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Netflix-Programm für Deutschland : Die angekündigte Enttäuschung

Die Zuschauer entscheiden nicht alles: Netflix-Firmenchef Ted Sarandos Bild: dpa

Netflix beginnt in Deutschland mit einem dünnen Angebot. Zunächst will das Unternehmen lernen, was das hiesige Publikum überhaupt sehen will. Wenn das mal gutgeht.

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          Wie groß die Erwartungen an Netflix sein würden, das wusste niemand besser als die Manager des Streamingdienstes selbst. In den Vereinigten Staaten hat das Unternehmen aus Los Gatos die Branche aufgewirbelt, und spätestens seit Eigenproduktionen wie „House of Cards“ oder „Orange is the New Black“ die ersten Emmys abräumten, hoffen auch deutsche Zuschauer auf einen einfachen und günstigen Zugang zu den neuesten amerikanischen Fernsehserien und zu einer riesigen Online-Videothek.

          Harald Staun

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Bei Netflix würde man endlich jenes Fernsehen bekommen, für das man hierzulande bisher entweder teure Pay-TV-Gebühren bezahlen musste - oder darauf warten musste, bis irgendein halbwegs mutiger deutscher Sender sich dazu durchringen konnte, eine gut abgehangene Staffel im Nachtprogramm zu versenden. Bei Netflix, so das mythisch aufgeladene Image, würde man endlich alles sehen können, was man will, für weniger als zehn Euro im Monat.

          Ein Großteil der Serienlieblinge fehlt

          Seit Dienstag ist Netflix auch in Deutschland verfügbar; und dass es auch nur ein Anbieter unter vielen ist, versuchten vor dem Start nicht nur die Konkurrenten noch mal klarzustellen mit Preissenkungen, Lizenzkäufen und Werbekampagnen. Schon vor knapp drei Monaten lud Netflix Journalisten zu Hintergrundgesprächen ein, um allzu große Enttäuschungen zu vermeiden. Geholfen hat es wenig: Das Angebot, mit dem der Dienst nun antritt, macht die Wahl zwischen Netflix und Wettbewerbern wie Watchever, Maxdome, Amazon Prime oder Sky Snap schwerer als gedacht.

          Da hilft es auch nichts, dass es sich bei der eher basalen Auswahl um eine Strategie handelt: Was der deutsche Zuschauer sehen will, will man erst durch die Nutzung lernen, um das Programm Schritt für Schritt zu ergänzen. „Wir haben heute vielleicht halb so viel Inhalte im Angebot, wie wir in einem Jahr haben werden“, sagte Ted Sarandos, der für die Inhalte auf Netflix verantwortlich zeichnet, gestern bei der Präsentation des Dienstes. „Durch die Nutzung der Kunden wissen wir aber schon jetzt, was sich die Nutzer wünschen. Und so sammeln wir auch in Deutschland stündlich immer mehr Daten, um mehr über die Wünsche der Kunden zu erfahren, und wählen darauf abgestimmt neue Inhalte aus“.

          Dabei spielt vor allem das Suchfeld eine zentrale Rolle: Schlägt dort eine Suchanfrage fehl, ist der Zuschauer zwar möglicherweise unzufrieden mit dem Angebot, weil er nicht findet, was er sucht. Netflix wisse aber dadurch umgekehrt, was die deutschen Kunden sehen wollten, sagte Sarandos. Betrachtet man das Programm, mit dem Netflix an den Start geht, dürfte das Unternehmen damit jede Menge zu tun haben. Das Angebot an Hollywood-Filmen etwa ist so lückenhaft wie bei den Konkurrenten. Nicht einmal Blockbuster wie „Herr der Ringe“ oder „Harry Potter“ sind zu finden. Bei der Auswahl der deutschen Produktionen haben die Algorithmen zwar ganz guten Geschmack bewiesen, von „Stromberg“ bis „Mord mit Aussicht“ sind viele aktuelle Kritikerlieblinge dabei, auch die von der ARD so stiefmütterlich behandelten Serien „Im Angesicht des Verbrechens“ und „Tatortreiniger“ können sich Netflix-Kunden jetzt noch einmal ganz in Ruhe anschauen.

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