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„Mordkommission Istanbul“ : Ah, das ist ja Chanel No. 5

Auf dem Sprung: Kommissar Özakin (Erol Sander) wird befeuert. Bild: ARD Degeto

Auch in Istanbul treibt skrupellose Immobilienspekulanten die kriminelle Energie voran. Kommissar Özakin ermittelt entlang der touristischen Pfade und beweist dabei einen feinen Geruchssinn.

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          Seit Istanbul zu einem beliebten Reiseziel gar nicht mehr nur von Rucksacktouristen geworden ist, seitdem ist die Stadt zwischen Orient und Okzident auch in die Liste deutscher Sehnsuchtsorte aufgestiegen. Nur folgerichtig, dass dort seit 2008 mit Mehmet Özakin (Erol Sander) auch ein deutscher Fernsehkommissar ermittelt. Mediterrane Leichtigkeit wird in der „Mordkommission Istanbul“ mit ein wenig Witz und etwas Spannung angereichert - ähnlich wie bei Donna Leons Commissario Brunetti. Nur fliegt die Kamera hier eben über den Bosporus anstatt über die Lagune Venedigs.

          Julian Staib

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          In der vergangenen Woche klärte Özakin in der Folge „Stummer Zeuge“ einen Mord im Drogenmilieu auf und betreute einen traumatisierten Jungen. Heute steht in „Rettet Tarlabasi“ das gleichnamige Altstadtviertel Istanbuls im Mittelpunkt. Es geht um den wirtschaftlichen Boom der Stadt, um den Abriss der alten Bausubstanz, die Luxussanierung und den Zuzug neuer, wohlhabenderer Anwohner - und damit um das, was als „Gentrifizierung“ beschrieben wird und auch in Istanbul Menschen auf die Straße treibt.

          Die Kleidung als Botschaft

          „Vielleicht wird hier was frei“, witzelt gleich zu Beginn Kommissar Özakins stets etwas bedröppelt dreinschauender Begleiter Mustafa (Oscar Ortéga Sánchez), als die beiden das Haus eines Toten betreten. Özakin ist auf Wohnungssuche, ihm wurde gekündigt, denn seine Bleibe liegt in einem Haus in Tarlabasi, das den Plänen korrupter Immobilienspekulanten weichen soll.

          Auch der Tote war Spekulant und obendrein Liebhaber Yasemin Güls (Cosma Shiva Hagen), einer jungen Journalistin, die sich gegen die Sanierungspläne engagiert. Sie steht bald im Zentrum einer verstrickten Geschichte um Liebe und Verrat - und im Verdacht, den Mord begangen zu haben. Wenige Minuten vor dem Tod ihres Liebhabers war sie schließlich bei ihm gewesen in der Sommerresidenz.

          Özakin riecht das. Er schnuppert, als er das Zimmer des Toten betritt. „Ah, Chanel No. 5“, sagt er, und das passt zu diesem Kommissar, der stets ein wenig zu glatt daherkommt, immer im weißen Hemd und im dunklen Anzug, den er fortwährend auf- und zuknöpft, je nachdem, ob die Situation Entspannung oder Dramatik suggerieren soll. Überhaupt die Kleidung: Selbst im türkischen Parlament dürfen Frauen mittlerweile Hosen tragen, aber in diesem Plot offenbar nicht, sondern ausschließlich kurze Röcke. So auch Özakins Frau Sevim (Idil Üner), die ein deutlich uneigenständigeres Rollenmodell liefert als Brunettis Paola.

          Ein letzter Blick auf die alte Stadt?

          Frau Özakin freut sich fast über die Kündigung der gemeinsamen Wohnung und sucht schon nach Alternativen. Wie in der vorherigen Folge bildet damit die eigene Betroffenheit der Özakins die Rahmenhandlung, um die dann ein Mordfall gestrickt wird. Vielleicht hätte man die beiden Folgen nicht so kurz nacheinander laufen lassen sollen, denn wiederum mischt ein ehemaliger Polizist auf Seiten der Bösen mit. Auch die Ermittlungen laufen glatt wie immer: Özakin steht kaum drei Sekunden in einem Raum, da wittert er schon eine neue Spur. Ratlos ist dieser Kommissar nie. Auch nicht über die vielen Protestbanner in der Stadt. „Objektspekulanten = Unmenschen“ steht da auf Deutsch, dabei soll das doch Tarlabasi sein, nicht Kreuzberg, und vielleicht geht hier der deutsche Krimitourismus ein wenig zu weit.

          Dass der Film trotz alledem durchaus sehenswert ist, liegt vor allem an der Stadt und dem aktuellen Thema. Etwa, wenn die beiden Polizisten durch Tarlabasi fahren und man durch die Windschutzscheibe auf Wäscheleinen blickt, zwischen den engen, bunten Häuserschluchten über die Straße gespannt, oder auf Pferdekarren, die mit Melonen beladen sind, mitten in der Stadt. Es ist eine Szenerie, die wohl bald aus Istanbuls Zentrum verschwunden sein dürfte.

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