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Netzverwaltung : Jetzt wird gehandelt

Fadi Chehadé, Präsident der prominentesten Netzverwaltungseinrichtung Icann Bild: AFP

Beim Weltwirtschaftsforum in Genf wurden am Donnerstag erste Weichen für das Internet der Zukunft gestellt. Wie geht es jetzt weiter?

          2 Min.

          Es sind dringliche Worte, mit denen die Fürsprecher der Netzverwaltung für ihr Anliegen werben: das wachsende Internet neu zu strukturieren. Es bleibe nicht mehr viel Zeit, sagen sie, um zu vermeiden, dass das Netz auseinanderfalle, dass staatlich kontrolliert werde, was bislang im Zusammenspiel der verschiedenen Gruppierungen geschieht – von Technik und Verwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und, ja, auch der Politik.

          Fridtjof Küchemann
          Redakteur im Feuilleton.

          Die sechs Experten, die am Donnerstag auf einer Tagung des Weltwirtschaftsforums in Genf vor die Presse traten, wirkten zufrieden. Ihnen sei ein Schritt gelungen von der Erörterungen in Richtung praktische Umsetzung, sagten sie einhellig. Nach der großen Netzverwaltungskonferenz Net Mundial, die Ende April in São Paolo stattfand, hatte Toomas Ilves, der Präsident Estlands, konkrete Entwicklungsvorschläge gemacht, die jetzt zur Gründung einer „Net Mundial Initiative on Internet Governance“ führten. Das Weltwirtschaftsforum bot dafür einen guten Rahmen: Die Arbeitsweise der einflussreichen Institution ähnelt dem für Politik und Wirtschaft ungewohnten Multistakeholder-Ansatz der Netzverwaltung.

          Jedes Geschäft ist auch ein digitales

          Und es ging Fadi Chehadé dem Präsidenten der prominentesten Netzverwaltungseinrichtung Icann, Virgilio Almeida, der als Beauftragter für Informationstechnologie im brasilianischen Wissenschaftsministerium die Konferenz in São Paolo geleitet hatte, und Toomas Ilves darum, auch über die Grenzen der Netzverwaltungsexperten hinaus für ihre Initiative zu werben. Schließlich beeinflusst die Funktionsweise und Organisationsstruktur des Netzes mittlerweile nicht nur jede wirtschaftliche Entwicklung, sondern auch das Leben aller Menschen.

          Wie Fadi Chehade erklärte, gehe es vor allem um die Einrichtung eines Verfahrens, um die auftretenden Probleme des Netzes zu kategorisieren und einer Instanz zuzuweisen: Ob es um Fragen der Stabilität oder eindeutiger Zuordnungen geht, um solche des technischen Datentransfers oder bürgerlicher Rechte wie der Meinungsfreiheit und der Privatsphäre.

          Anne Jellema, die als Vorsitzende der World Wide Web Foundation zugleich die einzige Frau auf dem Podium war , zeigte sich angetan vom Handlungswillen der Initiative und von der Entscheidung, die Wirtschaft insgesamt anzusprechen: Jedes Geschäft sei heutzutage ein digitales Geschäft, und auch die Unternehmen müssten Verantwortung tragen für die Offenheit des Internets, für den Schutz der Privatsphäre, die Zugänglichkeit und die Balance zwischen Urheberschutz und Innovationsförderung. Bedenken hatte sie indes hinsichtlich der Legitimität der Initiative. Bevor eine neue Instanz gegründet würde, müsste die Leistungsfähigkeit der bestehenden sorgfältig bedacht werden.

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