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Neue Führung der BBC : Mit olympischem Geist

  • -Aktualisiert am

Bild: REUTERS

Der BBC hat einen neuen Generaldirektor gewählt: Tony Hall, der vorher die Covent-Garden-Oper führte, soll den Sender nach dem Missbrauchsskandal aus der Krise führen.

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          Knapp zwei Wochen nach dem Rücktritt von George Entwistle hat die BBC einen neuen Generaldirektor ernannt. Der 61Jahre alte Tony Hall, der seit 2001 mit großem Erfolg die Geschäfte der Covent-Garden-Oper führt und sich jüngst als Vorsitzender der Kulturolympiade bewährt hat, wird im März die Leitung des Rundfunksenders übernehmen - mit demselben Gehalt von 450.000 Pfund wie sein nur 54 Tage im Amt gewesener Vorgänger.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Hall fällt die Aufgabe zu, die BBC aus der Krise zu führen, die durch gravierende Fehlentscheidungen um zwei Beiträge der Sendung „Newsnight“ verursacht wurde, von denen eine über den des hundertfachen Kindesmissbrauchs beschuldigten BBC-Moderators Jimmy Savile wahrscheinlich zu Unrecht nicht gesendet wurde, während die andere mit einer Falschbeschuldigung nie hätte gesendet werden dürfen. Nachdem sich die erst wenige Monate zurückliegende Wahl eines internen Kandidaten beim letzten Mal als Fehlgriff erwiesen hatte, hatte der Aufsichtsrat verkündet, die Position nun mit einem externen Kandidaten besetzen zu wollen.

          Ein neuer Blick von außen

          Tony Hall ist zugleich Insider und Außenstehender. Er hat seine Laufbahn 1973 als Auszubildender in der Nachrichtenredaktion begonnen und war von 1996 bis 2001 Leiter der BBC-Nachrichtenabteilung und hat in dieser Zeit Weichen gestellt für die Anpassung des Senders an den digitalen Wandel. Neben dem Rundfunkkanal BBC Radio 5 Live hat Hall die Fernsehkanäle BBC News 24 und BBC Parliament sowie die Online-Nachrichten eingeführt.

          Für einen schwerfälligen öffentlich-rechtlichen Apparat wie die BBC ist die Entscheidung nicht nur ungewöhnlich schnell gefallen. Auch die Prozedur verlief nicht nach der üblichen Ausschreibung, wie einige Kritiker schon bemängelt haben. Tony Hall war der einzige Kandidat, den der Aufsichtsrat angesprochen hat. Aber ungewöhnliche Situationen erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Hall hat gleich zugesagt, weil er, wie er sagt, „leidenschaftlich“ an die BBC glaubt. Die Organisation sei „ein unglaublich wichtiger Teil dessen, was das Vereinte Königreich zu dem macht, was es ist“, sagte Hall. Der Aufsichtsratvorsitzende Lord Patten machte geltend, dass Hall als ehemaliger BBC-Mann die Kultur des Senders verstehe und durch den Blick von außen auch in der Lage sei, die mitunter berechtigte Kritik nachzuvollziehen, dass der Sender zu introspektiv und institutionell sein könne.

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