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Wissenschaft im Fernsehen : Flacher Schirm, tiefe Einsichten

Wer von diesen dreien wäre gerade lieber nicht im Fernsehen? Donald Trump (rechts), sein Seuchenfachmann Anthony Fauci (eingekeilt) und Mike Pence (links) Bild: Reuters

Wenn Wissenschaft zur politischen und sozialen Überlebensfrage wird, müssen Fernsehen und andere Medien des bewegten Bildes viel Vermittlungsarbeit leisten. Aber können sie das überhaupt?

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          Wissenschaft sträubt sich oft dagegen, auf Bildschirmen dargestellt zu werden. Von den frontal gefilmten Hirnforschungs-Vorträgen eines Hoimar von Ditfurth über die Trickbilder-Ausflüge ins All, die Astrophysiker wie Neil deGrasse Tyson moderieren, bis hin zu Interviews mit den Seuchengelehrten der Stunde bildet die Flimmerfläche zu gern Resultate ab und weniger gern die viel wichtigeren Verfahren, mit denen sie gewonnen werden, selbst wenn ab und zu etwas wie die „Knoff-Hoff-Show“ im ZDF passiert, Joachim Bublaths launige Revue unterhaltsamer Experimente.

          Dietmar Dath

          Redakteur im Feuilleton.

          Richtige Resultate kann man auch zufällig erzielen, wissenschaftliche Ergebnisse dagegen beschäftigen viele Leute mit Fleiß- und Sorgfaltsaufgaben. Sie vollständig darzustellen wäre sterbenslangweilig. Dadurch liegt der Akzent bei der Vermittlung der Forschung durch Film, Interviews, Diskussionen leider auf den Ergebnissen, und die eigentliche Forschungslogik ist kaum bekannt, was im schlimmsten Fall zu Youtube-Videos führt, bei denen derselbe Mensch in wenigen Minuten sowohl die Überzeugung unterbringt, das Ausmaß einer Krankheit, vor der sich viele fürchten, sei vom Ausland verschwiegen worden, also viel schlimmer, als die meisten glauben, wie er kurz darauf die Ansicht vorträgt, die Krankheit sei viel harmloser, als Regierungen voraussetzen, die dagegen strenge Maßnahmen erlassen. Eigentlich müssten sich sowohl diejenigen, die das Risiko unterschätzt finden, wie diejenigen, die es als überschätzt betrachten, für mehr Tests aussprechen; der Chor, der das fordert, müsste gewaltig laut sein. Stattdessen herrscht ein Stimmengewirr, weil die Leute gewohnt sind, beim Reden über Forschung von Ergebnissen auszugehen statt von Methoden ihrer Erzeugung.

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