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Frankreich sucht einen Mörder : In die Sackgasse

Fehlalarm: „Le Parisien“ Bild: Screenshot

In Frankreich ist ein Mörder auf der Flucht. Die Polizei kämpft mit falschen Hinweisen, und die Zeitungen können es nicht abwarten: Wie Frankreichs Medien den Falschen verhafteten.

          2 Min.

          Es war wie nach dem jüngsten Attentat: Am vergangenen Samstagmorgen erschienen alle französischen Zeitungen mit der gleichen Schlagzeile. Sie verkündete die Verhaftung eines Mannes, der in Frankreich seit seinem Verschwinden landesweit bekannt ist und gesucht wird. Er wird „XDDL“ genannt, kurz für Xavier Dupont de Ligonnès. Er steht im Verdacht, 2011 in Nantes seine Frau, die vier Kinder und die beiden Hunde der Familie getötet zu haben. Nun endlich sollte seine Verhaftung gemeldet werden. Um 20.40 Uhr meldete „Le Parisien“ am Freitagabend, dass XDDL vom Pariser Flughafen Charles de Gaulle mit einem gestohlenen Pass nach Glasgow abgeflogen sei. Zwanzig Minuten später bestätigte die Nachrichtenagentur AFP die Meldung. Die Welle war nicht mehr aufzuhalten. Nur „La Provence“ in Marseille, wo man sonst gerne etwas dicker aufträgt, setzte ein Fragezeichen hinter die Meldung. Samstagmittag hieß es dann: Fehlalarm. Dupont de Ligonnès bleibt verschollen. Bei dem vermeintlich aufgespürten Täter – dem Mann, der tatsächlich im Flugzeug saß – handelt es sich um einen unschuldigen Rentner namens Guy Joao, der in der Automobilfabrik von Renault gearbeitet und sich vor ein paar Jahren in Schottland verheiratet hatte. Seither hat er zwei Wohnsitze.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

          Doch der Vorgang war mit dem Aufdecken des Irrtums längst nicht zu Ende. Nun beschäftigte sich das Land mit Joao. Noch während er im Flugzeug saß, durchsuchte die Polizei sein kleines Haus in der Banlieue. Eine Nachbarin telefonierte mit seiner Frau, die am Flughafen wartete. Er habe bei seiner Festnahme keinerlei Widerstand geleistet, hieß es. Das ganze Wochenende über belagerten die Reporter sein Haus, die Nachrichtensender verbreiteten absurde Bilder von einem Anwesen, in dem keiner war und in dem nichts geschah.

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