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Morningshow „Volle Kanne“ : Ach so! Ach was!

  • -Aktualisiert am

Kanne voll: Ingo Nommsen Bild: ullstein bild

Etwas Gebäck, nette Gäste und seichte Gespräche: Für Leute, die nachdenken, ist „Volle Kanne“ nicht gemacht. Wie die schnuckelige Morningshow seit fünfzehn Jahren im Fernsehen überlebt.

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          Am Montag war Katja Kessler da, die gerade ein Buch über Kalifornien geschrieben hat, und Christian Eisert, der gerade ein Buch über Nordkorea geschrieben hat, und Moderator Ingo Nommsen fragte Kessler, ob sie sich vorstellen könnte, da mal hinzufahren, nach Nordkorea, um sich das anzuschauen, ein paar Tage, und sie antwortete: „Auf jeden Fall, wir waren auch in Nicaragua unterwegs.“ Eisert fiel dann noch ein – „Stichwort Silicon Valley“ –, dass Kim Jong-un in Pjöngjang einen Schönheitssalon eingerichtet habe, wo sich Nordkoreanerinnen mit Glas-Vakuum-Glocken die Brüste vergrößern lassen können, und Nommsen erwiderte: „Das ist Nordkorea 2.0.“

          So sind sie, die Gespräche am Frühstückstisch der ZDF-Sendung „Volle Kanne“. Oder wie der Sänger Thomas Anders am Freitag ebendort über deren Erfolgsgeheimnis sagte: „Morgens ist der Kopf noch nicht so voll.“ Seit fünfzehn Jahren gibt es die Sendung. Ihr Titel stammt noch aus der Zeit, als sie von Susanne Stichler moderiert wurde, wobei sich darüber streiten lässt, ob er an Albernheit gewinnt oder verliert, wenn man die ursprüngliche Bedeutung als Reim in „Volle Kanne, Susanne“ noch kennt. Nun heißt die Sendung „Volle Kanne – Service täglich“, was man rätselhaft finden kann, aber für Leute, die über so etwas nachdenken, ist die Sendung ohnehin nicht gemacht.

          „Was schätzt ihr als Gäste an dieser kleinen schnuckeligen Morgenshow“?, fragte Nommsen in der Jubiläumssendung, und man sah Thomas Anders an, wie sein Gehirn nach einer Antwort suchte, bevor es kapitulierte: „Na, weil es eine kleine schnuckelige Morningshow ist.“ Und das Frühstück ist toll, weiß Juliane Biedermann, die zum vierten Mal zu Gast ist. Für Thomas Anders ist es der achte Besuch. „Seit über dreizehn Jahren schaut Thomas Anders bei ,Volle Kanne‘ vorbei“, sagt Moderator Nommsen. „Wir laden ihn sehr gerne ein, weil er ein sehr netter Gast ist, der eine besondere Karriere hat.“ So, so.

          Geplauder mit Croissants

          Was genau der Anlass für diesen Besuch ist, bleibt vage, außer dass bald das 30. Jubiläum von „Modern Talking“ ist, was Anders selbst aber auch höchstens viertelbegeistert. Juliane Biedermann hat ein Kinderbuch geschrieben und darin eine Öko-Botschaft versteckt, die sie so beschreibt: „Am Ende des Tages ist ein Haltbarkeitsdatum auf der Erde, was wir als Menschen verlängern müssen.“ Man würde annehmen, dass auch das Haltbarkeitsdatum dieser Art von Hausfrauenfernsehen längst abgelaufen wäre, aber dem ZDF ist es irgendwie gelungen, es in die Unendlichkeit zu verlängern.

          Neben dem Geplauder beim Croissant-Zutzeln gibt es Informationen und Anregungen für Menschen, die Fernsehen gucken, um dort Informationen und Anregungen zu bekommen, oder sich jedenfalls freuen, wenn sie beim Bügeln das Gefühl haben, dass im Fernsehen etwas läuft, das jemandem gerade Informationen und Anregungen geben könnte. Ein Profi-Handwerker zeigt, dass man sich eine Eck-Fernseh-Couch selbst zusammenbauen kann (wenn man einen Profi-Handwerker an seiner Seite hat). „Volle Kanne“-Koch Armin Roßmeier macht Frühstück-Wraps, die schnell gezaubert sind (wenn man sie lange genug vorbereitet hat). Ein Online-Kriminalitäts-Experte empfiehlt, im Internet den gesunden Menschenverstand eingeschaltet zu lassen – und wird von Nommsen mit den Worten verabschiedet: „Surfen Sie wieder gut nach Hause.“ Ein Filmbeitrag zeigt, dass der Trimm-dich-Pfad wieder angesagt ist, jetzt aber Fitness-Parcours heißt. Die Klatsch-Rubrik heißt „Ach was!“, die Verbraucher-Themen-Rubik „Ach so!“

          Aber wenn man dem Zusammenschnitt zum 15. Geburtstag glaubt, gab es in dieser Zeit viele große Live-Fernseh-Momente: eine spontane Yoga-Session mit Hape Kerkeling; diverse Musikeinlagen von Promis mit Nommsen an der Gitarre; einen Überraschungsbesuch von Johannes Oerding, der aus der Moderatorin Andrea Ballschuh ein schluchzendes Bündel Glück und Rührung machte. Auf die Frage, wie lange er das noch machen wolle, sagte Nommsen: „Bis sie mich an den Füßen raustragen“ sowie: „,Volle Kanne‘ ist die beste Basis für alles, was da kommt.“ Aber was soll da schon noch kommen.

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