin wird, sondern sozusagen als Erste unter Gleichen fungiert. Das passt zu ihrem Naturell. Sie führt, indem sie Verantwortung übergibt, etwa an den für ein halbes Dutzend Titel zuständigen Chefredakteur Stephan Schäfer, der gerade das Magazin „Häuser“ renoviert und die Leitung der „Brigitte“ übernommen hat. Das Frauenmagazin hatte zuletzt massiv an Auflage und Ausstrahlung verloren. Vom Chefredakteur Andreas Lebert hatte sich Julia Jäkel erst im August getrennt, ohne dass dies wie ein Massaker erschien, als welches man zuletzt die Fronde zwischen dem Gruner + Jahr-Chef Buchholz und dem Bertelsmann-Boss Rabe betrachten durfte. Derartige Misshelligkeiten entsprechen nicht dem Stil der Julia Jäkel. Sie wusste seinerzeit auch das schmerzhafte Ende des Lifestyle-Magazins „Park Avenue“ zu verkünden, ohne dies als Scherbengericht erscheinen zu lassen. An der rapiden Auflagen- und Anzeigensteigerung bei „Schöner Wohnen“ indes lässt sich ablesen, was Julia Jäkel und ihre Truppe zu leisten imstande sind. Sie wolle sich an Zahlen messen lassen, sagte sie einmal.

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