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Neue Schweizer Rundfunkchefin : Es wird zu viel gemeint

Kam aus der Schweiz, sah sich beim Mitteldeutschen Rundfunk um, geht zurück in die Schweiz: Nathalie Wappler. Bild: obs

Nathalie Wappler wurde einstimmig zur neuen Direktorin des Schweizer Radio und Fernsehens (SFR) gewählt. Bevor sie ihren Job antritt, macht sie schon einmal eine politische Ansage, die gut ankommt.

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          „Wir müssen keinen Meinungsjournalismus machen“, verspricht Nathalie Wappler, Programmdirektorin des Mitteldeutschen Rundfunks und künftige Chefin des öffentlich-rechtlichen Schweizer Radio und Fernsehens (SRF), in der „NZZ am Sonntag“. Weder „voyeuristisch“ noch „menschenverachtend“ dürften die Sendungen sein: „Wir müssen ein Programm machen, das informiert, aber nicht polarisiert. Ich habe diesbezüglich in Deutschland sehr viel gelernt. Diese Abgehängten, die man nicht mehr zurückholen kann, beschäftigen mich zutiefst.“

          Jürg Altwegg
          Freier Autor im Feuilleton.

          Anfang November wurde Nathalie Wappler vom Verwaltungsrat des Schweizer Rundfunks (SRG SSR) einstimmig zur Direktorin gewählt. Vorgeschlagen hatte sie der Regionalvorstand der SRG Deutschschweiz. In Zürich kennt man sie bestens. Nathalie Wappler war Leiterin der Kulturabteilung, gar nicht immer unumstritten und zum Beispiel für den Rauswurf des „Literaturclub“-Moderators Stefan Zweifel zuständig, der es gewagt hatte, ein falsches Heidegger-Zitat von Elke Heidenreich richtigzustellen.

          Vor zwei Jahren hatte sie die Schweiz nicht ohne Zorn verlassen: „vertrieben“, wie Zeitungen schreiben, von ihrem Vorgesetzten Hansruedi Schoch. Er hatte jetzt ebenfalls für das Direktorenamt kandidiert, das an Nathalie Wappler ging. Der Posten ist so etwas wie eine Superchefredaktion. Schoch soll fortan Wapplers Stellvertreter sein, sie hat ihn über die Zwischenstation MDR also überholt. Wann genau die neue Chefin zurückkehrt, muss noch ausgehandelt werden. Übernehmen soll sie ihren Posten im Frühjahr 2019, ihr Vertrag beim MDR läuft aber bis Ende 2021. Ihre Wahl jedoch konnte niemanden überraschen: Wappler war so sehr Favoritin, dass sogar Zweifel an der Lauterkeit des Verfahrens aufkamen.

          Ihre ersten Absichtserklärungen kommen bestens an. Nicht nur bei der Schweizerischen Volkspartei (SVP), die sie nicht auf irgendwelche Klischees reduzieren will und deren Vertreter Wapplers Berufung freundlich kommentieren. Auch in der Schweiz konzentrieren sich die zunehmenden Spannungen in der Gesellschaft auf die öffentlich-rechtlichen Sender, zu denen es keine Alternative gibt. Die Abschaffung der Gebühren konnte im vergangenen März verhindert werden, doch die Abstimmung darüber – „No Billag“ – hat auch viel Unbehagen hochgespült.

          Es muss gespart und abgebaut werden. Nathalie Wappler traut man den Umbau und Kurswechsel zu. Bei den Einschaltquoten will sie Druck wegnehmen und die Kultur privilegieren. Auch gegenüber den Verlegern schlägt sie versöhnliche Töne an. Nach dem Beispiel der BBC schwebt ihr ein „Netzwerk von Lokaljournalisten“ vor. „Gerade in einem kleinen Land sind wir stärker, wenn wir kooperieren“, sagte sie, und zudem hätten ohnehin alle Medien ein „gemeinsames Problem“: die amerikanischen Digital-Konzerne, welche die Werbegelder abziehen.

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