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Ermordete Journalistin : Ihre Botschaft könnt ihr nicht töten

Das meiste Aufsehen aber erregten ihre Enthüllungen im Zusammenhang mit den „Panama Papers“ vom April 2017. Caruana Galizia behauptet unter anderem, Ministerpräsident Joseph Muscat habe auf Konten seiner Ehefrau Michelle und enger Vertrauter bei Banken in Panama Bestechungsgeld von rund einer Million Dollar überweisen lassen. Das Geld soll von der aserbaidschanischen Herrscherfamilie als Gegenleistung für umfangreiche Regierungsaufträge zur Energieversorgung Maltas an die panamaische Briefkastenfirma Egrant Inc. – im Besitz von Michelle Muscat – bezahlt worden sein.

Der Regierungschef und seine Frau wiesen – und weisen – die Vorwürfe kategorisch zurück. Sie und andere von Caruana Galizia beschuldigte Regierungsvertreter strengten mehr als drei Dutzend Verleumdungsklagen gegen die Journalistin an, die zu Lebzeiten keine stichhaltigen Beweise für ihre Beschuldigungen vorlegen konnte. Viele ihrer Informationen hatte Caruana Galizia offenbar von der Russin Maria Efimowa erhalten, einer Angestellten der privaten Pilatus-Bank in La Valletta, über welche die Transaktionen nach Panama offenbar abgewickelt wurden. Nach der Ermordung der Journalistin gab Efimowa ihre Insider-Informationen auch an die Geldwäsche-Ermittler der Europäischen Zentralbank und des Europäischen Parlaments weiter. Im Dezember 2017 verließ Efimowa Malta, weil sie nach eigenen Angaben bedroht wurde und um ihr Leben fürchtete. Sie suchte mit ihrer Familie Zuflucht auf Kreta. Ende März stellte sich die russische Whistleblowerin jedoch der griechischen Polizei, denn aus Malta liegt ein internationaler Haftbefehl gegen sie vor: In Malta wirft man Efimowa Veruntreuung vor, es soll um zweitausend Euro gehen. Bisher hat der EU-Staat Griechenland noch nicht über den Auslieferungsantrag des EU-Staates Malta entschieden.

Ob die Informantin Efimowa hinter Gittern in Malta zum Schweigen gebracht wird oder weitere Informationen zur Aufklärung eines mutmaßlichen Korruptions- und Geldwäscheskandals in Malta liefern kann, ist ungewiss. Die Recherchen der ermordeten maltesischen Journalistin hat jedenfalls seit Monaten das – nach Caruana Galizia benannte – Daphne-Projekt des Medienkonsortiums „Forbidden Stories“ fortgesetzt. Das Konsortium von 45 Journalisten, die achtzehn Medienorganisationen aus fünfzehn Ländern vertreten, wurde im Oktober 2017 von „Reporter ohne Grenzen“ und vom „Freedom Voices Network“ mit dem Ziel gegründet, die Informationen und Daten bedrohter, verhafteter oder ermordeter Journalisten zu sichern und weiter auszuwerten. Im Rahmen des Daphne-Projekts wurden nach Angaben von „Forbidden Stories“ mehr als 750.000 Seiten Dokumente – wohl vor allem aus dem Fundus der „Panama Papers“ – durchforstet. In den kommenden Wochen werden die am Konsortium beteiligten Medien – in Deutschland sind es die „Süddeutsche Zeitung“, die „Zeit“ sowie die Sender NDR und WDR – ihre Rechercheergebnisse in der Nachfolge von Daphne Caruana Galizia veröffentlichen. „Ziel von ,Forbidden Stories‘ ist es, die Arbeiten anderer Journalisten fortzuführen und zu veröffentlichen, weil diese bedroht, verhaftet oder getötet wurden“, sagt Laurent Richard vom „Freedom Voices Network“: „Ihr habt die Überbringerin der Botschaft getötet, aber die Botschaft werdet ihr nicht töten können.“

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