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Medien in Myanmar : Vor dem Militär ist niemand sicher

Protest gegen die Militärregierung: Bild aus Yangon (Rangun) Bild: EPA

In Myanmar riskieren Journalisten ihr Leben. Die Militärjunta setzt Geheimdienstmitarbeiter auf der Straße ein. Für die abgesetzte Aung San Suu Kyi haben burmesische Medienschaffende wenig Lob übrig.

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          In Myanmar spitzt sich die Lage weiter zu. Zehntausende Menschen protestierten nach dem Putsch gegen die Militärjunta, die Polizei begann am Dienstag, scharf auf die Demonstranten zu schießen. Für Medienschaffende ist es besonders gefährlich. „Jeder einzelne Journalist arbeitet am Rande der Festnahme“, sagt eine burmesische Reporterin, die namentlich nicht genannt werden will, im Gespräch mit der F.A.Z. „Am Ende des Tages ist niemand sicher in Myanmar.“

          Martin Franke
          Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.

          Der Rückfall erinnert an dunkle Zeiten, in denen die Militärjunta mit Gewalt und einem Zensurregime herrschte. Die Medienlandschaft wurde mit dem demokratischen Aufbruch 2011 freier. Doch weiterhin sind Gesetze in Kraft, die die Pressefreiheit beschneiden. Freiräume aus den Anfangsjahren des Aufbruchs wurden zurückgenommen, darunter leidet vor allem die kritische Berichterstattung. Auch die Pandemie wurde in Myanmar dafür genutzt, Journalisten mundtot zu machen.

          Pikanterweise ging die zivile Regierung der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, die viele Jahre unter Hausarrest stand und nun abermals um ihr Schicksal fürchten muss, hart gegen Journalisten vor. 2018 wurden zwei Reuters-Journalisten zu sieben Jahren Haft verurteilt, weil sie ein Massaker an Rohingya-Muslimen aufgedeckt hatten. Nach Auffassung des Gerichts sollen sie gegen ein Gesetz zum Schutz von Staatsgeheimnissen verstoßen haben. Nach mehr als fünfhundert Tagen kamen sie frei. „Suu Kyi glaubt ganz fest, dass die beiden Reporter es verdient haben“, sagt die burmesische Reporterin. Der aktuelle Protest sei ihr zufolge daher mehr dem Militärregime als der Freilassung von Suu Kyi gewidmet.

          Sorge vor dem Geheimdienst

          Die Junta versuchte zuletzt durch die Abschaltung des Internets die Kontrolle zu behalten. In Myanmar ist das eine beliebte Methode. Die Militärregierung in der Hauptstadt Naypyidaw geht aber noch einen anderen Weg: Die Tochtergesellschaft der norwegischen Telefongesellschaft Telenor, einer der großen Anbieter, musste den Generälen Benutzerdaten herausgeben. Weil den Militärs das technische Wissen fehlt, sollen Israelis und Russen ihnen dabei helfen, Zugriff auf regierungskritische Inhalte in Messengerdiensten wie Facebook zu erhalten. Medienschaffende greifen für den Austausch von Informationen daher auf sichere Kanäle wie Telegram und Signal zurück. Auch warnen sich Journalisten gegenseitig vor Geheimdienstmitarbeitern und Unregelmäßigkeiten auf den Straßen.

          Für die Militärregierung bedeuten die Proteste nichts Gutes, glaubt die Reporterin. „Myanmar ist nun gut verbunden mit der Welt.“ Neben Journalisten dokumentierten Tausende Demonstranten die aktuellen Ereignisse. Im Internet werden Bilder mit dem Hinweis versehen, die Militärregierung lege sich mit der falschen Generation an. An vorderster Front stehen junge Fotografen und Journalisten, die vor allem eins tun: ihr Leben riskieren.

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