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NDR-Fernsehdirektor wiedergewählt : Weitere fünf Jahre für Frank Beckmann

Aus dem Schneider und jetzt wiedergewählt: NDR-Programmdirektor Frank Beckmann Bild: dpa

Die Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue hat die Staatsanwaltschaft gerade eingestellt. Jetzt wird der Vertrag des NDR-Fernsehchefs verlängert. Einstimmig.

          Das ging Schlag auf Schlag: Gerade erst hat die Staatsanwaltschaft Erfurt die Ermittlungen wegen Verdachts der Untreue gegen den NDR-Fernsehdirektor Frank Beckmann bei Zahlung eines Bußgelds von 30.000 Euro eingestellt, da wird sein Vertrag beim Norddeutschen Rundfunk verlängert.Der zwölfköpfige Verwaltungsrat des Senders hat Beckmann am Freitag im Amt bestätigt, wie ein Sprecher des NDR auf Anfrage von FAZ.NET sagte.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Dass dies erfolgen sollte, hatte der Sender Anfang dieser Woche angekündigt: Der NDR-Intendant Lutz Marmor werde dem Verwaltungsrat vorschlagen, Beckmanns Amtszeit zu verlängern, „mit Blick auf dessen Erfolg“ als Programmdirektor. Die Vertragslaufzeit beläuft sich nach Erkenntnissen von FAZ.NET abermals auf fünf Jahre.

          Es blieben noch wenige Tage

          Beckmanns Vertrag wäre am 31. Oktober nach den ersten fünf Jahren beim NDR ausgelaufen. Es musste also schnell gehen, die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Erfurt mussten enden, andernfalls hätte der NDR-Verwaltungsrat sicherlich nicht entscheiden können. Beckmann blieb augenscheinlich gar nichts anderes übrig als die Verfahrenseinstellung gegen Geldbuße.

          Der Vorwurf, mit dem sich der NDR-Direktor auseinandersetzen musste, geht zurück auf die Feier, auf der er als Geschäftsführer des von ARD und ZDF gemeinsam betriebenen Kinderkanals Kika vor mehr als fünf Jahren verabschiedet wurde. Dabei habe es sich um ein turnusmäßiges Treffen des Kika gehandelt, sagte Beckmann gegenüber FAZ.NET, auf dem auch sein Abschied begangen worden sei. „In Kenntnis aller Akten bin ich nach wie vor davon überzeugt, dass ich mir nichts habe zuschulden kommen lassen,“ hatte er gesagt.  Und: Wäre mit der Geldbuße eine Schuldanerkenntnis verbunden gewesen, hätte er diese nicht akzeptiert.

          Party unter „Produktionskosten“

          Die Staatsanwaltschaft hatte herausgefunden, dass die Party unter „Produktionskosten“ verrechnet worden war. Ein fünfstelliger Betrag soll falsch abgerechnet worden sei. Der Vorgang fiel unter die Ägide des früheren Kika-Herstellungsleiters Marco Kirchhof, der wegen Betrügereien in großem Stil, mit denen er einen Gesamtschaden von rund 8,2 Millionen Euro verursacht hat, vom Landgericht Erfurt zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt wurde.

          Auf Anfrage von FAZ.NET hatte sich die Staatsanwaltschaft bis zuletzt überzeugt gegeben, auch den Vorwurf gegen Beckmann in einem etwaigen Prozess belegen zu können. Nur waren die Ermittlungen seit geraumer Zeit nicht bis zur Prozessreife gelangt. Dieser Schwebezustand musste für den NDR-Direktor vor dem 31. Oktober enden.

          Insgesamt fügt sich der Vorgang ein in eine Zeit, in welcher der einstige Kika-Geschäftsführer Marco Kirchhof offenbar schalten und walten konnte, ohne dass jemand an entscheidender Stelle etwas von seinen Machenschaften mitbekam, auch nicht Frank Beckmann, der von 2000 bis 2008 Geschäftsführer des Kika war.

          Neue Vorwürfe im „Spiegel“

          Der „Spiegel“ berichtet indes von neuen Vorwürfen gegen Beckmann. So habe der verurteilte ehemalige Herstellungsleiter des Kinderkanals Kika, Marco Kirchhof, in drei eidesstattlichen Versicherungen Fälle benannt, an denen Beckmann beteiligt gewesen sei und bei denen man „festgelegte Regularien des MDR“ nicht eingehalten habe. Dabei gehe es unter anderem um eine Vorauszahlung von 71.400 Euro bei einem Trickfilmprojekt.

          „Die Behauptung Beckmanns, Kirchhof habe Rechnungen komplett an ihm vorbeigemogelt, ist dummes Zeug“, zitiert der „Spiegel“ den Rechtsanwalt Heinz Funke, der den verurteilten ehemaligen Kika-Herstellungsleiter vertritt. Beckmann, sagte Funke, sei „in mehrere Vorgänge involviert“ gewesen und habe „dabei mehrmals gegen interne Richtlinien des MDR gehandelt. Wenn sich einer an der Verantwortung vorbeimogelt, ist es Beckmann.“

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