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„Netflix True Royality“ : Adel verpflichtet

Bild: EPA

Warum soll man sich mit Fiktionen begnügen, wenn die royale Realität verrückter ist als jeder ausgedachte Plot: Mit „Netflix True Royality“ will das Portal Monarchisten glücklich machen

          2 Min.

          Was Netflix will? Uns süchtig machen natürlich und Serienjunkies bei der Stange halten. Was aber ist mit all den medial Zuckersüchtigen, die gierig sämtliche Vor-, Live- und Nachberichte über die Royal Wedding in Windsor Castle verschlungen haben und nun zittrig werden, weil Neu-Herzogin Meghan seither nur drei öffentliche Auftritte absolvierte, an denen das Aufregendste ihre hautfarbenen Nylonstrumpfhosen waren? Die nächste Hochzeit bei den Windsors findet erst im Oktober statt, wenn eine Nebenlinien-Prinzessin jemanden heiratet, dessen Namen wir leider auch schon wieder vergessen haben, und der hässliche Brexit-Alltag drängt sich erbarmungslos in den Vordergrund. Doch Netflix weiß Rat, zumindest für die Briten.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Dass deren Monarchie-on-demand ein Kracher ist, weiß der Streamingdienst aus Amerika spätestens seit „The Crown“ – der Serie, in der sich hübsch darüber sinnieren ließ, was ein wandelndes Verfassungsorgan eigentlich von einer Celebrity unterscheidet. Fans des Dauerdramas um Elisabeths Krone müssen noch bis ins neue Jahr auf die dritte Staffel warten. Das ist harter Entzug, über den bunte Blätter kaum hinweghelfen. Was also sollen achtzehn Millionen Briten einschalten, die sich die Hochzeit von Meghan und Harry im Fernsehen gegeben haben?

          150 Stunden Programm

          In der Bundesrepublik Deutschland, wo Berichte über den Adel zur öffentlich-rechtlichen Grundversorgung gehören, würden sie für eine Dosis Instant-Windsors wohl die Website von „ZDF Royal“ ansteuern. Dort gibt es neben allerlei Dokumentarfilmen über gekrönte Häupter sogar eine interaktive Karte zu 700 Jahren europäischer Dynastien. Und in Großbritannien? Können Monarchisten nun „Netflix True Royality“ anklicken: ein ausschließlich mit Hochadelsdokus und Adelsdramen bestücktes neues Streamingangebot. Bisher sind das 150 Stunden vor allem selbst produziertes Programm, vierzig Sendungen über royale Väter, Mütter, Töchter, Söhne, ihr Leben und Leiden, ihre Leidenschaften und Pflichten einst und heute, Schmachtfaktor und Herzschmerz inklusive.

          Für 4,99 Pfund im Monat bekommt der Zuschauer vor allem das britische Königshaus zu sehen, aber ein paar Grimaldis und Romanows sind auch dabei. Wenn Netflix erst den von ihm ersehnten Deal mit der BBC geschlossen hat, wäre dem krönenden Bingewatching keine Grenze mehr gesetzt. Was da alles in den Archiven liegt! Die größte Realityshow der Welt hat das Internetfernsehen erreicht, und sie wird auch dort, davon kann man ausgehen, ein Weltbestseller werden. Zwei Milliarden Fernsehzuschauer für die Royal Wedding rund um den Globus – Netflix wäre töricht, seine „True Royality“ nicht überall verfügbar zu machen. Und warum soll man sich mit Fiktionen begnügen, wenn die Realität oft verrückter ist als jeder ausgedachte Plot, Stichwort Thomas Markle? Das „True Crime“-Genre, in dem echte Morde an die Stelle erdachter Kriminalfälle treten, boomt schließlich auch. „True Royality“ ist sein rosa gerüschter Zwilling.

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