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Journalisten ausgezeichnet : Nannen Preis für Youtuber Rezo

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Als Journalist geehrt: Youtuber Rezo Bild: dpa

Der Youtuber Rezo, die österreichische „Ibiza-Affäre“, der Krieg im Jemen und Selbstportraits einer dicken Fotografin – der Nannen Preis wurde in diesem Jahr als Online-Gala am Schreibtisch des legendären „Stern“-Chefredakteurs verliehen.

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          Der Youtuber Rezo hat mit seinem Video „Die Zerstörung der CDU“ den diesjährigen Nannen Preis für das beste Web-Projekt gewonnen. Der Egon Erwin Kisch-Preis ging an den „Stern“-Journalisten Domini Stawski für seine Reportage über vier Menschen, die auf ein Spender-Herz warten. In der Kategorie „Investigation“ wurden der „Spiegel“ und die „Süddeutsche Zeitung“ für die Aufdeckung der österreichischen „Ibiza-Affäre“ ausgezeichnet, die zu einer Regierungskrise in Wien führte. Der Nannen Preis für Qualitätsjournalismus wurde wegen der Corona-Krise am Donnerstagabend in Hamburg im Rahmen einer Online-Gala bekanntgegeben.

          Der Sonderpreis der „Stern“-Chefredaktion ging an den Journalisten Rami Abdurrahman und seine Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Mit seinem Netz von mehr als zweihundert Informanten in Syrien dokumentiere er Menschenrechtsverletzungen aller Kriegsparteien, sagte „Stern“-Chefredakteur Florian Gless zur Begründung. Täglich erhalte er dafür Morddrohungen. Doch Medien in aller Welt würden seine Recherchen für ihre Berichterstattung über den Syrienkrieg nutzen.

          Für die beste Dokumentation wurden die „Zeit“-Journalisten Amrai Coen und Malte Henk für einen Bericht über den Jemen-Krieg ausgezeichnet. Unter großen Schwierigkeiten hätten beide einen Weg gefunden, mit den Menschen in dem nahezu vergessenen Kriegsland zu sprechen, hieß es zur Begründung. In der Kategorie Lokale Investigation wurde Christoph Heinemann vom „Hamburger Abendblatt“ geehrt. Er dokumentierte das Versagen der Polizei-Sonderkommission „Cold Cases“, die mit unsauberen Mitteln alte ungelöste Kriminalfälle klären wollte.

          Zwei Preise gingen an Fotografinnen: Für ihre „Stern“-Reportage „Ein wenig locker machen“ begleitete die amerikanische Fotografin Dina Litovsky die ultrakonservative Protestanten-Gemeinde der Amish People, wie sie in Tracht und mit strengen Regeln am Strand von Florida Urlaub machen. Die schwedische Fotografin Marteline Nystad portraitierte unter dem Titel „Die Körperrevolution“ für „Brigitte“ eindrücklich und berührend ihren eigenen dicken Körper.

          Rezo hatte mit seinem 55 Minuten langen Video innerhalb einer Woche rund zehn Millionen überwiegend junge Menschen erreicht. Seine Themen von Armut bis zum Klimawandel habe er unterhaltsam und fundiert präsentiert, sagte Juror Richard David Precht. Rezo bewege sich auf der Grenze zwischen Journalismus und Aktivismus, räumte der Philosoph ein. Aber auch die „Urgesteine des Journalismus“ seien schließlich Aktivisten gewesen.

          Die Online-Gala wurde von Michel Abdollahi gemeinsam mit „Stern“-Chefredakteur Gless am originalen Schreibtisch des ehemaligen „Stern“-Chefredakteurs Henri Nannen (1913-1996) moderiert. Mehr als achthundert Beiträge aus deutschsprachigen Medien waren für den Wettbewerb eingereicht worden. Der Nannen Preis wurde 2005 ins Leben gerufen und gilt als die bedeutendste Auszeichnung im deutschen Journalismus. Stifter sind der „Stern“ und der Verlag Gruner + Jahr.

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