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Neue Krimiserie „Der Cop und der Snob“ : Hauptsache, mit Stil

Wer ist wer? Marc Ben Puch (links) und Johannes Zirner als „Cop und Snob“ Bild: Sat.1

Gegensätze giften sich an: Die Kommissare Waiblinger und von Rehnitz ermitteln in „Der Cop und der Snob“ für die Münchener Mordkommission.

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          Wir fragen lieber nicht, warum das Bundeskriminalamt auf die Idee gekommen ist, in einer Münchner Edeldiskothek eine Drogenrazzia zu veranstalten. Die Sache geht komplett schief, es regnet Kokain von der Decke, doch dafür geht der Kofferraum des vor dem Etablissement geparkten amerikanischen Straßenkreuzers, den sich Kommissar Gerry Waiblinger für eine Spritztour ausgeliehen hat, genau im richtigen Moment auf. Genau richtig, damit der BKA-Mann Tristan von Rehnitz einen Blick auf die darin liegende Frauenleiche werfen kann. Alles Weitere soll sich finden.

          Warten auf den Vorstadtcowboy

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Alles Weitere und sich finden heißt: Waiblinger (Johannes Zirner) steckt bis zum Hals in Schwierigkeiten, und von Rehnitz (Marc Ben Puch) wird zur Strafe auch noch sein neuer Kollege in der Münchner Mordkommission. Deren Leiterin Sally Piontek (Katharina Müller-Elmau) schwebt als lässige Göttin durchs Büro und genießt den sich anbahnenden Dauerkonflikt zwischen ihren beiden denkbar gegensätzlichen Ermittlern. Und natürlich auch, dass der vollendet manierliche Oberkommissar von Rehnitz bei ihrem Anblick zur Salzsäule erstarrt. Die Chefin ist ein Vamp.

          Und ihre beiden Spürhunde entsprechen der klassischen Komödienaufstellung, sind mit der Zuschreibung „bayerischer Vorstadtcowboy trifft auf blaublütigen Preußen“ aber nur unzureichend charakterisiert und spielen nicht nur nach allen Regeln der Kunst eine Männerhassliebe durch. Johannes Zirners Gerry ist vielmehr die langersehnte Reinkarnation des Münchner „Stenz“. Des „ewigen Stenz“, den Helmut Fischer in „Monaco Franze“ ein für alle Mal spielte und den wir auch im Helmut-Dietl-Kosmos von „Kir Royal“ wiederfinden. Wie lange haben wir darauf gewartet? Rund fünfundzwanzig Jahre. Gefühlt sind es hundert.

          Aus dieser Konstellation Funken zu schlagen, zu der noch Teresa Rizos als ambitionierte Polizeianwärterin, Rahul Chakraborty als indischer Computerspezialist und Eisi Gulp als Gerrys Vater und Kummerkasten-Kioskbesitzer stoßen - darauf wird es für die Serie „Der Cop und der Snob“ ankommen. Sie hat nämlich, wie man so gerne sagt, „Kultpotential“, das die Bücher von Matthias Dinter, Andreas Föhr und Thomas Letocha allerdings auch bewahren müssen.

          Es wäre schon fatal, sollte „Der Cop und der Snob“ in den Abwärtsstrudel geraten, in dem sich die selbstproduzieren Serien bei Sat.1 gerade befinden. Verdient hätte die Produktion der Münchner Constantin das mit diesem coolen Stück nicht. „Manche machen’s nach der Richtlinie, manche machen’s mit Stil“, sagt die Chefin der Mordkommission und lächelt. „Der Cop und der Snob“ hat Stil.

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