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Neue Spitze bei Gruner + Jahr : Sie ist in diesem Bund die Erste und Dritte

Ein Gesamtpaket schultern

Sie setzt auf das gedruckte Wort, sie glaubt an die Zukunft der Zeitschriften, scheut sich aber nicht, die Schwächen einzelner Titel zu benennen und zu handeln. Sie leitet daraus aber nicht Branchenuntergangsszenarien ab, wie sie manchen Print-Managern in Fleisch und Blut übergegangen zu sein scheinen, die sich von der ununterbrochenen Antizeitungspropaganda im Internet schockieren lassen. Julia Jäkel weiß zugleich, dass Print ohne digitale Ableger nicht für die Zukunft gerüstet ist, ohne eine Erweiterung des Geschäfts etwa durch E-Commerce, worauf die Konkurrenten Burda und Springer schon seit längerem gekommen sind. Da liegt bei Gruner + Jahr einiges im Argen. Die Konzentration auf „professional publishing“, die Bernd Buchholz für zukunftsweisend erachtete (Business-to-Business-Geschäfte mit Fachinformationen, Datenbanken, Messe- und Marketingdienstleistungen), hat sich derweil als Fehlschlag erwiesen. Bei ihrem Vorgänger Buchholz stand Julia Jäkel genauso hoch im Kurs wie bei Bertelsmann, was kein kleines Kunststück ist, hält man in Hamburg doch gern auf Distanz zum Gütersloher Mutterhaus, von dem man zuletzt den Eindruck haben durfte, der Zeitschriftenverlag sei - trotz solcher Flaggschiffe wie „Stern“ oder „Geo“ - irgendwie lästig und nicht nur wegen schlechter Geschäftszahlen viel weniger wert als etwa der Fernsehkonzern RTL. Und da Bertelsmann bekanntermaßen die Anteile der Erben der Jahr-Familie an Gruner + Jahr (25,25 Prozent) gegen eigene Aktien eintauschen will, hat sich die Spekulation breitgemacht, die Gütersloher wollten den Verlag ganz - und dann ganz loswerden. Offiziell hieß es am Donnerstag: „Bertelsmann und die Familie Jahr werden sich als Gesellschafter dafür einsetzen, dass sich Gruner + Jahr erfolgreich weiterentwickeln kann“.

Für ein Abbruchunternehmen wäre Julia Jäkel auch nicht die Richtige. Sie will Magazine machen, die State of the Art sind. Wer sie kennt, weiß, dass sie den Journalismus nicht als Ware begreift, mit der man bloß handelt, sondern als unternehmerischen Auftrag von herausragender gesellschaftlicher Bedeutung. In der Presse erschien Julia Jäkel zuletzt aufgrund der Meldungen zur „Brigitte“, aber auch als Privatperson. Sie ist verheiratet mit dem ehemaligen „Tagesthemen“-Moderator und Publizisten Ulrich Wickert und hat im Frühjahr Zwillinge zur Welt gebracht. Man darf sich den Alltag der neuen Gruner + Jahr-Chefin also als durchaus erfüllt vorstellen. Weniger als ein solches Gesamtpaket zu schultern, würde ihr bestimmt als zu leicht erscheinen. Im Achter rudert sie indes nicht mehr. Sie steuert vielmehr ein Unternehmen mit, in dem rund 11800 Leute am Erscheinen von mehr als fünfhundert Titeln arbeiten. Leinen los.

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