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Musik-Charts : Billboard zählt jetzt auch die Streams

Angus Young und AC/DC zeigen Streaming-Diensten nach wie vor die Hörner Bild: Picture-Alliance

Die einflussreichen Billboard-Charts beziehen künftig auch Streams in ihrer Alben-Bestenliste ein. Das wird vor allem Streaming-Skeptiker wie Taylor Swift und AC/DC benachteiligen. Der Wert von Musik fällt.

          Es ist das größte Update seit 23 Jahren: Die renommierten amerikanischen Billboard-Charts, die meistzitierte Musikhitliste der Welt, haben die Gewichtung bei ihrem seit 1956 bestehenden Album-Ranking („Billboard 200“) geändert. Neuerdings zählen nicht mehr nur die Verkäufe eines Albums, sondern auch Titel-Downloads und Songstreams bei Diensten wie Spotify, Beats, Google Play und Xbox Music.

          Uwe Ebbinghaus

          Redakteur im Feuilleton.

          Gemessen werden soll künftig die „consumption activity“, also die Gebrauchsintensität. Der Einheit „Album“ sollen künftig zehn individuelle Downloads oder, was nicht eben knapp bemessen ist, 1500 Streams entsprechen.

          Gewinner und Verlierer

          Damit sind die Vereinigten Staaten mit Norwegen und Schweden – der Heimat von Pirate Bay und Spotify – die einzigen Länder, so das Marktforschungsinstitut GfK, in denen Streams auch in den Album-Charts berücksichtigt werden.

          Freuen können sich, nach Auskunft von Billboard, Sänger und Bands wie Ariana Grande, Hozier and Maroon 5, deren Streaming-Zahlen und Download-Verkäufe eine Beliebtheit weit über den CD-Verkäufen anzeigt. Benachteiligt werden hingegen ältere Künstler ohne angestammte Streaming-Gemeinde sowie viele Independent-Bands oder streaming-skeptische Gruppen wie AC/DC, die etwa beim Marktführer Spotify nicht vertreten sind.

          Von Nachteil ist die neue Zählung wohl auch für die Singer-Songwriterin Taylor Swift, die Anfang November ihren Ausstieg bei Spotify verkündet hatte und anschließend mit ihrem neuen Album „1989“ den CD-Rekordverkauf des Jahres hinlegte – diese These stimmt zumindest dann, wenn man davon ausgeht, dass ihre Streaming-Zurückhaltung die CD-Verkaufszahlen nicht sogar in die Höhe getrieben haben.

          Der Wert der Musik fällt

          Unterdessen lassen sich führende Manager der Plattenlabel Universal und Sony von Billboard mit zustimmenden Statements hinsichtlich der neuen Auswertung zitieren. Sie gebe den heutigen Musikkonsum, der auf vielen Plattformen und in zahlreichen Formaten stattfinde, endlich angemessen wieder.

          Die erste neue Album-Bestenliste wird Billboard vom 3. Dezember an veröffentlichen – ein symbolisches Datum, weil ihm die traditionell umsatzstarke Woche vor Thanksgiving vorausgeht.

          Insgesamt kann man feststellen, dass mit der neuen Auswertungspraxis der Wert der Musik an der einflussreichsten Chart-Börse weltweit gefallen ist. Denn bei Billboard werden, anders als zum Beispiel bei den offiziellen deutschen Single-Charts, auch Streams von werbefinanzierten Gratis-Accounts gezählt. Wobei man in Deutschland, so der Geschäftsführer des Bundesverbandes Musikindustrie gegenüber FAZ.NET, weiterhin davon ausgeht, „dass durch den Kauf von Musik auch eine Wertschätzung ausgedrückt wird.“ Die deutschen Charts gehören daher zu den Wertecharts, bei denen der Wert eines Musikprodukts die Hauptrolle spielt.

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