https://www.faz.net/-gqz-9988n

Ermordete Journalistin : Ihre Botschaft könnt ihr nicht töten

Demonstranten gedenken der ermordeten Journalistin Daphne Caruana Galizia vor dem Gerichtsgebäude in der Hauptstadt Valletta. Bild: AFP

Vor einem halben Jahr wurde Daphne Caruana Galizia auf Malta ermordet: Die Reporterin hatte dem Regierungschef Korruption vorgehalten. Die Hintermänner des Verbrechens sind weiter unbekannt.

          4 Min.

          Ein halbes Jahr nach dem Mord an der maltesischen Journalistin Daphne Caruana Galizia sind die Ermittlungen zur Aufklärung der Bluttat kaum vorangekommen. Die damals 53 Jahre alte investigative Journalistin und Bloggerin war am 16. Oktober 2017 in Bidnija im Norden der Insel bei der Explosion einer ferngezündeten Bombe unter ihrem Auto getötet worden. Am Ort des Verbrechens gibt es bis heute keine offizielle Gedenktafel für die prominenteste Journalistin des Landes. Nur ein weißes Banner mit der Aufschrift „Justice“ (Gerechtigkeit) wurde zwischen zwei Stangen gespannt. Darunter Blumengestecke sowie Fotos der Ermordeten, daneben die maltesische Flagge.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Zwar haben die maltesischen Behörden, die bei ihren Ermittlungen auch von der amerikanischen Bundespolizei FBI sowie von Europol und von Ermittlern verschiedener EU-Staaten unterstützt werden, Anfang Dezember 2017 die Festnahme von zehn Verdächtigen an verschiedenen Orten der Mittelmeerinsel melden können; anschließend wurde Mordanklage gegen drei der Verhafteten erhoben. Aber über die Hintermänner des Auftragsmordes ist bisher so gut wie nichts bekannt.

          Schriftsteller und Journalisten aus aller Welt sowie Autorenverbände haben jetzt, sechs Monate nach dem Mord an Caruana Galizia, die schleppende Aufklärung des Verbrechens angeprangert. In einem offenen Brief unter anderem an die EU-Kommission beklagt der Autorenverband PEN International, die Ermittlungen genügten nicht den internationalen Ansprüchen „von Unabhängigkeit, Unbefangenheit und Effektivität“. Die Regierung und die Behörden in La Valletta würden auch nichts gegen die regelmäßige „Beseitigung“ des improvisierten Mahnmals für die Bloggerin in der Hauptstadt unternehmen. Achtmal wurde das von Blumen umrahmte und mit einer Gedenkinschrift versehene Foto Caruana Galizias auf dem Platz vor dem Justizpalast schon abgeräumt.

          Mit ihren Berichten hatte Daphne Caruana Galizia erreicht, dass der maltesische Regierungschef Muscat wegen der Vorwürfe im Zusammenhang mit den „Panama Papers“ vorgezogene Neuwahlen ansetzte

          Die drei Söhne der ermordeten Journalistin – Matthew, Andrew und Paul Caruana Galizia – haben schon bald nach der Bluttat das Haus der Familie in Bidnija verlassen und sind später ganz aus Malta weggezogen. Sie sind überzeugt, dass ihre Mutter Opfer eines politischen Auftragsmordes wurde. „Unser Elternhaus, in das unsere Mutter so viel Energie und Liebe gesteckt hat, ist für uns zu einem Ort des Traumas geworden“, sagte Andrew dieser Tage der Deutschen Presse-Agentur: „Und unser Land ist zu einem Paradies der Straflosigkeit für die Menschen geworden, die sich zusammengetan haben, um sie zu töten.“ Er appellierte an die maltesischen Behörden, auch den Enthüllungen seiner Mutter nachzugehen, statt sich mit der ohnedies schleppenden Aufklärung des Mordes an ihr zu begnügen.

          Doch dass es dazu kommt, ist wenig wahrscheinlich. In ihrem letzten Blogeintrag, wenige Minuten vor ihrem Tod veröffentlicht, hatte Caruana Galizia in der für sie typischen Diktion geklagt: „Wo du auch hinschaust, überall sind Gauner. Die Lage ist hoffnungslos.“ Mehr als zehn Jahre lang hatte sie ihren kontroversen Blog „Running Commentary“ mit Enthüllungen über Misswirtschaft und Korruption, aber auch mit polemischen Kommentaren unterhalten. Was Caruana Galizia schrieb, war Pflichtlektüre und Gegenstand heftiger Debatten.

          Weitere Themen

          Ein Ende mit Schrecken

          TV-Kritik: „Maischberger“ : Ein Ende mit Schrecken

          Ist unser Essen zu billig? Ist Greta Thunberg schlimmer als Donald Trump? Sandra Maischberger lässt unaufgeregt die Woche Revue passieren. Doch dann kommt Gloria von Thurn und Taxis – und sorgt für ein dickes Ende.

          Topmeldungen

          Arbeiter desinfizieren einen Bahnhof im chinesischen Wuhan.

          Infektionen mit Coronavirus : China riegelt Millionenmetropole Wuhan ab

          Neue Eskalationsstufe im Kampf gegen das Coronavirus: Die Millionenmetropole Wuhan steht praktisch unter Quarantäne, Bahnhöfe und Flughäfen sind geschlossen, die Bewohner dürfen nur noch mit Masken auf die Straße. Derweil steigt die Zahl der nachgewiesenen Erkrankungen weiter.
          Sandra Maischberger begrüßte in ihrer Sendung am 22. Januar 2020 den Cicero-Chefredakteur Christoph Schwennicke, die ARD-Moderatorin Anna Planken und den Kabarettisten Florian Schroeder (von links).

          TV-Kritik: „Maischberger“ : Ein Ende mit Schrecken

          Ist unser Essen zu billig? Ist Greta Thunberg schlimmer als Donald Trump? Sandra Maischberger lässt unaufgeregt die Woche Revue passieren. Doch dann kommt Gloria von Thurn und Taxis – und sorgt für ein dickes Ende.
          Unser Newsletter-Autor: Carsten Knop

          F.A.Z.-Newsletter : Die Kanzlerin in Davos

          Mehr als vierzig Staatsoberhäupter kommen heute in die Gedenkstätte Yad Vashem, um an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz zu erinnern. Das und mehr steht heute im Newsletter für Deutschland, dieses Mal wieder aus Davos.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.