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Neue Arztserie auf RTL : Aua, mein Herz tut weh

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Wo fehlt's, Frau Doktor? Diana Amft als Dr. Gretchen Haase horcht auf die Befehle ihres Herzens Bild: obs

Und noch eine Arztserie, mit allem, was für eine kitschige Telenovela dazugehört: betrogene Frau, Frust im Job, neue Liebe. Doch die neue Serie „Doctor's Diary“ von RTL ist so böse, romantisch und unvorhersehbar, dass man von einer überraschenden Erweckung des Genres sprechen kann.

          Solche Geschichten werden sonst nachmittags bei ARD und ZDF erzählt: Eine junge Frau erwischt ihren Zukünftigen wenige Tage vor der Eheschließung beim Sex mit einer anderen. Sie verlässt ihn, flüchtet sich in den Job, verliebt sich dort aber erneut in ihren Jugendschwarm, der nicht nur ein furchtbarer Macho ist, sondern auch ein ziemliches Ekel. Nebenbei macht ihr eine Widersacherin das Leben schwer, die alles daran setzt, den Kerl für sich zu erobern und die Kontrahentin zu sabotieren.

          Gut, sagen Sie jetzt. Hat das ZDF halt wieder eine neue Telenovela gemacht. Stimmt aber nicht. Denn erstens läuft „Doctor's Diary“ montagabends bei RTL. Und zweitens darf man sich nicht so leicht von der klischeeverdächtigen Grundkonstellation täuschen lassen, denn das neueste Serienwagnis des Senders ist keineswegs altbacken und vorhersehbar, sondern frech, zynisch, böse und trotzdem hoffnungslos romantisch - also all das, von dem bisher anzunehmen war, dass es das deutsche Fernsehen niemals mehr hinbekommen würde, erst recht nicht RTL. Jetzt hat es doch geklappt, und das liegt vermutlich daran, dass mal niemand versucht hat, Krimivorbilder aus den Vereinigten Staaten zu kopieren. Und natürlich an Diana Amft und Laura Osswald. In „Doctor's Diary“ spielen die beiden zwei Widersacherinnen im weißen Kittel, die mal keine perfekt ausgetüftelten Überflieger sind, sondern Menschen, die einem genauso gut auf der Straße, bei der Arbeit oder im Freundeskreis begegnen könnten.

          Eine unperfekte Heldin

          Diana Amft ist Dr. Gretchen Haase, eine junge Frau, fast dreißig, die nach dem Fremdgehschock das geplante Leben als Superhausfrau verwirft und stattdessen, wie ursprünglich vorgesehen, Karriere als Ärztin in der Chirurgie macht. Doch das neue Leben bringt ein paar Probleme mit sich, denn das Krankenhaus, in dem Gretchen arbeitet, wird von ihrem Vater geleitet. Und der Mann, dem sie ihr Herz schenkt, ist der Idiot, der sie schon früher immer auf dem Schulhof gehänselt hat, jetzt ihr Chef ist und sie noch immer verspottet, weil sie ein paar Kilo zu viel drauf hat. Macht aber nichts: Gretchen hält dagegen, mit Witz und Durchsetzungskraft.

          „Ich glaube, wir haben eine Frauenfigur gefunden, mit der sich viele Zuschauerinnen identifizieren können: Sie ist halt eine unperfekte Heldin“, sagt Diana Amft. Und sie sagt das am Telefon, morgens um halb neun in Los Angeles, weil sie sich dort am Groundlings-Theater, wo die Stars von „Saturday Night Live“ gelernt haben, für einen Schauspiel-Workshop beworben hat und genommen wurde. „Ich war kurz vor der Herzattacke, als es da losging“, sagt die 34-Jährige, weil beim Vorsprechen keine auswendig gelernten Rollen verlangt wurden, sondern eine dreistündige Bühnenimprovisation, bei der die Prüfer herausfinden wollten, ob die Bewerber geeignet sind.

          Das Selbstmissverständnis des Vamps

          Das mit der Eignung ist jetzt ja klar. Warum aber geht eine junge Schauspielerin, die in Deutschland schon so einige Filmrollen hatte (unter anderem in der Komödie „Mädchen, Mädchen“), nach Amerika? Na, um zu lernen: Technik, Timing, Präzision. „Bei Comedy ist es superwichtig, den Moment genau zu treffen, weil es sonst nicht komisch ist, sondern gleich albern.“ Man muss hierzulande ja nur den Fernseher einschalten, um zu verstehen, was gemeint ist.

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