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NDR distanziert sich von Doku : Echt oder echt inszeniert?

Echt oder echt inszeniert: Szene aus dem Film „Lovemobil“ Bild: obs

Zu keinem Zeitpunkt über die Inszenierungen informiert: Der Norddeutsche Rundfunk distanziert sich von dem von ihm koproduzierten Dokumentarfilm „Lovemobil“.

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          In weiten Strecken „nicht authentisch“: Mit diesen Worten will sich der Norddeutsche Rundfunk (NDR) von dem preisgekrönten und von der Dokumentarfilmredaktion des Senders koproduzierten Film „Lovemobil“ der Filmemacherin Elke Margarete Lehrenkrauss distanzieren. Wie der Sender am Montag mitteilte, hätten Recherchen der Redaktion des hauseigenen „funk“-Formats „STRG_F“ ergeben, dass der Film „zwar auf Basis von langjährigen Recherchen der Autorin entstanden“ sei, „zentrale Protagonist*innen des Films“ aber „nicht ihre persönlichen Erfahrungen“ schildern, sondern „eine Rolle“ spielten. Viele Situationen „sind nachgestellt oder inszeniert“.

          Axel Weidemann
          Redakteur im Feuilleton.

          Im Film will Lehrenkrauss den Alltag von Prostituierten schildern, die in Wohnmobilen an niedersächsischen Bundesstraßen arbeiten. „Lovemobil“ lief auf internationalen Festivals, wurde im vergangenen Jahr mit dem Deutschen Dokumentarfilmpreis ausgezeichnet und ist für den Grimme-Preis nominiert. Laut Mitteilung habe die Redaktion von „STRG_F“ aufgrund eines Tipps aus dem Umfeld der Produktion angefangen, zu recherchieren, und sei so auf „Unstimmigkeiten“ gestoßen. In einem Interview darauf angesprochen, habe Lehrenkrauss eingeräumt, „es versäumt zu haben, den NDR über die Inszenierungen zu informieren“. Sie bereue das zwar, habe aber auch erklärt, der NDR habe nie nachgefragt.

          Als Protagonistinnen habe Lehrenkrauss auch Bekannte als Darstellerinnen eingesetzt. So sei die Prostituierte „Rita“ im Film keine Prostituierte. Sie soll „Geschichten von anderen Prostituierten nachgespielt haben“, erklärte die Filmemacherin gegenüber „STRG_F“. Von NDR-Seite heißt es nun: „Die Redaktion war während der mehrjährigen Produktionszeit zu keinem Zeitpunkt über die Inszenierungen informiert worden.“ Lehrenkrauss’ Vorwurf, nicht nachgefragt zu haben, weist der Sender zurück. Die Dokumentarfilmerin wiederum erklärte weiter: „Ich kann mir auf jeden Fall nicht vorwerfen, die Realität verfälscht zu haben, weil diese Realität, die ich in dem Film geschaffen habe, eine viel authentischere Realität ist.“

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