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Moderatorenkarussell : Pilawa, das Geld und die Heimat

Wandermoderator in öffentlich-rechtlichen Diensten: Jörg Pilawa Bild: dpa

ARD und ZDF zanken sich ein wenig über den Wechsel des Moderators Jörg Pilawa. Das gehört zum Geschäft. Wobei man sich schon fragt, was dem ZDF ohne ihn fehlt und was die ARD mit ihm gewinnt.

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          Es ist schon erstaunlich, wie hoch Talk- und Showmoderatoren bei den Sendern im Kurs stehen, besonders bei den öffentlich-rechtlichen, bei ARD und ZDF. Dabei könnte man denken, die ARD leide am VFL-Wolfsburg-Syndrom: massenhaft Mitspieler einkaufen und auf dem Feld läuft trotzdem nix. Wohingegen sich die Reihen beim ZDF bedenklich lichten und es dort nur noch einen Spielmacher namens Markus Lanz gibt.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Ein wenig eingeschnappt sieht die Reaktion des ZDF auf den am vergangenen Freitag besiegelten Abgang des Showmoderators Jörg Pilawa zur ARD auf den ersten Blick schon aus. Am Montag, so will die „BamS“ wissen, werde das Zweite Pilawa mit sofortiger Wirkung vor die Tür setzen. Dabei läuft sein Vertrag noch bis Ende des Jahres. Das sei Quatsch, heißt es auf Anfrage (ziemlich wörtlich) beim ZDF, doch werde man Pilawa, so er denn vorzeitig gehe wolle, auch „keine Steine in den Weg legen“. Das nennt man einen Wink mit dem Zaunpfahl.

          Geld spielt keine Rolle

          Dass Pilawa die beiden Jubiläumsshows zum fünfzigjährigen Bestehen des ZDF nun aber nicht wie ursprünglich vorgesehen moderiert, das wird beim ZDF auf Anfrage von FAZ.NET bestätigt. Wäre ja auch zu komisch gewesen, hätte der designierte ARD-Wechsler Pilawa Ende des Monats im Zweiten das Hohelied auf diesen Sender angestimmt.

          Und ein wenig provoziert hat die ARD schon. Da muss man nur auf das Pathos ihrer Pressemitteilung schauen: „Jörg Pilawa wird 2014 in seine Heimat zurückkommen“, hieß es dort. Das Erste plane mit ihm „verschiedene Event-orientierte und mehrteilige Shows für den Hauptabend“. Der erste Streich werde „eine neue, international bereits erfolgreiche musikalische Entertainment-Show sein“, eine Rolle im NDR-Programm komme hinzu.

          Was für ein Heimatbegriff mag das wohl sein? Jörg Pilawa fing Mitte der neunziger Jahre beim Privatsender Pro Sieben an, war bei Sat.1, wechselte 2001 zur ARD, blieb dort neun Jahre, ging dann zum ZDF und kehrt nun zum Ersten mit einem Dreijahresvertrag zurück. Soviel Heimat, könnte man sagen, war nie. Soviel Lehr- und Wanderjahre eines durchaus erfolgreichen Moderators auch nicht. Nimmt man das kolportierte Gerücht hinzu, dass Pilawa bei der ARD weniger als beim ZDF verdienen soll und Geld also keine Rolle spiele – was man nicht glauben muss und einem bei solchen Gelegenheiten immer erzählt wird -, bleibt als Botschaft unterm Strich: Ihr beim ZDF habt aus Pilawa nicht wirklich herausgeholt, was ihn im steckt. Das machen wir jetzt. Worauf das ZDF dann retourkutschenmäßig reagiert, allerdings in Maßen.

          Insgesamt dürfte es, zieht man die Verstimmtheiten des ersten Augenblicks ab, durchaus auf einen vorzeitigen Wechsel hinauslaufen, weil das in der Natur der Sache liegt: Ein bisschen „Rette die Million“ werden sie Pilawa beim ZDF noch machen und ihn auslaufen lassen, bis der Programmdirektor Norbert Himmler Ersatz gefunden hat. Und den zu finden ist dringlich. Die Schlagersängerin Helene Fischer, deren Wechsel von der ARD zum ZDF zu Pilawas Volte am vergangenen Freitag eiligst mitgemeldet wurde, ist es jedenfalls nicht. Und noch eine Sendung zu übernehmen und noch eine und noch eine, das wäre vielleicht sogar für Markus Lanz zuviel.

          Einer für alles – so läuft es beim ZDF, alle bei einem – das gilt für die ARD. Dort tummeln sich jetzt schließlich Kai Pflaume, Thomas Gottschalk und Jörg Pilawa. Günther Jauch und Frank Plasberg nicht zu vergessen, die sowohl im politischen Fach wie in der Unterhaltung zu Hause sind. Die ARD hat nicht nur viele Talk-, sondern auch eine Menge Showmaster.

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