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Streamingdienst : Von Netflix kommen auch Super-Flops

  • -Aktualisiert am

Gruppenbild mit Esel: Mit Adam Sandlers Komödie „The Ridiculous 6“ macht sich Netflix im Augenblick ganz schön lächerlich. Bild: Netflix

Dem Online-Dienst Netflix gehöre die Zukunft, das alte Fernsehen sei tot, heißt es. Doch was sehen wir da eigentlich? Nur tolle Stücke? Von wegen. Es gibt auch echte Ausfälle.

          Um den großen Schritt zu verkünden, durfte es die große Bühne von Las Vegas sein, und eine zwar kleine, aber prominente Besetzung gab es auch. Da tummelte sich die Comedienne Chelsea Handler auf der Bühne, die Schauspielerin Krysten Ritter nahm auf einem Regiestuhl Platz, neben ihren Kollegen Will Arnett und Wagner Muora. Die Botschaft, die hinter ihnen prangte, lautet: „Netflix everywhere“. In weiteren 130 Ländern werde das Angebot von Netflix an diesem Tag freigeschaltet, sagte der Vorstandsvorsitzende des Streamingdienstes, Reed Hastings, bei seinem Auftritt auf der Consumer Electronics Show (CES). Somit sei Netflix nun in 190 Ländern auf dem Markt. Im Hintergrund erschienen die Flaggen der Länder, die Netflix zu erobern trachtet. Da fehlt nur China - noch.

          Lineares Fernsehen war gestern, heute ist Netflix, und bei uns könnt ihr sehen, was ihr wollt, wann immer ihr wollt: Mit diesem Versprechen tritt Netflix an und vermittelt dabei gern den Eindruck, ein Monopol auf Serien und Filme zu besitzen, die fürs „Binge Watching“ taugen, die man sich also, wenn man will, weil sie so toll sind, auf einmal und am Stück direkt nacheinander anschauen kann. Auf den Trichter ist allerdings der Abokanal HBO, von dem viele der qualitätsvollsten Produktionen auf dem amerikanischen Fernsehmarkt stammen, ebenso gekommen wie Amazon, das mit seinem „Prime“-Angebot inzwischen über eine ansehnliche Online-Videothek verfügt und eigene Serien produziert. In Europa kommen als Konkurrenten Dienste wie Maxdome oder Watchever hinzu, der Abokanal Sky schaltet neue Serien auch schon mal auf einen Rutsch frei, und selbst das alteingesessene öffentlich-rechtliche Fernsehen hat schon die Probe aufs Exempel gemacht, wie die Zuschauer diese Darbietungsform goutieren.

          Superheldin und Drogenboss

          Wann immer, wo auch immer fernsehen zu können, das reicht selbstverständlich nicht. Auf die Inhalte kommt es an, und bei denen hat Netflix - wenn auch in noch überschaubarem Ausmaß - in den knapp drei Jahren seiner Existenz den Wandel von der Abspielstation für die Filme anderer zum Produzenten eigener Stücke vollzogen. Mit der Politserie „House of Cards“ fing es an, die Serie „Orange is the New Black“, die in einem Frauengefängnis spielt, ist zu nennen und zuletzt die Superheldinnen-Geschichte „Jessica Jones“ (mit Krysten Ritter in der Hauptrolle) oder die Serie „Narcos“, die vom Aufstieg und Tod des kolumbianischen Drogenkriminellen Pablo Escobar (mit Wagner Moura in der Titelrolle) handelt. Im Komödienfach hat Netflix mit „Unbreakable Kimmy Schmidt“ Erfolg. Für diesen scheint ein Prinzip mitverantwortlich zu sein, das Netflix von HBO übernommen hat und das angeblich auch Amazon verfolgt: Die Kreativen, die Autoren und Produzenten, haben große Freiheiten. So wanderten in den vergangenen Jahren viele Talente aus Hollywoods traditionellen Studios zu Streamingdiensten ab. Und so eilt Netflix anscheinend von einem Erfolg zum nächsten.

          Zuschauer aller Länder, vereinigt euch: Netflix-Chef Reed Hastings in Las Vegas.

          Doch Netflix kann auch anders, die kreative Freiheit kann ins Chaos führen. Das Ergebnis ist ein schöner Mist, wie ihn sich bei Netflix gerade Adam Sandler mit der Komödie „The Ridiculous 6“ leistet. Während im Kino Quentin Tarantino seine „Hateful 8“ loslässt, läuft bei Netflix diese Western-Parodie. Sie ist eine einzige Peinlichkeit - und nicht etwa, weil sie die amerikanischen Ureinwohner verhöhnt, wie Schlagzeilen vom Set im vergangenen Frühjahr nahelegten.

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