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Zum Tod von Klaus Rainer Röhl : Der Salonrechte

Klaus Rainer Röhl Bild: dpa

Er war Verleger der einflussreichsten Zeitschrift der Studentenrevolte, Mann von Ulrike Meinhof - und zugleich eine Hassfigur für alle aufrechten Linken. Jetzt ist Klaus Rainer Röhl gestorben.

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          Das kollektive Gedächtnis hat ihm, vor Jahrzehnten schon, einen festen Platz in der jüngeren deutschen Geschichte zugewiesen – allerdings hat sich Klaus Rainer Röhl immer geweigert, diesen Platz auch einzunehmen: Er war der „Herr Meinhof“, der Mann, der als Verleger des linken Magazins Konkret schöne Gewinne machte dank der brillanten Artikel, die seine kluge Frau Ulrike dort schrieb; später war er der Mann, den sie, um sich zu behaupten, unbedingt verlassen musste. Und selbst wer wenig Sympathien hatte für den Weg, den Ulrike Meinhof dann ging, wusste doch, was er von Röhl zu halten hatte.

          Claudius Seidl
          Redakteur im Feuilleton.

          Linke Aktivisten, so hat es später seine Tochter Bettina erzählt, stachen die Reifen seines Porsches platt und drohten, seinen Pelzmantel zu verbrennen. Peter Rühmkorf, mit dem er seit den Fünfzigern Kabarett veranstaltet und Zeitschriften herausgegeben hatte, nannte ihn den „unvermeidlichen Kotzbrocken“. Und alle nahmen die schicken Partys, die das Paar, bevor es sich trennte, in seiner Hamburger Villa gefeiert hatte, zum Beleg für Röhls Zynismus. Die Redaktionsarbeit, erzählt Stefan Aust in seiner Autobiographie, habe ohnehin er, Aust, erledigt.

          Ein Salonlinker also, was doch eigentlich ein Ehrentitel sein müsste. Ein Mensch, der vom guten Leben, das erkämpft werden soll, schon etwas versteht. Und wenn nur die Hälfte von dem stimmt, was Röhl über seine Widerspenstigkeit als Teenager unter dem Naziregime erzählt; wenn man zur Kenntnis nimmt, dass er aus Trotz in die KPD eintrat, als die in der Bundesrepublik verboten wurde; und wenn man weiß, dass er irgendwann das Geld der SED, das Konkret den Start ermöglicht hatte, aus politischen Gründen ausschlug – und die Zeitschrift danach erst erfolgreich wurde: Dann darf man von Röhl auch beeindruckt sein.

          Später ist er zum Salonrechten geworden, schrieb Aufsätze und Polemiken in dubiosen Publikationen und gehörte zu denen, die die FDP in eine nationalliberale Partei zurückverwandeln wollten. Wer allerdings eingeladen war in seinen Salon, kam mit der Botschaft zurück, dass Röhl sich nicht furchterregend ernst nahm dabei. Am Dienstag, einen Tag vor seinem 93. Geburtstag, ist er gestorben.

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