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Sender holt Ombudsmann : Der NDR braucht einen Klimaretter

Sieht seinen Sender gut aufgestellt: der NDR-Intendant Joachim Knuth. Bild: NDR/Thomas Pritschet

Der Norddeutsche Rundfunk will seine Skandale überwinden. Deshalb stellt der Intendant Joachim Knuth das gesamte Unternehmensklima auf den Prüfstand und holt einen Ombudsmann. Was soll der erreichen?

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          Dass im Norddeutschen Rundfunk nicht alles zum Besten steht, dürfte inzwischen jeder mitbekommen haben. Erst rumorte es im Landesfunkhaus Schleswig-Holstein, dann in Hamburg. Zwei Chefs in Kiel werden versetzt, obwohl der zentrale Vorwurf, es habe einen „politschen Filter“ gegeben, als widerlegt gilt. Die Vorwürfe, denen sich die Direktorin des Landesfunkhauses Hamburg, Sabine Rossbach, ausgesetzt sieht, sind noch Gegenstand einer Untersuchung. Für „komplett entkräftet“ hält der NDR-Intendant Joachim Knuth die Beschuldigung, Rossbach habe Einfluss auf die Festanstellung ihrer Tochter im Sender genommen. Zu der anderen Vorhaltung, die Funkhauschefin habe dafür gesorgt, dass thematische Angebote der PR-Agentur ihrer anderen Tochter in dem von ihr redaktionell verantworteten Programm berücksichtigt wurden, läuft eine Untersuchung. Mitte Oktober soll das Ergebnis bekannt sein. Sabine Rossbach, das steht jetzt schon fest, kehrt nicht auf ihren Posten zurück.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Das ist der Zwischenstand der Selbstprüfung, welcher sich der NDR unterzieht. Der Intendant Knuth gab dazu am Donnerstag in einem Pressegespräch Auskunft. Er ist froh, dass sich der Eindruck politischer Voreingenommenheit nicht bestätigt habe, und will einen „Prozess“ in Gang setzen, „der uns eine Kultur des Vertrauens und des guten Miteinanders gibt“. Er hat erkannt, dass die Vorgänge in Kiel und Hamburg eine gemeinsame Unterströmung haben – das miserable Redaktionsklima. Da dürfen wir uns wohl despotische Chefs vorstellen und einen Redaktionsalltag, in dem Widerspruch nicht erwünscht ist, sondern bestraft wird. Der Intendant will, wie er sagt, nicht einmal ausschließen, dass im großen NDR, der für vier Bundesländer berichtet, noch weitere Fälle auftauchen, in denen etwas schiefgelaufen ist.

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