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Nachrichtenmüdigkeit : Was gibt's Neues vom Weltuntergang?

Wir schalten live zur Apokalypse: Berichterstattung vom Weltuntergang, wie sie sich Roland Emmerich 2004 in seinem Film „The Day After Tomorrow“ ausgemalt hat. Bild: Interfoto

Zu viel Krieg, zu viele Krisen: Die Menschen sind erschöpft von schlechten Nachrichten, sagt eine Studie. Wie schafft man es da, ihr Interesse für die größte Katastrophe zu wecken – den Klimawandel?

          7 Min.

          Kennen Sie das? Sie schauen Nachrichten, sagen wir, die Tagesschau. Und atmen erleichtert auf, weil der erste Beitrag sich einem neuen Gesetzesentwurf, der Rentenreform oder dem Wahlsieg Ihrer Wunschpartei widmet. Kein Krieg, keine Kata­strophen. Oder besser: kein neuer Krieg, keine neuen Katastrophen. Denn natürlich gab es schon immer Kriege und Katastrophen auf der Welt, die meisten davon ließen sich nur ganz gut ausblenden. Seit zweieinhalb Jahren, seit Corona und dem Krieg in der Ukraine, wird das aber immer schwieriger. Man kann den düsteren Nachrichten kaum mehr entgehen – außer, man meidet sie bewusst. Man schaut, liest, hört einfach gar keine Nachrichten mehr. Und diese Reaktion scheint immer populärer zu werden.

          Anna Vollmer
          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Vergangene Woche wurde der „Reuters Digital News Report“ veröffentlicht, eine Studie, für die über 93 000 Menschen in 46 Ländern zu ihrem Nachrichtenkonsum befragt wurden. Die Pressemitteilung des Hamburger Hans-Bredow-Instituts, das den deutschen Teil der Studie durchgeführt hatte, trug den Titel: „Deutsche sind nachrichtenmüde“. Obwohl der Anteil derjenigen, die mehrmals pro Woche Nachrichten konsumierten, mit 92 Prozent laut Befragung noch immer sehr hoch ist, gaben nur 57 Prozent der erwachsenen Internetnutzer an, sich für die aktuelle Weltlage zu interessieren. Das waren zehn Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Von den 18 bis 24 Jahre alten Teilnehmern waren es gerade einmal 31 Prozent, 19 Prozentpunkte weniger als zuvor. Dieser drastische Rückgang habe ihn überrascht, sagt Sascha Hölig, der die Studie mitdurchgeführt hat. „Es ist einfach zu viel, die Leute sind erschöpft.“

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