https://www.faz.net/-gqz-9e42n

Letzte Staffel „House of Cards“ : Auf der richtigen Seite der Geschichte

Er hätte sich selbst nicht kaltblütiger beerdigen können: Kevin Spacey als Frank Underwood Bild: AP

Ein Finale nach Frank Underwoods Geschmack: In der letzten Staffel von „House of Cards“ steht Robin Wright als neue Präsidentin der Vereinigten Staaten, Eiseskälte verströmend, über den Toten. Wo ist Kevin Spacey?

          1 Min.

          Frank Underwood hätte kaum kaltblütiger handeln können bei der finalen Beseitigung eines karriereschädigend und kriminell unhaltbar gewordenen Charakters sowie dessen Schauspielers. Nur dass in der sechsten und angeblich letzten Staffel von „House of Cards“ nicht mehr Frank in Gestalt Kevin Spaceys derjenige sein wird, der das Grab eines Überwundenen schänden kann, indem er auf es pinkelt. Soviel verrät der neue Trailer über die Schlussrunde des Welterfolgs aus Netflix’ Serienfabrik.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Im Clip liegt der Bösewicht, der das Gravitationszentrum des Polithrillers war, sechs Fuß unter der Grasnarbe, begraben direkt neben dem von ihm verachteten Vater. Frank Underwood ist tot – wie die Karriere und Reputation seines Darstellers Kevin Spacey, die vor einem Jahr unter den Vorwürfen sexueller Übergriffe zusammenbrachen. Dass Spacey einer Anklage in Kalifornien entgeht, weil der Fall verjährt ist, kann sie nicht auferstehen lassen. Allein in Großbritannien wird in sechs weiteren Fällen ermittelt. Nun steht das Ende Frank Underwoods nicht in direktem Zusammenhang zu den Anschuldigungen; über die Abwicklung von „House of Cards“ wurde schon nachgedacht, bevor sie publik wurden. Spätestens seit Trumps Einzug ins Weiße Haus schien die Serie von der Realität übertrumpft.

          Doch die finstere Entschlossenheit, mit welcher der Streamingdienst nun die Produktion, mit der er Fernsehgeschichte geschrieben und sein weltweites Geschäft vorangetrieben hat, auf Underwoods Witwe und Nachfolgerin im amerikanischen Präsidentenamt umbiegt, wäre ohne den tiefen Sturz Spaceys kaum denkbar. Zum Schluss will „House of Cards“ auf der richtigen Seite der Geschichte stehen und sich von seinem gefallenen Helden emanzipieren, mit einer Heldin an der Spitze – wenn man ihn schon nicht aus allen vorherigen Staffel schneiden kann wie aus dem Film „Alles Geld der Welt“.

          Eiseskälte verströmend, steht Robin Wright als Claire über den Toten. Die neue Herrscherin sagt, dass sie dereinst nicht auf einer Wiese hinter dem Haus verscharrt werde, dass man Schlange stehen werde, um ihr als Toter Respekt zu zollen. Das Showbusiness weiß eben, was Menschen schon in der Antike wussten: Will man jemanden endgültig begraben, muss man die Memoria mit unter die Erde bringen.

          Weitere Themen

          In der chromatischen Schleife

          „Midnight Gospel“ bei Netflix : In der chromatischen Schleife

          Die Animationsserie „Enthüllungen zu Mitternacht“ hat galaktischen Tiefgang. Sie ist so abgedreht und philosophisch verwegen, dass man Augen und Ohren offenhalten muss, um mitzukommen. Und sie geht direkt ans Herz.

          Topmeldungen

          „Ich soll innerhalb von einer Stunde Stellung nehmen. Ich habe Besseres zu tun“, schrieb Drosten über die Anfrage der „Bild“

          „Bild“ gegen Drosten : Die versuchte Vernichtung

          Die Kampagne der „Bild“-Zeitung gegen den Virologen Christian Drosten legt vor allem eines offen: Das Desinteresse vieler an den Fakten für eine angemessene Pandemie-Politik.
          Haben verschiedene Vorstellungen vom „Wiederaufbau“: Angela Merkel und Sebastian Kurz

          Österreichischer Bankchef : Lob für Merkel, Kritik an Kurz

          „Einen wirklich großartigen Plan“ nennt der Chef der größten österreichischen Bank den Vorschlag, die EU solle gemeinsame Schulden machen und das Geld als Zuschüsse an Krisenstaaten vergeben. Bernhard Spalt geht damit auf Konfrontation zu Kanzler Kurz.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.