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Neue Fernsehserie: „The Big C“ : Ich will keine neue Couch kaufen!

  • -Aktualisiert am

Cathy Janison (Laura Linney) hat gerade die niederschmetternde Diagnose erfahren: Hautkrebs in fortgeschrittenem Stadium Bild: Showtime/AP/dapd

Die Serie „The Big C“ zeigt, welche Qualität Amerikas Fernsehen haben kann: Laura Linney spielt eine Frau, die an Krebs erkrankt. Sie stellt ihr Leben auf den Kopf - das ist tragisch und komisch zugleich.

          Das wichtigste Garderobenstück von Cathy Jamison (Laura Linney) in den ersten Episoden von „The Big C“ ist ihr Bademantel. Es ist kein Klinikkittel und keine flauschige Wohlfühlrobe, sondern ein grün-violett gemustertes Frotteestück im Miniformat. Bei Cathy ist soeben Hautkrebs in fortgeschrittenem Stadium diagnostiziert worden, und der Bademantel ist ihr zum Symbol der Befreiung und der Einigelung zugleich geworden. Es ist der wunderbaren Laura Linney zu verdanken, dass das zutiefst glaubwürdig ist.

          Das große „C“ steht für Cancer, Krebs. Die Krankheit ist schon seit längerem kein Tabuthema mehr im amerikanischen Serienfernsehen. Doch für Bryan Cranstons Chemielehrer Walter White in „Breaking Bad“ ist die Krebsdiagnose in erster Linie Auslöser einer komplizierten Karriere als Drogen-Koch, und Felicity Huffmans Lynette von den „Desperate Housewives“ sorgte sich vor allem darum, nach der Chemotherapie ihre Perücke zu verheimlichen.

          Für Linneys Cathy Jamison dagegen, eine Lehrerin mit hübschem Vorstadt-Eigenheim, Neuwagen und gutgefüttertem Sparkonto, stellt ihre neu vermessene Lebenszeit fast alles in Frage: ihre Familie, ihren Lebensstil, ihre sorgsam für später verwahrten oder als kindisch verabschiedeten Träume. Die Bilanz fällt bitter aus. Über Disziplin und Verantwortungsgefühl hat Cathy es versäumt, das Leben zu wagen. „Ich will keine neue Couch aussuchen!“ ruft sie beim Streit über Bowleflecken auf der Garnitur mit ihrem Mann Paul (Oliver Platt als großer Junge mit noch größerem Herzen, der vorübergehend zu seiner Schwester verbannt ist). „Ich will diejenige sein, die die Bowle verschüttet!“

          Cathy Jamison ermahnt ihre Schülerin Andrea (Gabourey Sidibe); Die fettleibige, gehässige Frau will sich dem Leben am liebsten gar nicht stellen

          Plötzliche Exzentrizitäten

          Nicht der Tod, so muss Cathy feststellen, sondern das Leben ist das eigentlich Erschreckende. Ihre Nachbarin Marlene (Phyllis Somerville als kratzbürstige alte Witwe) sehnt sich den Moment herbei, in dem sie sich zu ihrem verstorbenen Mann und all ihren toten Freunden gesellen kann. Cathys Schülerin Andrea (Gabourey Sidibe), eine fettleibige, gehässige junge Frau, will sich dem Leben am liebsten gar nicht erst stellen. Und Cathys Bruder Sean (John Benjamin Hickey), ein obdachloser Konsumverweigerer und Zyniker, ist damit beschäftigt, den Planeten zu retten, nicht aber sich selbst. Sie alle ahnen ebenso wenig von Cathys Krankheit wie ihr Mann und ihr Sohn, und plötzlich sind sich ihre Welten fremd. Die Einzigen, denen sich Cathy öffnet, sind die Mitglieder einer Selbsthilfegruppe, und sie bereut es sogleich. Denn dort wird Krebs zur Chance für ein neues Leben verklärt, und Linneys entgeistertes Mienenspiel hierzu trifft ins Mark.

          Showtime, der inzwischen wichtigste Konkurrent des Bezahlsenders HBO, hat sein Serienprofil in den vergangenen Jahren mit einer ganzen Reihe von Frauen unter Druck deutlich angehoben. Marie Louise Parkert spielt seit 2005 in „Weeds“ eine Witwe aus der Vorstadt, die ihren Lebensstil nach dem Tod ihres Mannes als Marihuanadealerin aufrechterhält. Toni Colette fächert seit 2009 in „The United States of Tara“ die multiplen Persönlichkeiten der Titelfigur auf, und ebenfalls seit 2009 ist Edie Falco als medikamentenabhängige Krankenschwester „Nurse Jackie“ unterwegs.

          Dinge beim Namen nennen

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