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Münchner „Abendzeitung“ : Wir wollen eine Heimatzeitung sein

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Warum glauben Sie, dass gerade Ihnen das glückt?

Wir in Niederbayern hatten nie die Möglichkeiten wie die Oberbayern. Teilweise herrschte bei uns eine Arbeitslosigkeit von dreißig bis vierzig Prozent. Unsere Abopreise lagen bei der Hälfte vom Normalen. Bei uns kostet eine Anzeige zwei Drittel von der in Regensburg. Wir haben nie die Umsatzrendite gehabt wie andere Heimatzeitungen. Wir haben gelernt, sparsam zu wirtschaften. Wenn es heißt, der Balle ist so knauserig, dann hat das einen Hintergrund in der Geschichte unseres Hauses. Wir hatten ja erst einmal kaum Stellenmarkt. Deswegen habe ich mir die AZ zugetraut und wusste, dass ich mir jede Stelle anschaue. Andere Verlage sind Märkte gewohnt und denken nicht in Strukturen mit jedem einzelnen Leser. Wir machen Miniausgaben für fünfhundert Leute in Plattling und achthundert in Schierling. Wir haben gelernt, mit Kleinstauflagen zu arbeiten. Das können wir.

Die bekannte Politikjournalistin Angela Böhm musste gehen.

Die Politikredaktion der AZ war langweilig, nicht rechts, nicht links, erwartbar. Der Leser will eine Zeitung, die überrascht und die offen ist. Ich finde, linksliberal heißt nicht, dass man eine vorgefasste Meinung hat. Linksliberal heißt, analytisch kritisch zu sein, und das sind wir - übrigens auch in Straubing. Ich weiß von vielen Lesern, dass sie die Erwartbarkeit nicht mehr ertragen haben.

Sport ist wichtig in München. Wer bleibt von der Redaktion?

Patrick Strasser wird auf freier Basis als Bayern-Kenner ab August weiter für uns schreiben. Ich bin ein Blauer, also Löwen-Fan, aber ich kann nicht mehr. Die machen alles falsch und kriegen nicht einmal einen Präsidenten her. Die AZ bleibt ein Blatt für die Löwen-Fans. Der FC Bayern ist natürlich viel professioneller. Hoffentlich kommt Uli Hoeneß bald frei. Übrigens bleiben als alte AZ-Markenzeichen Graeter und Ponkie.

Nehmen Sie redaktionell Einfluss, etwa wenn Lidl als Anzeigenkunde einen Skandal hat?

Als damals der Skandal war, fragte mich die Redaktion, was sie machen solle. Wir waren damals sehr abhängig von Lidl als Anzeigenkunde. Ich entschied, dass wir das in der Wirtschaft bringen, aber nicht groß und reißerisch. Meine Empfehlung wäre also: Sie machen das nicht ganz so auffällig, damit Lidl den Prospekt weiter streut. Das bringt mir im Jahr 500.000 Euro. Davon kann ich zehn Leute bezahlen. Ich muss ja auch sozial denken.

Aber eine Zeitung muss Rückgrat haben.

Aber du darfst geschickt sein. Es gibt ein jüdisches Sprichwort: „Du darfst nicht lügen, aber du musst auch nicht alles sagen, was du weißt.“ Wenn wir alles im „Straubinger Tagblatt“ schreiben würden, was wir über die Stadt wissen, könnte keiner mehr in dieser Stadt leben. Dann ist die Stadt fertig. Darauf muss man Rücksicht nehmen. In München mische ich mich aber nicht ein. Ich würde den Chefredakteur nicht beeinflussen wollen.

Bekennen Sie öffentlich selbst auch mal Farbe?

Natürlich. Ich schreibe einen offenen Brief an Gerda Hasselfeldt. Sie hat für den Mindestlohn bei Zeitungsausträgern gestimmt und bei meinem Vater angerufen und das Gegenteil behauptet. Nun vergleiche ich sie mit der Lila aus Max Frischs „Mein Name sei Gantenbein“, die den anderen vormacht, die Welt schaut anders aus. Wissen Sie, die AZ und wir haben eine Wellenlänge. Wir sind anarchische Niederbayern, und wir wollen unser Ding machen, und die bei der AZ wollen auch ihr Ding machen.

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„Herbstsonate“, 1978. Regie: Ingmar Bergman. Darsteller: Ingrid Bergman, Liv Ullmann, Lena Nyman.

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