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Im Alter von 77 Jahren : Monty-Python-Komiker Terry Jones gestorben

  • Aktualisiert am

Terry Jones, geboren am 1. Februar 1942, gestorben am 21. Januar 2020, im Januar 2003 in London Bild: dpa

1998 hatte eine Urne den verstorbenen Komiker Graham Chapman bei einer legendären Monty-Python-Show vertreten. Jetzt ist ein weiteres Mitglied der britischen Gruppe gestorben. Terry Jones wurde 77 Jahre alt.

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          Der britische Komiker Terry Jones ist tot. Das bestätigte sein Agent an diesem Mittwoch. Jones wurde 77 Jahre alt.

          Terence Graham Parry Jones wurde am 1. Februar 1942 in Colwyn Bay in Wales als Sohn eines Bankangestellten geboren. Er studierte Anglistik und Geschichte am St. Edmund Hall College in Oxford, wirkte mit Michael Palin an verschiedenen Bühnenrevuen mit und wurde zusammen mit seinem Kommilitonen vom Fernsehmoderator David Frost entdeckt.

          Ab Mitte der sechziger Jahre arbeitete Jones für die BBC. Zusammen mit Palin wurde er als Autor für diverse Comedy-Serien engagiert, unter anderem den „The Frost Report“, ein Satireformat, in dem auch die Cambridge-Absolventen John Cleese, Graham Chapman und Eric Idle mitwirkten. Die fünf Kollegen gründeten dann zusammen mit dem seit 1967 in London lebenden Amerikaner Terry Gilliam die Komikergruppe „Monty Python's Flying Circus“, die mit ihren Sketchen und Animationen von 1969 bis 1974 im BBC-Fernsehen reüssierte und bald auch im Ausland Furore machte.

          Die „Pythons“ prägten eine eigene, anarchische Variante des britischen Humors. Ihr Einfluss und Kultstatus in der Comedy-Szene wurde mit dem der Beatles in der Musik verglichen. Dass das Wort „pythonesque“ in den englischen Wortschatz einging und damit den Reiz des Neuen verlor, wurde von Jones später als „Versagen“ kommentiert. Als Darsteller brillierte er vor allem in Frauenrollen, unvergessen blieben auch musikalische Sketche von Jones und Palin wie „Spam“ (später ein Synonym für Werbemails) und der „Lumberjack Song“.

          Wikinger, Wind und Weiden

          Jones führte in mehreren Fernsehfolgen Regie und war neben Gilliam Ko-Regisseur des Kinofilms „Monty Python and the Holy Grail“ (1975, deutsch „Die Ritter der Kokosnuss“), einer Anarcho-Komödie um die Artus-Sage. Die alleinige Regieverantwortung trug er für die Bibelfilm-Parodie „Monty Python's Life of Brian“ (1979, deutsch „Das Leben des Brian“), mit der die Truppe ihren größten Erfolg feierte, und für die satirische Nummernrevue „Monty Python's the Meaning of Life“ (1983, deutsch „Der Sinn des Lebens“), die Grundfragen der menschlichen Existenz in Fernsehshow-Manier abhandelt.

          Bereits seit Ende der siebziger Jahre verfolgten die Monty-Python-Mitglieder zunehmend eigenständige Karrieren, auch wenn sich ihre Wege nach der Trennung 1983 immer wieder kreuzten. Mit Palin arbeitete Jones an der Comedy-Serie „Ripping Yarns“ (1976 bis 1979), zudem schrieb er das Drehbuch für Jim Hensons Fantasy-Abenteuerfilm „Labyrinth“ (1986) mit David Bowie und führte selbst Regie in der schrägen Kinokomödie „Personal Services“ (1987). Zwei Jahre später folgte die Komödie „Erik the Viking“, in der Jones als Regisseur auch selbst eine Rolle übernahm. Für seinen skurrilen Märchenfilm „The Wind in the Willows“ (1996) konnte er die Python-Kollegen Idle, Cleese und Palin als Mitspieler gewinnen.

          Einer weniger

          Später machte Terry Jones vor allem als Autor und Moderator historischer BBC-Dokumentationen von sich reden, darunter „Crusades“ (1995), ein Vierteiler über die Kreuzzüge im Mittelalter, sowie „Medieval Lives“ (2004) und „Barbarians“ (2006). In letzteren beiden Beiträgen versuchte er, populäre Irrtümer zu zerstreuen, indem er fortschrittliches Denken im angeblich finsteren Mittelalter oder die hochentwickelten Kulturen der von den Römern eroberten „barbarischen“ Völker in der Antike darstellte.

          Jones schrieb zahlreiche Kinderbücher, darunter die preisgekrönte „Saga of Erik the Viking“ (1983), sowie die auf einem Computerspiel basierende Science-Fiction-Romanparodie „Douglas Adams's Starship Titanic“ (1997) und eine Oper, „Evil Machines“, die er 2008 in Lissabon selbst inszenierte. Sein Erzählband gleichen Titels (2011) war die erste Buchveröffentlichung, die über die Crowdfunding-Plattform „Unbound“ vorfinanziert wurde.

          Nach ihrem letzten gemeinsamen Auftritt beim Aspen Comedy Festival (1998), an dem der 1989 verstorbene Chapman in Form einer Urne mitwirkte, kam es im Juli 2014 zu einem Bühnen-Comeback der inzwischen über siebzig Jahre alten Komiker von Monty Python in London. Die zehn Vorstellungen waren rasch ausverkauft, die letzte wurde weltweit in zahlreiche Kinos übertragen. Diesmal würdigten die Comedians ihren toten Mitstreiter mit dem Programmtitel „The Monty Python Live (Mostly): One Down, Five To Go“.

          Wie seine Familie mitteilte, ist Terry Jones am Dienstagabend gestorben, „nach einem langen, außerordentlich tapferen, aber immer gutgelaunten Kampf“ mit einer seltenen Form von Demenz, die im Jahr 2015 diagnostiziert worden war.

          „Two Down, Four To Go“, kommentierte John Cleese die Nachricht vom Tod seines Kollegen bei Twitter.

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