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„Another Life“ bei Netflix : Verloren in der Weltraumseifenoper

Einsame Entscheidung: Nicht alles, was Niko Breckinridge (Katee Sackhoff) als Captain der Salvare unternimmt, trifft bei der Mannschaft auf Gegenliebe. Bild: Netlfix

Eine intergalaktischen Fernehe: In „Another Life“ werden Figuren von heute mit erzählerischen Mitteln aus der Vergangenheit gegeißelt. Das ist so schräg, dass man nicht mehr abschalten will.

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          In „Another Life“ ist der Weltraum Nebensache. Netflix’ neue Science-Fiction-Serie ist die Geschichte einer eigentlich recht fortschrittlichen Fernbeziehung: Sie: hat eine bedeutende Führungsposition in einer Forschungsmission, die Fernreisen notwendig macht – und von der Wohl und Wehe der Menschheit abhängen. Er: ist Wissenschaftler mit ähnlich gewichtigem Auftrag und kümmert sich um die Tochter daheim. Beide kämpfen mit den üblichen Tücken einer Fernehe: Sehn- und Eifersucht, Kommunikationsschwierigkeiten, Verführungen, blank liegenden Nerven und Schlafproblemen. Dabei zuzusehen hat eine ganz eigentümliche Qualität, irgendwo zwischen Weltraumschrott und Seifenoper auf Steroiden.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Die besagte Führungsposition ist das Kommando über das Raumschiff „Salvare“. Und ebendiese ist Niko Breckinridge übertragen worden, die von Katee Sackhoff (einst Kara „Starbuck“ Thrace im Mini-Serien-Remake von „Battlestar Galactica“) weniger gespielt als vielmehr überdeutlich – will sagen, bis in die letzte Halsmuskelfaser – verkörpert wird. Das Raumschiff hat Kurs auf Pi Canis Majoris genommen, einem Stern im Bild des Großen Hundes. Von dort stammt, so haben die Forscher um ihren Mann Erik Wallace (Justin Chatwin) herausgefunden, ein merkwürdiges fliegendes Objekt, das gleich zu Beginn der Serie auf der Erde landet und sich (in einer nach heutigen Standards doch recht erbärmlich anzusehenden Computeranimation) zu einer Art Kristallturm auswächst. Während Eric unter der Aufsicht von Generalin Blair Dubois (Barbara Williams) Sinn und Zweck dieser Kristallantenne herausfinden soll, ist Nikos Auftrag, bei den Außerirdischen anzufragen, ob die Kristallantenne gefährlich werden könnte.

          Nicht immer ganz nachvollziehbar

          Die Serie wechselt zwischen dem Arbeitsalltag der beiden hin und her und zeigt, dass es eine besondere Herausforderung ist, wenn man nicht nur die Familie zusammenhalten muss, sondern auch noch mit einer aufmüpfigen Besatzung, tödlichem Weltraum-Schnupfen, einer verständnislosen Chefin und einer sensationslüsternen Influencerin geschlagen ist. Eric ist meistens damit beschäftigt, die stets neuen und stets schlechten Nachrichten von der Mission der „Salvare“ seiner Tochter Jana (Lina Renna) beizubringen, während Niko sich in jeder der durch Cliffhanger verbundenen Folgen mit einem neuen Übel herumschlagen muss.

          Für den unbeteiligten Betrachter sind weder die Vorgänge (nach der Idee von Aaron Martin) auf dem Schiff noch jene auf der Erde immer ganz nachvollziehbar. Die Crew besteht aus so fragilen wie egozentrischen Mitgliedern, dass man ihnen nicht mal einen Hund zum Gassigehen anvertrauen möchte, geschweige denn ein Raumschiff.

          Aber vielleicht soll das die moderne Arbeitswelt spiegeln, wie so vieles hier. Neben vielen fast rührenden Anspielungen auf allerlei Weltraumserien – „Uniformen? Wir tragen seit einer Dekade keine Uniformen mehr auf Raumschiffen“ – werden alle Register der Weltraumszenarienorgel gezogen, ohne dass sich jemand die Mühe machte, das Ganze logisch zu verknüpfen. Stattdessen stolpert, tastet, fliegt und boxt sich Niko von einem Albtraum zum nächsten, folgt Hindernis um Hindernis – als hätte es den Siegeszug der horizontal erzählten Formate nie gegeben. Ein geradezu gelungener Trash-Faktor aber ist der Serie nicht abzusprechen. Das ist zurzeit eine Seltenheit.

          Another Life ist abrufbar bei Netflix.

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