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Neue deutsche Serien : Morgen fangen sie an

Doppelagent: Jonas Nay (Mitte) in der RTL-Serie „Deutschland!“ Bild: RTL / Conny Klein

Lange haben die Zuschauer darauf gewartet, dass das „Goldene Zeitalter des Fernsehens“ auch in Deutschland beginnt. Jetzt endlich soll sich etwas tun. 

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          Wann, endlich, kommt ein deutsches ,Breaking Bad‘?“: Das ist in etwa die Formel, zu welcher oft die Frage verkürzt wurde, ob auch das deutsche Fernsehen irgendwann in jenem Zeitalter ankommen würde, das man nun auch schon ein paar Jahre als „Goldenes Zeitalter des Fernsehens“ bezeichnet. Die Antworten, welche den Fernsehmachern dazu einfielen, waren oft einfallsreicher als das komplette Programm. Man könne, sagten die reichsten Sender der Welt, nicht mit den amerikanischen Budgets mithalten, und außerdem interessiere sich doch nur ein Nischenpublikum für die hochgelobten Qualitätsserien. In Deutschland wolle niemand solche Sachen sehen. Außer vielleicht die Fernsehmacher selbst, denn das vergaßen sie nie dazuzusagen: dass sie persönlich natürlich große Fans der jeweils heißesten HBO-/Showtime-/Netflix-Serie seien.

          Harald Staun

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Was man diesen Antworten anmerkte, das war vor allem ihre Lustlosigkeit, als wäre es schon eine Zumutung, die Ambition zu erwarten, dass auch das deutsche Fernsehen wieder internationales Niveau erreicht. Dementsprechend verkrampft klang es dann auch, als dann doch endlich ein deutscher Programmchef den Vergleich mit „Breaking Bad“ wagte und eine Miniserie mit „komplexen Charakteren und horizontalen Geschichten“ ankündigte. Statt um einen krebskranken Chemielehrer in New Mexico, so erklärte Norbert Himmler vom ZDF, werde es um einen arbeitslosen Grafiker im Taunus gehen, gespielt von Bastian Pastewka. Und statt um Crystal Meth um Falschgeld.

          „Morgen hör’ ich auf“ solle die Serie heißen, und „zum Auftakt des Jahres 2015“ zu sehen sein. Bis heute haben noch nicht einmal die Dreharbeiten begonnen, im „späten Frühjahr“ starte man damit, heißt es nun. Gut möglich, dass es trotzdem eine charmante Serie wird, ihre Ansprüche allerdings sind eher bescheiden: „Wir machen nur eine kleine, skurrile Serie“, sagte Pastewka vor kurzem in einem Interview in der „Welt“. „Es wird kein deutsches ,Breaking Bad‘ geben. Und wenn doch, dann nicht mit mir.“

          Fresher und freier

          Dass „Morgen hör’ ich auf“ am Ende aber womöglich doch nicht zur Formel für die gebrochenen Versprechen des deutschen Fernsehens wird, liegt daran, dass in den vergangenen Monaten noch jede Menge andere Projekte angekündigt wurden. Ein gutes Dutzend neuer Serien ist in Planung – und kaum eine von ihnen kommt ohne den Hinweis auf die Inspiration durch internationale Standards aus. Das größte dieser Vorhaben ist die Verfilmung von Volker Kutschers Romanreihe über den Kriminalkommissar Gereon Rath, nicht nur wegen des mutigen Budgets von angeblich 25 Millionen Euro, die sich die ARD und der Bezahlsender Sky teilen. Sondern auch, weil alle Beteiligten sehr klare und ähnliche Vorstellungen von dem filmischen Potential des Stoffes haben.

          Kutschers Romane, sagt Regisseur Tom Tykwer, seien „das perfekte Material“, um einen „modernen, epischen Polizeifilm in historischem Gewand“ zu drehen. Für Kutscher schließt sich mit der Adaption seiner Romane ein Kreis: „Die neue Art, Geschichten zu erzählen, die diese Fernsehserien aufbrachten und mit der sie eine neue Tradition begründeten, hat mit Sicherheit auch mein Schreiben beeinflusst, jedenfalls mein fiktionales Denken“, schreibt er.

          Mann ohne Erinnerung I: Jürgen Vogel in „Die Lebenden und die Toten“ Bilderstrecke

          Um eine andere Epoche der deutschen Geschichte geht es in der RTL-Serie „Deutschland!“, einem deutsch-deutschen Spionagedrama im Jahr 1983, zur Zeit von PershingII, Friedensbewegung und Neuer Deutscher Welle. Die amerikanische Schriftstellerin Anna LeVine Winger hat das Buch geschrieben, ihr Mann Jörg, der sonst für die „Soko Leipzig“ verantwortlich ist, hat die Serie mitproduziert, sogar einen „Writer’s Room“ hat man eingerichtet, wie es bei amerikanischen Produktionen die Regel ist. Herausgekommen, sagt Produzent Nico Hofmann, sei eine Serie mit einer ganz neuen „Vitalität“, „fresher und freier als spröde deutsche Historienverfilmungen“.

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