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„Der junge Wallander“ : Jungspund wird Spürhund

  • -Aktualisiert am

Adam Pålsson spielt den jungen Kurt Wallander. Bild: Netflix

Drei Serien nach Krimis von Henning Mankell hat die Welt schon gesehen – nun liefert Netflix die vierte: „Der junge Wallander“ muss hier allerdings erst noch erwachsen werden.

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          Jede Geschichte hat eine Vorgeschichte. Der schwedische Schriftsteller Henning Mankell, der 1991 den ersten Band um einen schwermütigen Kommissar aus Ystad vorlegte und dann im Jahrestakt neue Fälle folgen ließ, erzählte die Vorgeschichte Kurt Wallanders 1999 in einem Band, der aus fünf kleinen Storys bestand. Sie spielen in den Jahren 1969 bis 1989, und schon die erste von ihnen, „Wallanders erster Fall“, handelte davon, wie es der junge Polizist Kurt Wallander aus Malmö – Raucher und Playboy-Leser mit Vorliebe für Opernplatten – allmählich zur Kripo schafft.

          Es ist das Jahr 1969. Der 21-jährige Wallander lebt in einem alten Haus in Rosengård, das vom Abriss bedroht ist. Er sammelt Überstunden dank der vielen Demonstrationen, bei denen die einfache Polizei 1969 gebraucht wird. Wohl fühlt er sich in dieser Rolle nicht. Freundin Mona, ihres Zeichens Friseurin, warnt ihn bei zögerlichen Gesprächen über den Vietnam-Krieg, wie ein Kommunist zu argumentieren. Andernorts wird er selbst von seinem eigenen Vater, einem Künstler, als prügelnder Uniformträger beschimpft. „Ich muss von der Straße weg, dachte er. In ein Büro.“

          Die Gelegenheit zum Profilwechsel ergibt sich: Kurt stößt in der Nachbarwohnung auf die Leiche eines früheren Seemanns. Wobei die Sache durch einen Tatort, der bald in Flammen aufgeht, und den Bericht des Gerichtsmediziners, der Diamanten im Bauch des Toten findet, nicht mehr mit einem vermuteten Selbstmord zusammenpasst. Wallander beginnt zu ermitteln, macht einen guten Eindruck auf den gestandenen Kommissar Hemberg und übersteht den Messerangriff, an den er später gelegentlich zurückdenken wird.

          Mit „Wallanders erster Fall“ wurde das Bild des Kommissars, das die Leser in damals acht Bänden gewonnen hatten, vollständiger. Nicht anders war es bei der Wallander-Verfilmung vom schwedischen Fernsehen SVT (in Deutschland: ZDF), die zum Finale 2007 ebenfalls auf einen Fall aus der Erzählsammlung zurückblickte, um Vergangenheit und Gegenwart zu verbinden.

          Jetzt hat Netflix den „jungen Wallander“ entdeckt. Als Serie steht sie auf eigenen Beinen. Nur hier und da werden Bezüge zu „Wallanders erstem Fall“ aufgezeigt. Ansonsten wird von einem Polizisten im heutigen Malmö erzählt. Das liegt auf der Hand: Aus dem Viertel Rosengård des Jahres 1969 ist über die Jahrzehnte ein berüchtigtes Problemviertel geworden; noch an diesem Wochenende war es in den Schlagzeilen. Und ein kritischer Blick auf die aktuelle Gesellschaft, nicht die Gesellschaft von gestern, gehört zum Markenzeichen von Schweden-Krimis, was nicht unbedingt heißt, dass die Kritik stets subtil vorgebracht wird.

          Der Jungspund des Jahres 2020 jedenfalls, brav und durchtrainiert gespielt vom 31-jährigen Adam Pålsson, der einst den Museumsführer Emil in „Die Brücke“ gab und mit der Polizistenrolle zum fünften Wallander nach Rolf Lassgård (1995–2007), Gustaf Skarsgård (2007), Krister Henriksson (2005–2013) und Kenneth Branagh (2008–2016) avanciert, lebt in einem trostlosen Wohnsilo, das überwiegend von Einwandererfamilien bewohnt wird. Jugendliche lungern herum, Gangs geben den Ton an, sozialer Aufstieg scheint nur durch Fußball möglich zu sein wie bei Wallanders Nachbar Ibra (Jordan Adene), der gerade auf einen Vertrag hoffen darf und mit seinem Namen an den bekanntesten Sprössling Rosengårds erinnert, Zlatan Ibrahimović.

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