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Zwei neue Serien : Manchmal nervt es, eine Heldin zu sein

  • -Aktualisiert am

Bild: Netflix

Wer denkt, Superhelden könnten nur Männer abgeben, sollte einen Blick auf die neuen Serien „Supergirl“ und „Jessica Jones“ werfen. Die lohnen sich vor allem, weil sie mit den gängigen Erwartungen spielen.

          2 Min.

          An Superhelden herrscht kein Mangel. Sie bevölkern das Kino und das Fernsehen seit langem, dafür haben die Comic-Häuser Marvel und DC gesorgt. Und jetzt noch zwei davon? Muss vielleicht nicht sein. Allerdings handelt es sich um zwei Superheldinnen, die sich nach Kräften bemühen, den Rahmen des Genres zu sprengen. Sowohl das „Supergirl“ von CBS als auch „Jessica Jones“, die gerade bei dem Videodienst Netflix gestartet ist, haben nicht nur außergewöhnliche Fähigkeiten, sondern – Charakter.

          „Supergirl“ erwartet man zunächst als drittklassigen Ableger der vielleicht berühmtesten amerikanischen Comicfigur. Und so ähnlich fühlt sich Kara Danvers (Melissa Benoit) auch. Eigentlich heißt sie Kara Jor-El und hatte als ältere Cousine Supermans den Auftrag, den Säugling auf seiner Flucht zur Erde zu beschützen. Doch sie geriet in ein Zeitloch. Als sie es endlich zur Erde schafft, hat Superman den Job des Weltenretters schon übernommen. Enttäuscht fügt sich Kara in ihr Dasein als Assistentin der Medienzarin Cat Grant (Calista Flockhart) und sagt sich: „Die Erde braucht nicht noch einen Helden.“

          Die Erde vielleicht nicht, aber Cat Grant und ihr Zeitungsimperium in National City brauchten einmal wieder eine richtige Schlagzeile. Als Kara ein Flugzeug in Not rettet, ist die Heldinnen-Geschichte da. Das „Supergirl“ sorgt für Auflage und bekommt prompt Gesellschaft von stattlichen Bösewichtern. Eine Geheimagentur zur Überwachung von Außerirdischen heftet sich Kara auch an die Fersen. So hatte sie sich das nicht vorgestellt. Und überhaupt, schon dieser Name: Supergirl? Melissa Benoit spielt keine Powerfrau, sondern eine charmante und etwas naive Kryptonierin, die – wie ihr männliches Pendant – brav die graue Maus spielt und doch aufs große Abenteuer brennt.

          Eine Thermosflasche voller Whisky

          „Jessica Jones“ wiederum stellt die erste Antiheldin des Genres vor. Sie ist nach „Daredevil“ die zweite von vier Marvel-Figuren, deren Geschichten Netflix sukzessive ins Programm hebt, um die vier schließlich in einer fünften Serie, „The Defenders“, zu vereinen. Und da „Daredevil“ einen dezidiert düsteren Tonfall gesetzt hat, war zu erwarten, dass auch „Jessica Jones“ eine dunkle Welt bewohnt. Wie dunkel die ist, überrascht indes.

          Jessica Jones (Krysten Ritter) ist nicht Helferin, sondern Opfer. Seit einem traumatischen Erlebnis mit einem Mann namens Kilgrave (David Tennant), vor dem auch ihre Superkräfte sie nicht bewahren konnten, ist sie psychisch schwer angeschlagen. Sie hat ihre Superheldinkarriere an den Nagel gehängt hat und verdingt sich als Privatdetektivin. Anstatt die Welt zu retten, sucht sie „nach dem Schlimmsten in den Menschen“, wie sie aus dem Off raunt. „Wie sich zeigt, bin ich verdammt gut darin.“ Jessica Jones verschläft den Tag, nachts schleicht sie durch die Stadt, eine Thermosflasche voller Whisky und ihre Kamera unterm Arm. Ihren Gegnern schnarrt sie Dinge entgegen wie „Ich schmelze deine Innereien mit meinem Laserblick, du Idiot“, und zur Selbstbetäubung stürzt sie sich in eine wilde Affäre mit dem Barkeeper von gegenüber (Mike Colter). Der entpuppt sich als Luke Cage, ein weiterer düsterer Superheld. Aber Cage kann Jessica ebenso wenig vor Kilgraves Attacken schützen wie ihre beste Freundin Trish (Rachael Taylor), eine schillernde Blondine mit einer erfolgreichen Radio-Talkshow.

          Es sind Frauen mit großen Schwächen, die hier als Superheldinnen auf den Plan treten, und das ist eine Erleichterung. „Supergirl“ thematisiert die Prämisse – eine Frau in einer von Männern dominierten Superheldenszene – mit großem Vergnügen; die Protagonistin hat einen miserablen Mode- und Männer-Geschmack und ein Faible für Fettnäpfchen. Dass die Serie von Greg Berlanti stammt, der schon bei den Serien „Arrow“ und „The Flash“ allerhand Varianten in petto hatte, lässt hoffen, dass „Supergirl“ nicht so schnell die Puste ausgeht. Und „Jessica Jones“, mit der sich Netflix dem Superheldenfilm-Trend anschließt, ist gleich das Gegenteil von dem, was man erwartet. „Ich war nie die Heldin, die du dir gewünscht hast“, sagt Jessica zu ihrer Freundin Trish. Ein Glück.

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