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Neue Investorenshow auf Vox : Königin der Löwen

  • -Aktualisiert am

Man würde sie so gern schrecklich finden, es klappt aber einfach nicht ganz: Judith Williams. Bild: Jockisch, Anna

Wie die „Home-Shopping-Queen“ Judith Williams uns im Fernsehen Konsum erklärt. Und dabei zwar mitunter unausstehlich zu den Kandidaten, aber doch sehr unterhaltsam ist.

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          Wenn man sie da so sitzen sieht, in einem großen, ausladend runden Sessel, wie sie lächelt, gluckst, sich Tränen mit dem kleinen Finger aus den Augen fischt, große Augen macht und formvollendete Gesten, wie sie die freundliche Diva gibt, wie sie Hof hält und den Mittelpunkt des Raumes bildet, obwohl sie eigentlich gar nicht im Zentrum ist, dann muss man fast annehmen, dass sie ein großer Fernsehstar ist.

          Dabei ist sie bislang nur die Königin, „Home-Shopping-Queen“. Es wäre ein Fehler, das als abschätzigen Titel zu sehen, denn Judith Williams macht mit ihrem Kosmetikunternehmen 100 Millionen Euro Umsatz im Jahr. In der Welt des Online- und Teleshopping-Unternehmens HSE24 ist sie schon die Größte. Von der kommenden Woche an wird sie, jede Wette, auch den Rest der Fernsehwelt erobern.

          Unausstehlich, aber nicht ganz

          Sie ist eine von fünf Investoren in der Show „Die Höhle der Löwen“, die am Dienstag um 20.15 Uhr auf Vox Premiere hat. Neben ihr sitzen vergleichsweise unbedeutende Geldhaber: die Unternehmerin Lencke Wischhusen, der Event-Verkäufer Jochen Schweizer, der Reise-Händler Vural Öger und der New-Media-Mann Frank Thelen. Erfinder und Gründer versuchen, sie von ihren Geschäftsideen zu überzeugen und für eine Beteiligung zu gewinnen.

          Die Show läuft seit Jahren unter verschiedenen Namen in Ländern auf der ganzen Welt – in Großbritannien heißen die Investoren Drachen, in den Vereinigten Staaten Haie, bei uns nun eben Löwen. Am Ende bekommen einige der Gründer tatsächlich einen Investor, und die anderen immerhin ein paar Minuten im Fernsehen für sich und ihr Produkt (auch wenn das nicht in jedem Fall als Werbung taugt).

          Auch die Besetzung der deutschen Löwen-Höhle funktioniert erstaunlich gut, und der Star ist Judith Williams. Sie löst nicht unbedingt Sympathie beim Zuschauer aus, vielleicht eher Faszination. Sie ist oft schrecklich, aber dabei eben auch schrecklich unterhaltsam. Oliver Kalkofe hatte ihr vor Jahren schon die verdiente Aufmerksamkeit geschenkt, als er ihre absurdesten überkandidelt-beschwipsten Moderationen parodierte, ihre „Das wäre fataaaal“-Rufe im Verkaufssender.

          Diese „Löwen“ sollen von den Geschäftsideen der Teilnehmer überzeugt werden.
          Diese „Löwen“ sollen von den Geschäftsideen der Teilnehmer überzeugt werden. : Bild: dpa

          Nun liefert sie neues Anschauungsmaterial. Sie klettert forsch und unerschrocken durchs Fenster in ein Auto, um zu beweisen, dass die komische Sicherung eines Erfinders einen Dieb eben nicht am Wegfahren hindert. Sie ruft einem Mann, der Matratzen für Allergiker verkauft, mit begeisterter Abscheu „MILBENKOT!“ zu. Die gelernte Opernsängerin trällert auch mal ein Liedchen, und wenn sie sich in ihrem eigenen „Beauty-Institut“ filmen lässt, ist jede Szene eine erschreckend perfekte Inszenierung, wie das in einer idealen Welt aussehen müsste, wenn eine Home-Shopping-Queen neue Kosmetik-Kreationen entwickeln lässt.

          Es bewirbt sich dann auch eine Frau, die eine Creme aus Kuhmilch entwickelt hat. „Ich liiiebe ja Kosmetik“, erklärt ihr Judith Williams, „und in dem Moment, in dem ein Kosmetikprodukt hier reinkommt, bin ich Feuer und Flamme.“ Sie war, wenn die Kamera nicht gelogen hat, natürlich in Wahrheit vom ersten Moment an Skepsis und Unglaube, und je mehr die Kandidatin vortrug, desto finsterer wurde ihre Miene. „Das Thema Milch ist so alt wie ein alter Stumpf, sage ich Ihnen ganz ehrlich“, sagt sie ihr ganz ehrlich, „und Ihre Zahlen, das ist für mich eine Märchenlandschaft.“ Es wird eine Vernichtung, aber man verfolgt sie mit dem Kitzel einer Tierdokumentation, wenn der Löwe die Antilope...

          Man ahnt, dass Judith Williams’ geschäftlicher Erfolg nicht nur auf ihrem Talent beruht, Dinge im Verkaufsfernsehen zu verkaufen. Als der Matratzenmann um die Anteile verhandeln will, die er hergeben würde, winkt sie, ganz die Königin, ab: „Nee, dieses Gewurschtel“, das mag sie nicht. Einem anderen sympathischen Paar, das dringend Geld brauchte, um seine Geschäftsidee voranzutreiben, flötet sie die Ablehnung entgegen: „Ist mit Liebe gemacht. Sieht man. Könnt ihr allein.“ Man möchte sie unausstehlich finden, aber es gelingt nicht ganz.

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