https://www.faz.net/-gqz-z5a2

Neuauflage der „Wochenshow“ : Jetzt reicht es aber wirklich, Herr Lück

  • -Aktualisiert am

Ingolf Lück (rechts) und die Seinen: Matthias Matschke, Carolin Kebekus, Dave Davis, Axel Stein, Friederike Kempter, Matze Knop (von links) Bild: Sat. 1

Begeisterter Applaus war sicherheitshalber vor der Show aufgezeichnet worden: Sat.1 reanimiert die berühmte „Wochenshow“. Die Neuausgabe ist zotig und verrät die Qualität des Originals. Hat das System, oder lässt sich etwas retten?

          Die „Wochenshow“ hat die Seite gewechselt, einmal herüber über Kölns Proletenboulevard, wobei auch der letzte Witz unter die Räder gekommen zu sein scheint. Während die alte, legendäre Ausgabe der Sendung zwischen 1996 und 2002 im ehemaligen Capitol-Kino produziert wurde, zuvor übrigens Heimat der „Harald Schmidt Show“, findet die jetzige Neuauflage schräg gegenüber statt, im ehemaligen Residenz-Kino, zuvor übrigens Heimat der „Oliver Pocher Show“: Sowohl die Parallele, aber mehr noch der Unterschied dünkt einem vielsagend, wenn man nach zwei Stunden Premieren-Aufzeichnung wieder auf den Kaiser-Wilhelm-Ring tritt und darüber nachdenkt, ob es nicht Schlimmeres gibt, als überfahren zu werden.

          Begeisterter Applaus war sicherheitshalber vor der Show aufgezeichnet worden, kleine Lacher ebenfalls, dafür zeigte man dem Publikum lustige Unfallvideos: kenternde Kanus und stürzende Rentner. Auch das scheint eine taugliche Metapher für das Witzgewürge unter der Leitung von Uraltmeister Ingolf Lück. Für ihn, wieder in der Rolle des Conférenciers, sind in den acht Jahren seit Einstellung der Show zwei Dinge passiert: Eine Frau mit Migrationshintergrund wurde Kanzlerin, und es gab einen homosexuellen FDP-Chef. Das ist der Einstieg. Damit meldet Lück abermals den Anspruch auf die „witzigsten Nachrichten der Welt“ an: ein bis in die Uckermark durchhängender Merkel-Witz sowie ein Nicht-Witz, der, wie sehr oft an diesem Abend, irgendwie auf den Beifall der Homophoben rechnet.

          Subtil ist anders

          Das Konzept der Sendung ist übersichtlich und wieder nah an der Urfassung, welche Rudi Carrells „Tagesshow“ kopierte, die ihrerseits ein britisches Format kopierte: Lück erzählt Nachrichtenkalauer, dazwischen gibt es Live-Sketche und Filmeinspieler, alles, wie man es kennt, nur eben noch platter als beispielsweise in der „heute-Show“. Das klingt dann so: „Carla Bruni soll wieder schwanger sein: Jetzt reicht es aber wirklich, Herr Berlusconi.“ An Jürgen Klopp sehe man, dass „eine schwule Frisur allein noch keinen schlechten Trainer“ mache. Jorgo Chatzimarkakis solle lieber seinen Namen als seinen Doktortitel zurückgeben. Arnold ist der „Sperminator“, der Eurovision Song Contest ist oberschwul, und Philipp Rösler ist, lustig genug, Asiate. Weil die bekanntlich alle gleich aussehen, bot es sich an, ein Filmchen über Rösler, den „Vietcong der guten Laune“, aus lauter Asiaten zusammenzuschneiden. Horrorhumor.

          Erlangten für kurze Zeit Kultstatus und Traumquoten: Bastian Pastewka, Anke Engelke, Ingolf Lück und Markus Maria Profitlich (von links) im Jahr 2000

          So flach wie das Meer im Hintergrund ist das Niveau der Einlage von Dave Davis als somalischer Pirat, denn sie beschränkt sich auf den Witz, dass der Emsländer zur See fahren wollte und hier gerade Stellen frei waren. Carolin Kebekus, eine andere der sechs Comedians, die Lück versammelt, trägt pointenlos „Standup News“ vor, etwa die, dass sich Angela Merkel gefreut habe über die Tötung Bin Ladins. Diese Meldung, nicht eben eine Trouvaille im Nachrichtendschungel, wird aufgepeppt durch folgenden Kommentar: Das „C“ in CDU stehe wohl für „crazy“. So schal geht es weiter mit einer Klitschko-Parodie und einer „Kulturecke“ zum Abschalten, zur Auflockerung wird es mitunter fäkal. Subtil ist anders, aber subtil ist vielleicht auch gar nicht bekannt in der Zielgruppe.

          Weitere Themen

          „The Wild Boys“ Video-Seite öffnen

          Trailer : „The Wild Boys“

          „The Wild Boys“, 2017. Regie: Bertrand Mandico. Mit: Pauline Lorillard, Vimala Pons, Diane Rouxel. Start: 23.05.2019.

          Die Highlights vom roten Teppich Video-Seite öffnen

          Filmfestival in Cannes : Die Highlights vom roten Teppich

          Glamouröse Kleider, schicke Anzüge, Schuhprobleme, strömender Regen und ein Heiratsantrag... Auf dem roten Teppich des Filmfestivals in Cannes war in diesem Jahr einiges los. Hier sind die schönsten Momente an der Croisette.

          Topmeldungen

          Wahlsieger in Großbritannien: Nigel Farage

          Europawahl : Brexit-Partei in Großbritannien stärkste Kraft

          Mit satten 31,5 Prozent liegt die europafeindliche Brexit-Partei von Nigel Farage in Großbritannien ersten Prognosen zufolge vorn. Die konservativen Tories müssen mit einer herben Schlappe rechnen.
          Angst vor Populisten und der Wunsch nach einer anderen Klimapolitik haben die Menschen in Europa an die Wahlurnen getrieben.

          Die EU hat gewählt : Europas Ängste

          Zu wenig Klimaschutz, zu viel Nationalismus: Wegen dieser Sorgen haben sich viel mehr Bürger an der Europawahl beteiligt. Nicht in allen Ländern wurden die Rechtspopulisten jedoch ausgebremst.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.