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Neue RTL 2-Serien : Der Frauenversteher und der Leichenspezialist

  • -Aktualisiert am

Hank Moody (David Duchovny) kann der Versuchung nicht widerstehen Bild: © 2007 Showtime Networks Inc. Al

RTL 2 zeigt jetzt die amerikanischen Erfolgsserien „Californication“ und „Dexter“: Während David Duchovny als Schrirftsteller durch Affären, Alkohol und Partys in Hollywood stolpert, lässt uns Michael C. Hall einen Einblick in die Psyche eines Serienkillers werfen.

          Das Spiel mit Verweisen auf andere Kulturprodukte ist ein großer Spaß. Jean-Luc Godard machte ihn zu seinem Markenzeichen und konnte auf Verständnis hoffen, wenn er sich auf die Hochkultur bezog. Die für ihn typischen filmhistorischen Referenzen erforderten aber schon ein gewisses Maß an Sachverstand. Das Verfahren ist mittlerweile etabliert. Filmreihen wie „Scream“ und Zitatcollagen wie „Scary Movie“ leben davon. Nur hat, wer dem popkulturellen Geschehen fernsteht, hier meist nicht viel zu lachen.

          Auch in Fernsehserien wird diese humoristische Form praktiziert. Dabei ist die opulente Fülle Voraussetzung für das Funktionieren des Musters: Die Autoren orientieren sich nicht am kleinsten gemeinsamen Nenner, sondern erfinden auf Partikularinteressen zugeschnittene Pointen und liefern sie in schneller Folge. Die 2007 von dem amerikanischen Abosender Showtime aufgelegte Serie „Californication“ fällt unter diese Kategorie. Schon der Titel lässt sich mehrfach deuten. Ein Album und ein Lied der Red Hot Chili Peppers tragen diesen Namen. Ferner bezeichnet der Ausdruck den Zuzug kalifornischstämmiger Amerikaner in die umliegenden Bundesstaaten. Ein vergiftetes Wortspiel, denn „fornication“ ist das englische Wort für Unzucht. Gar nicht mal unpassend für eine Serie, die damit aufmacht, dass der Held in einer Kirche im Angesicht des Kruzifix seine Glaubens- und Schaffenskrise beklagt und von einer Nonne nicht mit spiritueller, sondern sexueller Hingabe getröstet wird.

          Salvenartig abgefeuerten Sottisen

          Solche Drehbucheinfälle und die für amerikanische Verhältnisse freizügige Bildgestaltung sorgten vorweg für Aufregung. Das Skandalpotential ist nach hiesigen Begriffen eher gering und gibt sich ohnedies mit der Zeit, verdrängt aber womöglich die wahren Vorzüge der Serie. Die Exposition ist mäßig originell: Der New Yorker Schriftsteller Hank Moody (David Duchovny) hat mit einem seiner Romane einen großen Verkaufserfolg erzielt und ist mit Freundin Karen (Natascha McElhone) und Tochter Becca (Madeleine Martin) dem Lockruf des Westens gefolgt. Nun lebt er in Los Angeles und muss sehen, wie Hollywood seine empfindungsreiche Sturm-und-Drang-Geschichte „God Hates Us All“ durchs Klärwerk drückt und um jede Schmutzpartikel bereinigt als Partnerkomödie „A Crazy Little Thing Called Love“ auf die Leinwand wirft.

          Vorbei ist das Familienglück: Tochter Madeleine Martin (l.) und Freundin Natscha McElhone (r.) packen ihre Koffer

          Dies und der Verlust der Freundin stürzen unseren Mann in die Krise. Er kann nicht mehr schreiben, begegnet dem Horror vacui - die Frauen machen es ihm leicht - mit kurzfristigen Affären, schmachtet Karen hinterher, träumt von der Wiederherstellung der Kleinfamilie, frotzelt ihren Lebensgefährten Bill an und hält sich bei all dem nicht zurück. Ohne Rücksicht aufs eigene Wohl schleudert er seine Sarkasmen in die Welt und nimmt in Kauf, wenn ihm sein Freimut eine Tracht Prügel einbringt. Dabei sind seine salvenartig abgefeuerten Sottisen nicht nur verletzend, sondern unglaublich geistreich.

          Aber wie der Sex bildet dieser geballte Hohn, der insbesondere auf den oberflächlich-hedonistischen Lebensstil der Westküsten-Hautevolee zielt, nur eine Komponente des Geschehens. Denn die anfängliche Eindimensionalität dient der Verlockung, um Episode um Episode neue Facetten der Hauptfiguren zu offenbaren, wobei sich selbst der verbitterte Buhmann Hank Moody einsichtig zeigt. Durchweg erhalten bleiben die kulturellen Verweise. Ob Hommes de lettres, Headbanger oder Kintoppfanatiker - viele kommen zu ihrem Recht.

          Nützlich zu wissen, dass die Serie von Tom Kapinos erdacht wurde, dessen Karriere als Autor von Kevin Williamsons mit Spielberg-Würdigungen durchsetzter Soap „Dawson's Creek“ begann. Da geht es schon los: Hanks abtrünnige Freundin Karen heißt mit Nachnamen Van Der Beek - so wie der Hauptdarsteller von „Dawson's Creek“. Doppelt hintersinnig wird die Namensgebung mit dem Wissen, dass Van Der Beek im Amerikanischen „from the creek“ bedeutet. James Van Der Beeks Partnerin in „Dawson's Creek“ war Katie Holmes - in „Californication“ wird vorgegeben, Holmes, Ehefrau von Tom Cruise, habe in der von Hank Moody als Affront begriffenen Verfilmung seines Romans die Hauptrolle gespielt.

          Auf unbehagliche Weise sympathisch

          Wenn an anderer Stelle eine Spitze in Richtung Angelina Jolie geht und Hank Moody in wehmütige Erinnerungen verfällt, wird man daran denken, dass David Duchovny und Jolie 1997 in „Playing God“ in engeren Kontakt kamen. Bei den Originaltiteln der Episoden spielen die Autoren ebenfalls munter mit dem Worte und nennen sie frei nach The Doors „Hell-A Woman“ oder, wieder denken wir an Angelina Jolie, „Girls, interrupted“. Und Hank Moodys Romane sind nach Alben der Dreschflegel von der Thrash-Metal-Combo Slayer - von Laien und Druckfehlerteufeln häufig zum „Trash Metal“ verbildet - benannt.

          Ans andere Ende der Skala begibt sich RTL 2 mit der neuen Serie „Dexter“, die schon bei Premiere lief (F.A.Z. vom 22. Februar), und einen Serienmörder begleitet, der sich tagsüber, wie es in unserer Kritik hieß, als „freundlicher Forensiker“ verdingt, nach Feierabend jedoch „seine eigene Blutspur aufwischt“ und dabei auf unbehagliche Weise sympathisch erscheint. Der Schauspieler Michael C. Hall, bei uns bekannt aus „Six Feet Under“, verleiht seiner Figur eine irritierende Präsenz. Die Reaktionen in den Vereinigten Staaten waren denn auch denkbar gespalten.

          Man muss bei „Californication“ nicht jeden Verweis verstehen und schon gar nicht muss man „Dexter“ ins Herz schließen. Das thematische Spektrum der Serien aber bietet für jeden etwas, vom „Kulturzeit“-Stammseher über das „Rockpalast“-Publikum bis zu „CSI“-Aficionados.

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