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„The Get Down“ : New York, wie es nie war

  • -Aktualisiert am

Gruppenbild mit Afrofrisur: die Ghettogang aus „The Get Down“. Bild: Netflix

Wie war das gleich mit dem Hip-Hop? Die Serie „The Get Down“ über die Bronx im Jahr 1977 erzählt von seiner Entstehung. In einem wilden Mix aus Musik, Thriller und Doku.

          Der Stromausfall in New York im heißen Sommer 1977, der die Stadt für zwei Tage in den Ausnahmezustand versetzte, ist fast schon zu einem Mythos geworden, so viele Geschichten ranken sich um ihn. Der damalige Bürgermeister New Yorks, Abraham Beame, sprach von einer Nacht des Terrors, und je nach Einschätzung hat diese Nacht bis zu dreihundert Millionen Dollar Schaden verursacht, es wurden mehr als anderthalbtausend Geschäfte geplündert, über tausend Feuer registriert, es gab fast viertausend Verhaftungen und mehr als fünfhundert verletzte Polizisten.

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

          In der Geschichte des Hip-Hop dagegen wird dem Ereignis eine ganz andere, positive Funktion zugeschrieben: Einer der Miterfinder dieser Musik und Kunst, Curtis Fisher alias Grandmaster Caz, der heute als Touristenführer arbeitet, hat einmal über den „Blackout“ gesagt, er sei für Schwarze wie Weihnachten gewesen - am nächsten Tag habe es tausend neue DJs gegeben.

          In der neuen Netflix-Serie „The Get Down“ wird genau das bildlich zelebriert: Sie setzt die ambivalenten Effekte der Blackout-Nacht bombastisch in Szene, und auch dramaturgisch ist der Moment, in dem in New York die Lichter ausgehen, ein Dreh- und Angelpunkt aller Handlungsstränge.

          Drastik und Zuckerguss

          Das sind sehr viele. Denn diese Serie erzählt bei weitem nicht nur von der Entstehung des Hip-Hop, sondern noch einiges mehr: nämlich von New Yorker Stadtpolitik und vom Bauwesen, von Schwarzen und Latinos im Zusammenleben mit Weißen, von Drogen, Kriminalität und Suppenküchen und nicht zuletzt auch von Street-Art, Mode und Technikgeschichte.

          Das alles rührt der ausführende Produzent Baz Luhrmann, den man vor allem für seine Verfilmungen von „Romeo und Julia“ (1997), Moulin Rouge (2001) und „Der große Gatsby“ (2013) kennt und der im anderthalbstündigen Auftaktfilm auch Regie geführt hat, zusammen in einer bunt-überwältigenden Ästhetik aus dokumentarischen Elementen und musikvideohafter Fiktion, aus Drastik und Zuckerguss, aus schnellen Schnitten und einlullender Dauerberieselung mit Klängen.

          Der Titel der Serie, „The Get Down“, bezeichnet eine Form der Underground-Party, bei der unter den Auflegekünsten des epochenprägenden DJs Grandmaster Flash (gespielt von Mamoudou Athie) eine neue Musikform zwischen Mischpult und Plattentellern entsteht (was Backspinning und Scratching bedeutet, wird sehr detailliert gezeigt) - vor allem aber ein neuer Sprechgesang, der hier noch ein Test ist.

          Von ganz unten bis zu den Sternen

          Luhrmann hat neben dem echten Grandmaster Flash auch den Rapper Nas und den Sachbuchautor George Nelson für die Serie engagiert. Da das angeblich 120 Millionen Dollar schwere Projekt wohl öfter vor dem Aus stand, nannte man es schon spöttelnd „The Shut Down“. Vielleicht hätte das Ergebnis aber am besten „The Mash Up“ heißen sollen, so viel gerät hier durcheinander.

          Das betrifft vor allem die Musik. Denn so lobenswert die Idee ist, das Aufkommen des Hip-Hop ins Gefüge aus Gospel, Disco, Funk, Jazz und Rockmusik einzubetten, das hier die Figuren umgibt, ist der Soundtrack einfach hoffnungslos überfrachtet: Bald laufen Schnipsel historischer Songs, dann wieder komponieren die Protagonisten eigene, fiktive Stücke, die auf seltsame Weise ahistorisch wirken, weil sie Effekte verwenden, die es 1977 gar nicht gab.

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