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Musik-Streaming : Taylor Swifts Ausstieg

  • -Aktualisiert am

Taylor Swift schlägt neue Töne an: In Zukunft ohne mich. Bild: AP

Mit ihrem neuen Album verpasst Taylor Swift der Umsonst-Kultur im Internet einen Denkzettel. „1989“ wird auf Spotify nicht zu hören sein - und ihre bisherigen Alben auch nicht länger.

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          Zu Beginn ihres Essays für das Wall Street Journal fragte sich die Popmusikerin Taylor Swift im Juli 2014, wo sich die Musikindustrie in 20, 30, 50 Jahren wohl befinden wird, worin ihre Zukunft besteht? Taylor Swift will die Zukunft der Musik dabei nicht in den Streaming-Diensten sehen. Und ihre eigene Musik auch nicht. Daher hat sie am Montag ihre Diskografie aus dem Katalog des Streaming-Dienstes Spotify genommen. Das neue Album „1989“ hat sie von vornherein nicht über Spotify zugänglich gemacht. Ein entschiedener Schritt, denn das neue Album wurde bisher schon 1,4 Millionen mal verkauft und war im Begriff, den besten Start eines Albums seit „The Eminem Show“ (2002) hinzulegen. Spotify hätte mit Sicherheit für eine noch weitere Verbreitung des Albums gesorgt.

          Bei Spotify können Nutzer am Computer in einem Online-Archiv, Alben, Songs und Interpreten suchen und per Stream hören, Playlisten zusammenstellen und eine Bibliothek mit ihrer bevorzugten Musik anlegen. Der Dienst kann kostenlos genutzt werden, wenn man damit einverstanden ist, dass Werbung zwischengeschaltet wird. Bei der Premium-Version, die in Deutschland zehn Euro im Monat kostet, kann die Musik darüber hinaus heruntergeladen und unterwegs auf dem Smartphone gehört werden.

          Musik sei, so die Sängerin, ein künstlerisches Gut, das mit großem Aufwand und Arbeit verbunden sei. Deswegen sei es falsch, Musik - wie bei Spotify - fast für umsonst anzubieten. Bis Ende Oktober dieses Jahres verhandelten Swifts Plattenfirma und Spotify darüber, ob die bisherigen Alben Swifts nur noch außerhalb der Vereinigten Staaten angeboten werden könnten – was jedoch strukturelle Probleme nach sich gezogen hätte, da der Streaming-Dienst in allen Ländern, in denen er offiziell angeboten wird, seinen gesamten Musik-Katalog anbietet. Als Ergebnis der Uneinigkeit zog sich Swift nun mit ihrem gesamten Programm von Spotify zurück.

          Durchschnittlicher Spotify-Erlös hat viele Stellen hinter dem Komma

          Neu ist dieser Schritt nicht. Thom Yorke, Frontmann der renommierten Alternative-Band Radiohead brach schon im Juli 2013 mit Spotify, da er junge Bands in Gefahr sah, durch das Spotify-Modell finanziell nicht überleben zu können. Etablierte Musiker könnten damit umgehen, und es sogar für sich nutzen, jedoch liege im Musik-Streaming keine Lösung um junge, aufstrebende Musiker zu unterstützen. Durchschnittlich erhält ein Musiker 0,007 Dollar pro gestreamtem Song von Spotify. Wird dieser Song eine Millionen mal von Nutzern gehört, erhält der Künstler 7000 Euro.

          Dass sich mit Taylor Swift eine derzeit kommerziell erfolgreiche und populäre Chartmusikerin gegen Spotify zur Wehr setzt, ist allerdings neu. Sie verweist auf Künstler, die ihre neuen Veröffentlichungen zu Promotionzwecken für umsonst anbieten und sich dadurch den Hörern anbiedern, wie es beispielsweise U2 jüngst mit ihrem neuen Album „Songs of Innocence“ getan haben, dass jedem iTunes-Nutzer ungefragt in die Bibliothek gelegt wurde.

          Spotify selbst ist von Swifts Beschluss keinesfalls erfreut, da die Künstlerin zu den meistgehörten auf dem Portal zählte. Der Dienst gibt an, dass von den insgesamt 40 Millionen Nutzern 16 Millionen im letzten Monat Songs von Taylor Swift gehört haben. Freundlich-umwerbend reagierte Spotify daher im hauseigenen News-Blog auf Swifts Ausstieg: „Wir lieben Taylor Swift und unsere Nutzer sogar noch mehr.“ Und weiter: „Wir hoffen, dass sie ihre Meinung noch ändern und sich uns anschließen wird, ein neues ökonomisches Musik-Modell zu erschaffen, das jedem weiter hilft. Wir glauben, dass es jedem Fan möglich sein sollte, wann und wo auch immer, Musik zu hören, aber auch, dass die Künstler das Recht haben, bezahlt zu werden und ihre Arbeit vor Piraterie zu schützen. Deswegen zahlen wir nahezu 70 Prozent unserer Einnahmen an die Musikindustrie.“ Dass seien angeblich seit dem Jahr 2008 mehr als eine Milliarde Dollar für die Urheber und Rechteinhaber gewesen.

          Um der Situation, so scheint es, die Brisanz zu nehmen, hat Spotify unter die Stellungnahme eine Playlist eingebettet, deren 11 Songtitel übersetzt den Satz ergeben: „Hey Taylor wir wollten deine hervorragenden Liebeslieder hören, doch sie sind gerade nicht da – wir wollen dich zurück und deine Fans auch“.

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