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Netflix in der Kritik : Sexualisierung von minderjährigen Mädchen?

Wissen nicht, was sie tun: Amy (Fathia Youssouf, rechts vorne) und ihre Gang. Bild: Netflix

Das Streaminportal Netflix ist wegen einer Werbung zum französischen Film „Cuties“ in die Kritik geraten. Das Foto und der Trailer zum Film sexualisierten elfjährige Mädchen, heißt es.

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          Das Streamingportal Netflix steht wegen seiner Werbekampagne für den Tanz-Film „Cuties“ (französischer Originaltitel „Mignonnes“) in der Kritik. In sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und Reddit wird Netflix lagerübergreifend der Vorwurf gemacht, minderjährige Mädchen zu sexualisieren. Stein des Anstoßes ist ein Werbebild, das die vier jungen Schauspielerinnen, deren Figuren im Film kaum älter als elf Jahre alt sein sollen (die Hauptdarstellerin Fathia Youssouf ist im wahren Leben vierzehn Jahre alt), in knappen Tanz-Outfits und provokanten Posen zeigt. Aus denselben Gründen wurde der Netflix-Trailer zu dem Film kritisiert. Bis dato gaben ihm etwa 400 000 Youtube-Nutzer einen Daumen nach unten.

          Axel Weidemann
          (wei), Feuilleton

          Der Film der französisch-senegalesischen Regisseurin Maïmouna Doucouré, der im Januar beim Sundance Film Festival Premiere feierte und dessen Rechte sich Netflix zuvor gesichert hatte, bekam gemischte Kritiken. Manche sahen ihn als kritischen Kommentar zur Sexualisierung von Kindern, andere bezichtigten ihn, genau dies selbst zu tun. Er zeigt einen Ausschnitt aus dem Leben der jungen Amy Diop, ihrer Mutter Mariam (Maïmouna Gueye) und ihrer zwei Brüder. Die Familie ist gerade aus dem Senegal nach Paris gezogen. Was mit dem Vater ist, bleibt zunächst ungeklärt. Auf der Presseseite von Netflix heißt es dazu: „Die elfjährige Amy möchte ihren trostlosen Familienverhältnissen entfliehen und schließt sich der freigeistigen Tanzgruppe ,Mignonnes‘ an, deren Mitglieder durch den Tanz zu mehr Selbstbewusstsein finden.“

          Auf Twitter äußerten sich zahlreiche Nutzer – mal mehr, mal minder derb. „Ich unterstütze die Künste. Ich möchte, dass die Stars von Netflix’ Cuties nach jedem Stern am Himmel greifen. Nachdem das gesagt ist, bin ich nicht dafür, zu erlauben, dass Kinder auf eine Weise dargestellt werden, die derart übersexualisiert ist“, schrieb eine Nutzerin. Eine Petition, die fordert, Netflix möge „Cuties“ aus dem Programm nehmen, hat inzwischen rund 144000 digitale Unterschriften. Zudem kam es auf Google und dem Filmportal „Internet Movie Database“ („imdb“) zu sogenanntem Review-Bombing, bei dem Filme schlecht bewertet werden, bevor sie überhaupt angelaufen sind. In diesem Fall rollte die Welle an schlechten Bewertungen, obwohl der Film in Frankreich bereits zu sehen war, erst an, nachdem er von Netflix angekündigt worden war.

          Am Mittwoch entschuldigte sich Netflix und zog das ursprüngliche Werbefoto für „Cuties“ zurück. Gegenüber dem Branchenblatt „Variety“ sagte ein Sprecher von Netflix: „Es tut uns sehr leid, dass wir eine so unangemessene Bebilderung für ,Mignonnes‘/,Cuties‘ gewählt haben.“ Weder sei es „o.k.“ gewesen, noch habe es „den französischen Film repräsentiert“. Die Regisseurin selbst äußerte sich auf der Filmplattform Cineuropa in einem Interview so: „Während meiner Recherche (zu ,Cuties‘) sah ich, dass all diese jungen Mädchen, die ich getroffen hatte, in den sozialen Medien sehr exponiert sind.“ Heutzutage bestimme überwiegend Sexappeal den Wert von Frauen in sozialen Medien. „Als Elfjährige versteht man diese Mechanismen nicht, tendiert aber dazu, sie nachzumachen. (...) Darüber sollten wir dringend sprechen.“

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