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Netflix drosselt : Im Nebelstrom

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Netflix kümmert sich vermeintlich darum, dass für Kunden keine Zusatzkosten entstehen – ohne deren Wissen. Bild: AP

Übers drahtlose Netz mit Qualitätsobergrenze: Der Filmanbieter „Netflix“ gibt Markteingriffe zu – doch das geschehe alles nur zum Wohle des Nutzers, beteuert man.

          Wie am Donnerstag bekannt wurde, hat der weltweite Anbieter für digitales Streaming von Filmen und Serien Netflix über Jahre hinweg technische Qualitätsgrenzen für das Videomaterial implementiert, das der Kundenstamm über bestimmte Mobilfunkfirmen bezieht. Die von Netflix automatisch und ohne Wissen der Kundschaft festgesetzte maximale Übertragungsrate für die drahtlosen Netzwerke von AT & T sowie Verizon liegt nach Angaben von Netflix bei 600 Kilobit per Sekunde – man habe, so ließ das Streaming-Unternehmen verlautbaren, diesen Wert so fixiert, um Verbraucher davor zu beschützen, dass ihnen die Mobilfunkfirmen zusätzliche Zahlungen abverlangten, wenn die vertraglich zwischen den Nutzern und diesen Firmen festgelegten Datenmengen pro Rechnungszeitraum überschritten würden.

          Diese Erklärung rang sich Netflix allerdings erst ab, nachdem das „Wall Street Journal“ herausgefunden und bekanntgegeben hatte, dass Netflix seine Videoangebote für Menschen, die von diesen Netzen versorgt sind, schon seit fünf Jahren „abschnürt“ – „to throttle“ ist das Verb, das ein Sprecher von AT & T in diesem Zusammenhang benutzt hat, um die Implementierung der betreffenden Beschränkungen „ohne Wissen und Zustimmung der Abnehmer“ scharf zu verurteilen.

          Im selben Atemzug mit der kundenfreundlichen Rechtfertigung für diese Praxis gab Netflix bekannt, man arbeite an Vorrichtungen, die es den Verbrauchern so bald wie möglich erlauben sollen, ihre Datenverbrauchseinstellungen „entsprechend ihren eigenen Videovorlieben und den Kostentabellen ihrer Internet-Service-Provider“ zu justieren. Der neue Service, der den Klienten erlaubt, das, was laut Netflix nur zum Besten dieser Klienten war, mutwillig zu umgehen, soll, wenn alles gutgeht, bereits von Mai an zur Verfügung stehen.

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