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Neue HBO-Serie „The Newsroom“ : Machen wir es doch mal richtig gut

  • -Aktualisiert am

„Aaron ist ein Romantiker, und er mag nun mal große Ideen“: Sorkin (links) mit seinen Hauptdarstellern Emily Mortimer und Jeff Daniels Bild: REUTERS

Mit „The Newsroom“ singt der Autor Aaron Sorkin das Hohelied auf den Journalismus und nimmt Amerikas Nachrichtenfernsehen auseinander. Beim Schreiben hat er sich aber die Nase gebrochen.

          Warum Amerika „die größte Nation der Welt“ sei, möchte eine blonde Studentin von den Teilnehmern einer Podiumsdiskussion mit Journalisten in der Auftaktsequenz von HBOs neuer Serie „The Newsroom“ wissen, und man möchte die Augen verdrehen: Himmel, diese Amerikaner! Umso glatter geht die Tirade des Nachrichtenmoderators Will McAvoy (Jeff Daniels) auf Amerikas Mittelmäßigkeit runter. Es dauert keine fünf Minuten, da hat Aaron Sorkin sein Publikum am Haken.

          Sorkin, der mit Serien wie „Sports Night“ und „The West Wing“ seitenlange Dialoge im Fernsehen salonfähig machte - man könnte auch sagen: geschliffene Plädoyers für ein besseres Amerika in Fernsehserien verpackte - nimmt sich in „The Newsroom“ die Fernsehnachrichten vor, und er tut es auf ebenso unterhaltsame Weise, wie er in „The Social Network“ (Oscar für das beste adaptierte Drehbuch) die leidlich interessante Geschichte der Erfindung von Facebook zu einem spannenden Thriller machte. Sorkins Will McAvoy ist ein Zyniker, dessen Idealismus durch Sachzwänge verstopft ist. Jeff Daniels spielt ihn mit der konsternierten Miene eines Mannes, der sich mit Sarkasmus über Wasser hält. Dass ihm mit Mackenzie MacHale (Emily Mortimer als abgeklärte Kriegsreporterin, deren gezielter Schlagabtausch mit McAvoy dem Ganzen den Hauch einer altmodischen romantischen Komödie gibt) ausgerechnet seine Ex als neue Produzentin vor die Nase gesetzt wird, macht die Sache nicht besser. Dass sie ihn anstachelt, wieder eine respektable Nachrichtensendung zu machen, scheint perfide.

          Die Geschichte noch einmal

          “Nichts ist in einer Demokratie wichtiger als eine informierte Wählerschaft!“, ruft die Kriegsreporterin kämpferisch, und McAvoy stöhnt gequält auf. „Wir machen hier kein Non-Profit-Theater, sondern werbefinanziertes Fernsehen“, sagt er. Aber natürlich geht ihm der Appell an die Ehre. Dann explodiert eine Ölbohrplattform im Golf von Mexiko, und fortan dekliniert Sorkin Newsstories der jüngeren Vergangenheit so durch, wie sie hätte sein sollen. „The Newsroom“, sagt Sorkin, sei eine Liebeserklärung an den Journalismus.

          Vor sechsunddreißig Jahren wurde diese Geschichte schon einmal erzählt, damals im Kino in Sidney Lumets oscargekröntem „Network“ aus der Feder von Paddy Chayefsky. Aber Sorkin betont, dass der Film von 1976 über den vom Quotendruck frustrierten Nachrichtensprecher Howard Beale (“I’m mad as hell and I won’t take it anymore“) das exakte Gegenteil seiner Serie sei. „Network“, sagt Sorkin, sei eine zutiefst düstere Geschichte gewesen. „,The Newsroom’ dagegen ist eine verwegene, idealistische, romantische Komödie.“

          „Wir machen hier kein Non-Profit-Theater, sondern werbefinanziertes Fernsehen“, sagt der Moderator Will McAvoy (Jeff Daniels); Seine Produzentin und Exfrau aber belehrt ihn eines Besseren

          Als Wills Team, vor allen anderen, das Leck der Ölbohrplattform Deepwater Horizon als Umweltkatastrophe ungeahnten Ausmaßes erfasst, als Will vor laufender Kamera den Finger in die Wunde legt und von Inkompetenz, Schlamperei und Kungelei zwischen Regierung und Privatfirmen berichtet, blitzt Hoffnung auf: So aufregend und aufrichtig könnten „Breaking News“ sein - kämpferisch, schonungslos die Fehler im System aufzeigend, die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehend. „Aaron ist ein Romantiker“, sagt der Schauspieler Jeff Daniels über seinen Autor. „Und er mag nun mal große Ideen.“

          Sorkin wirkt wie ein Relikt aus den Neunzigern: dunkelblauer Blazer, hellblaues Hemd, sandfarbene Slacks, runde Hornbrille. Er trägt blondiertes Haar und einen tief gebräunten Teint, und er vibriert vor nervöser Energie. Seine Stimme wird schrill, als er lachend erklärt, er sei keinesfalls ein Weltverbesserer. „Ich bin professioneller Entertainer, kein Aktivist“, sagt er, auch wenn das nicht bedeute, dass er sich nicht ernster Themen annehmen könne. Man schaue sich nur Shakespeare an, der Stücke wie Richard III. und Hamlet fürs Bauernvolk schrieb.

          Ein handgreiflicher Ausrutscher

          Trotzdem: Sorkins Stück über den Bedeutungsverlust der vierten Gewalt angesichts des Quotendrucks ist ein flammender Appell, und manchmal balanciert er haarscharf auf der Grenze zum Pathos. Doch meist sind Sorkins Dialoge kunstvolle Redeschlachten. „Wir rennen hier nicht mit gezogener Pistole um die Ecke und rufen ,Pass auf!“, sagt Jeff Daniels. „Aber Sorkins Dialoge und Tempo kommen einer Actionszene gleich.“

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